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Facebook Dollar – Währungsreform im Internet

Quelle: The European

Das größte Social Network der Welt wird immer mehr zum allumfassenden “Live”-Feed. Heute schon versorgt Facebook uns mit allen relevanten Informationen über unsere Freunde. In naher Zukunft könnte das Netzwerk zusätzlich zum Online-Shop werden und alsbald eine eigene Währung einführen.

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Noch vor kurzer Zeit stellten alle verfügbaren Informationen und ihre Vermarktungs- möglichkeiten die Währung des Internets dar. Die Zentralbank, die dieses Vermögen verwaltete, heiß Google. Google hat es geschafft, alle Bereiche von Informationen zu erfassen, zu speichern, zu strukturieren und schließlich zu monetisieren.

Doch das Internet entwickelt sich weiter, eine relativ neue digitale Supermacht hat das Betriebssystem des Lebens gestartet: Facebook. Facebook zeigt uns, wie man soziale Beziehungen und alle Informationen darüber erfasst, speichert und strukturiert. Facebook vernetzt Menschen mit Menschen, all unsere Freunde finden wir wieder. Wir wollen da sein, wo unsere Freunde sich aufhalten, weil Freundschaften eine sehr starke Anziehungskraft auf uns Menschen haben. Wir sind gern mit unseren Freunden zusammen, wir halten uns gern an den Orten auf, die unsere Freunde mit uns teilen, egal ob diese Orte real oder digital sind. Empfehlungsmarketing ist durch die Vernetzung mit meinen Freunden überall im Internet, besonders aber bei Facebook, in eine ganz neue Dimension aufgestiegen.

Mehr als das: Die gesamte Kommunikation verändert sich gerade durch die neuen Kommunikationsformen, die gerade entstehen: Das Leben wird ein “Live”-Feed. Alles, was in meinem Leben passiert, kann ich binnen weniger Sekunden mit meinen Freunden teilen, indem ich das gerade erst mit meinem Smartphone aufgenommene Video sofort hochlade und meine Erfahrungen dazu direkt im Chat austauschen kann. Noch vor wenigen Jahren habe ich den besten Urlaubsschnappschuss per MMS an einige wenige Freunde geschickt, oder mich per SMS bei ihnen gemeldet, jetzt poste ich mein Leben bei Facebook, weil meine Freunde wissen wollen, wo ich mich gerade aufhalte.

Man könnte sogar behaupten, dass Facebook der digitale Organisator meines Lebens geworden ist. Die Organisation meiner Termine, Kontakte, Events und meines “Life”-Streams, die richtigen Leute zur rechten Zeit in der rechten Location zu treffen, all das kann Facebook schon heute. Facebook sorgt für eine ganz neue Form der Unterhaltung, alle Unterhaltungsformen und Medien sind auf einer Plattform, niemand muss seine “social Home-Domain” mehr verlassen, um die Feeds seiner Freunde zu verfolgen. Er wird rund um die Uhr in allen seinen Interessengebieten reichlich mit Informationen versorgt.

Aber nicht nur Personen werden vernetzt, mittlerweile geht Facebook dazu über, Websites zu vernetzen. Das einfache Mittel dazu: Der “Gefällt mir”-Button. Dieser kleine Button (man bedenke, dass Youtube von der Sternchen-Bewertung vor kurzem auch zu dieser Kurzform der Bewertung übergegangen ist) sorgt für eine komplette und komplexe Vernetzung von Menschen mit Menschen und Websites mit Menschen. Meine Freunde wissen, was ich mag und was nicht. Ich kann genau verfolgen, welchem meiner Freunde welche neuen Trends gefallen, welche sie ablehnen. “Meine Freunde”, das ist auch ein neuer Informationsfilter, die “Friend-Zone”, die mir Sicherheit vor der Informationsflut des Internets gibt. Ich muss mich nur daran orientieren, was meine Freunde mögen, dann kann dieser Informationsfilter bei richtiger Handhabung sicher Vorteile haben. Ich sehe, welche meiner Freunde welche Seiten schon vor mir besucht haben und ob es ihnen gefallen hat.

Der nächste Schritt nach dem “Gefällt-mir-Button” könnte der “Kauf-Button” sein. Ein Produkt, eine Dienstleistung gefällt mir und ich kann sie binnen Sekunden kaufen, ohne jede Eingabe von Adress- oder Kreditkarten-Daten, einfach über meinen “Facebook-Account”. Facebook übernimmt die gesamte Abwicklung vom Bestellvorgang über die Zahlungsüberwachung bis zur Auslieferung und erschafft sich so eine neue, sehr interessante Wertschöpfungskette. Man kann noch weitere Spekulationen anstellen: Wenn schon alles über Facebook abgewickelt wird, dann könnte man vielleicht sogar spekulieren, dass Facebook sein eigenes Währungssystem aufbaut – weltweit ohne jede Währungsrechnerei, vergleichbar und von seinen Freunden empfohlen, einkaufen. Facebook würde dann an jeder Transaktion und an jeder Umrechnung bei Einzahlungen auf das Facebook-Konto verdienen.

Vielen wäre das wohl auch ganz recht so, denn bei “Facebook sind ja alle meine Freunde”.

“Eine Ebene tiefer” – Eine mögliche Strategie der digitalen Supermächten

Ich könnte mir vorstellen, dass die digitalen Supermächte sehr bald noch einen Schritt weitergehen. Ich denke, sie werden sehr bald eine Ebene tiefer in dem Geflecht der Internetverbindungen ansetzen: Sie werden sich technische Infrastrukturen zukaufen. Dann hätten die digitalen Supermächte nicht nur den vollen Zugang zu allen Informationen, sondern auch noch die Herrschaft über zunächst einen Teil der Leitungen im Internet. Das alles würde zu einer marktbeherrschenden Position führen, denn niemand, kein Unternehmen und keine Privatperson kämen im Internet mehr an den digitalen Supermächten vorbei. Die Geschäftspolitik dieser Firmen wäre auf der Welt wirklich einmalig.

Die richtig großen Daten-Autobahnen im Internet werden durch sogenannte Tier-1-Carrier zur Verfügung gestellt, die die leistungsstarken Überseekabel zwischen den Kontinenten nutzen. Man könnte die Tier-1-Carrier mit den Hauptschlagadern im menschlichen Körper vergleichen, die sich in kleinere Blutbahnen, die Tier-2- und Tier-3-Carrier, verzweigen. Die großen Tier-1-Carrier verbinden ihre Netze untereinander kostenlos und verkaufen ihre Leistungen an die Tier-2-Carrier, zu denen auch die Deutsche Telekom gehört.

Es lohnt sich sicher, die Entwicklung im Infrastruktur-Markt der Tier-1-Carrier im Auge zu behalten, denn es gibt nur neun Firmen auf der Welt, die den Markt beherrschen: AT&T, AOL Transit Data Network, Verizon, Level (3), Sprint Nextel, Global Crossing, Savvis und NTT Communications.

Ich finde, wir haben sogar die Verpflichtung diese Entwicklung genau zu beobachten.

Wikipedia als neue digitale Supermacht.

Wikipedia ist auf dem Weg, die Welt des Lernens grundlegend zu ändern. Es hat, einem Start up vergleichbar, begonnen und sich in kurzer Zeit einen guten Namen im Netz gemacht. Wikipedia hat sehr treue Spender, damit das System sich immer weiter entwickelt. Heute zählt es zu den meist zitierten Quellen im Internet. Über das offene redaktionelle Netzwerk wurde schon viel geschrieben, es wurde viel Negatives angemerkt und viele gute Ideen gelobt. Eines kann man mit Bestimmtheit sagen: Die Qualität dieses kostenlosen Services hat sich enorm gesteigert, auch oder gerade weil es sich durch Spenden finanziert. Das schafft – als Ausdruck von Unabhängigkeit – Sympathien bei den Nutzern.

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Jetzt ist Wikipedia auch noch erwachsen geworden, fast nichts erinnert nach dem Relaunch noch an die ursprüngliche Erscheinungsform eines Online-Lexikons. Wikipedia hat gelernt, dass auch die Ästhetik eines Internetauftritts einen großen Einfluss auf die Attraktivität hat. Die Reduktion auf das Wesentliche ist im ganzen Internet zu finden, die schrillen, bunten, lauten Seiten gibt es nur noch in den Randbereichen, die schrill, bunt und laut sein müssen. Wikipedia ist nie so gewesen und geht noch einen Schritt weiter in Richtung auf Seriosität, indem es sein Design nach und nach eigene Wege geht, die für andere Online-Lexika wegweisend sein werden. Wikipedia setzt Maßstäbe, ist der Vorreiter in Sachen Wissen.

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Neues Design von Wikipedia.

Die Funktionen wurden ebenfalls auf den neusten Stand gebracht, es ist jetzt sogar möglich, sich die Artikel, die einen interessieren, zu einem Buch zusammen zu fassen und tatsächlich körperlich auszudrucken. „Wikipedia goes offline“, im wahrsten und im besten Sinne des Wortes und gleichzeitig der Weg zu noch mehr „Kundenbindung“ durch Service.

Wiki News, Wiki Versity, Wiki Source, etc. alles Entwicklungen, die aus dem einem Produkt „Wissen“ viele weitere Produkte schafft, ohne die Kernkompetenz aufzugeben. Darüber hinaus ist Wikipedia ein fester Bestandteil des täglichen Lebens geworden, denn man hat als Smartphone-Besitzer jetzt jederzeit das gesamte Wissen der Welt bei sich – quasi haben wir zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit das Weltwissen „in der Hosentasche“.

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Wikipedia ist nicht mehr nur Wikipedia. Wikipedia ist mehr. Wikipedia wird mehr und mehr das Wissen.

Das kommt den „internet-normierten“ Menschen, den engagierten Onlinern, sehr gelegen, denn für sie müssen alle Archivierungssysteme auch online verfügbar sein. Auch aus diesem Grund finden wir in der Entwicklungs“gemeinde“ und den Unterstützern sehr viele internet-normierte Menschen, Menschen, die das Internet und die dort angebotenen Services als ihr Betriebssystem verstehen, als Grundlage ihres Lebens, mit Hilfe dessen sie ihr reales Leben und das virtuelle Leben in Einklang bringen.

Wikipedia verändert unser Lernen und Leben erheblich, es wird zu einer Institution, auf die man sich berufen kann, im Lernen und im Leben. Jederzeit und überall auf allen Geräten (Maschinen).

Wir konnten die Entstehung eines anderen Unternehmen bereits verfolgen, eines Unternehmens, das sich auf Informationen spezialisiert hat und zu einer digitalen Supermacht geworden ist: Google. Nur dass wir in der Zeit der Entstehung von Google die Dimensionen noch gar nicht abschätzen konnten, die dieses Unternehmen für sich beanspruchen würde, weil alles neu für uns war, heute könnte man fast sagen, das Internet begann erst mit Google.

Wikipedia ist – und wir können die Entwicklung dieses Mal durch das bereits vorhandene Beispiel Google wesentlich aufmerksamer verfolgen – auf dem Weg zu einer digitalen Supermacht. Deshalb müssen wir diese Organisation besser verstehen lernen, weil sie schon bald ein weiterer Monopolist in der virtuellen Welt werden wird.

Wikipedia zu verstehen, heißt, das (digitale) Leben zu verstehen.



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