Hat Deutschland zu wenig im Web 2.0 getan?

Die digitale Revolution ist nicht nur ein globales Phänomen – es gibt sie wirklich! Die Globalisierung und die Digitalisierung der Märkte sind derzeit die wichtigsten Wirtschaftspositionen. Diese Entwicklung ist nicht kurzfristig entstanden, sondern ist ein Prozess der letzten zwanzig Jahre. In Deutschland haben wir manchmal leider die Eigenschaft, sehr schnell die wirtschaftliche Depression zu spüren und uns selbst durch die Gedanken an selbige in der Handlungsfähigkeit zu begrenzen.

Ich habe diese Entwicklung selbst miterlebt, als wir 2001 die schlimmsten Jahre in der Geschichte der digitalen Revolution fühlten. Die Zeit war aus zwei Gründen schrecklich. Erstens konnte man kaum noch jemanden erklären, wieso man sich überhaupt in diesem Bereich betätigen sollte. Zweitens wurden durch die Rückschläge keinerlei finanzielle Möglichkeiten mehr geboten um gute Ideen wieder schnell zu verwirklichen. Und siehe heute: HEY, das Internet ist trotz der vielen Gegenstimmen immer noch nicht tot. Aber hier bei uns im Land ist der bekannte amerikanischen Optimismus noch lange nicht zu spüren. Bei allem Respekt: ICH VERSTEHE DAS NICHT! Wir haben uns die Möglichkeit rauben lassen schon vor einigen Jahren diese Entwicklung maßgeblich für die deutsche Wirtschaft positiv zu gestalten.

Gedanklicher Neustart
Heute ist die Weblandschaft von bitteren unternehmerischen Enttäuschungen aus der Vergangenheit geprägt, aber zumindest haben wir wieder den Mut dazu etwas zu verwirklichen – und dabei konnten wir auch eine viel positivere Stimmung im Vergleich zu damals finden. Für mich hat das drei Gründe: Wir verstehen heute die Technik um einiges besser. Wir haben den Nutzer mit seinen Bedürfnisse, seinen Anforderungen und seiner individuellen Psychologie verstanden. Das Beste aber ist: Wir haben endlich eine große Anzahl an Usern, die auch unsere Services nutzen wollen. Die erste Welle des Internets umfasste letztendlich die einfache Gestaltung von Webseiten, einige technische Erneuerungen bis hin zu komplexen E-Commerce Anwendungen. Die Web 2.0 Generation, die ich gerne bereits die dritte Generation im Internet nenne, ist genau hier einen Schritt weiter gekommen. Es entstehen neue Philosophien, die Benutzung von Services gehen von Verkauf von Produkten hin zu Präsentationen, Empfehlungen und dem Zusammenschluss von Käufern in einer gemeinsamen Gruppe. Diese Art der Dienstleistungen und Services im Netz vernetzen sich zusammen tauschen sich aus und entwickeln gemeinsam neue Ideen im Netz – und setzen diese auch tatsächlich zusammen um. Es werden dabei unglaublich viele relevante Daten gesammelt, die nun im Web 2.0 in Kollaboration mit anderen Usern verarbeitet, vertaggt und natürlich semantisch analysiert werden können. Dazu die technische Tag-Infrastruktur gepaart mit einem DRM und Schutzfunktionen – und eine neue Art von Institution entsteht: Das ist Web 2.0 – das ist das neue Web.

Diese Daten (Bewertungen, Kommentare, Rezessionen) sind im Gegensatz zu Produktbeschreibungen heute für den Endverbraucher viel wichtiger als die Anwendung an sich. Damals hat man mit sehr viel Aufwand diese Daten erhoben und hat versucht es in Einklang mit den Erträgen aus dem Business zu bringen. Diese Entwicklung hat die Wirtschaft in den USA schon 2004 gestartet, bevor hier überhaupt jemand von Web 2.0 etwas wusste. Das bedeutet, dass wir nicht nur Jahre hinterher hinken, sondern auch die Entwicklung von Venture Capital in den USA die großen Angebote bietet, die man in Deutschland und auch in Europa noch lange suchen muss. Geldgeber, die freizügig in die Zukunft investieren, sind in Deutschland nach wie vor Mangelware. Dass in Deutschland Unternehmen wie Burda oder Holtzbrinck in Web 2.0 Unternehmen investieren, ist kaum vergleichbar mit dem was in den USA passiert. Einige Reihe mutiger junger Investoren sind heute schneller dabei als die etablierten – aber noch lange nicht so optimiert. Sie sind gut -sehr gut sogar- aber sie sind noch lange nicht so erfahren wie die großen Investmentgruppen dieser Welt.

Multiple Informationsdistribution
Auch sehr interessant ist die Tatsache, dass neue Journalisten als Blogger eine wichtige und elementare Rolle spielen. Ich lese heute häufiger meine Bloggerfreunde als die täglichen Nachrichten. Natürlich schaue ich täglich auf focus.de oder spiegel.de nach der tagesaktuellen Nachrichtenlage, jedoch bemerke ich, dass eine wichtige Neupositionierung von Informationsvermittlung stattfindet. Diese bietet für mich eine wirklich ganz andere Sichtweise und herangehen an Themen die mich interessieren – als Beispiel möchte ich hier Rivva nennen.

Immer stärker werde ich auch zu einem Fachmann für die Entwicklung der Medienlandschaft – und mein Allgemeinwissen eigne ich mir nur noch durch Gespräche an. Auch hier bemerke ich allzu oft, dass die öffentliche virtuelle Meinung von einigen wenigen Menschen geprägt wird. Die so genannten A-Blogger wie Peter Turi, Mario Sixtus, Robert Basic und ca. 100 weitere Top Blogger in Deutschland bilden dieses Sahnehäubchen der Informationsdistribution und Meinungsbildung. Ich bin mir jedoch sehr sicher, dass sich das sehr bald schon ändern wird. Wir werden für verschiedene Gruppen verschiedene namhafte Blogger haben, die sich auch als journalistisch wertvolles Nischenmedium positionieren werden.

Aufwachen aus dem Dornröschenschlaf
Wieso hier die Radios schlafen, ist für mich persönlich nicht nachvollziehbar. Nicht nachvollziehbar ist es, weil es für die neu entwickelte selbstorganisierende Informationsbildung in Deutschland extrem wichtig ist mit der Zeit zu gehen. Wir von sevenload werden noch im Juli den Podcastern, Videopodcaster und allen VJ dieser Welt eine Plattform anbieten, die es erlaubt, sich dem Kampf um die Aufmerksamkeit zu stellen und sich einem Millionenpublikum präsentieren zu können. Dies wird ähnlich stattfinden, so wie wir bereits die Specials in den sevenload Kanälen schon heute etablieren konnten und noch weiterhin fördern werden. Ich finde die Lanze muss gebrochen werden, damit heute die Podcaster zu einem wichtigen Bestandteil unserer Gesellschaft gehören. Wir werden diese dann auch dementsprechend präsentieren, so dass die drei Inhaltstypen der Fotos, Videos und Podcasts auf sevenload gemeinsam zu einem Erlebnis werden.

Wir verstehen heute bei sevenload besser, wie man mit Künstlern umzugehen hat. Ihr Wunsch nach einer respektvollen Grundhaltung gegenüber ihnen und ihren Inhalten und die Verantwortung sie als Talente beinhaltet unser Denken. Die mir dabei oft aufkommende Frage ist dabei: Was benötigt ihr und welche neue Darstellungsform für eure Inhalte ist sinnvoll, machbar und bezahlbar? Wir wissen nur zu gut, dass ein Internetportal wie sevenload ständig im Wandel ist, sich verändert, sich verbessert und unseren Usern zum Schluss das bestmögliche Angebot bieten muss. Ich bleibe daher bei meiner Aussage: Es bleibt alles sehr spannend!