Es gibt Millionen über Millionen Profildaten auf Social Networks.
Wir treffen jederzeit im Internet auf Profile von echten Menschen, kontaktieren diese ohne sie jemals persönlich kennen zu lernen. Zu einigen Profilen werden Informationen preisgegeben, die über das noch kontrollierbare Maß an Daten von Weblogs oder Forenbeiträgen nahe an die Grenze der Personalisierung jegliches Datenmaterials reichen. Wer sind diese Menschen, kann man ihnen vertrauen, ist das ausgewählte Profil wirklich der Unternehmer, zu dem ich einen Kontakt aufbauen möchte? Wahrheit oder Fälschung – nur das blanke Vertrauen auf die Richtigkeit und die Validität der gegebenen Daten obliegt mir allein. Im Falle eines Todes werden Profile oder Webseiten oft noch mit einer Unmenge an Zuschriften, Kommentaren, Spam und sogar pornografischen Inhalten bombardiert. Social-Networking-Anbieter müssen sich dringend mit diesem Problem auseinandersetzen.
Die Diskussion um die Nutzung der Daten, sobald ein Nutzer im wahren Leben verstorben ist, regt mich zum Denken an. Leben einige der Kontakte nicht mehr, die mit mir auf Facebook, Twitter, YouTube, Flickr, LinkedIn, XING etc. verknüpft sind? Ein grausamer Gedanke, wenn man einem Verstorbenen fröhliche Gästebucheinträge oder Nachrichten schickt. Oder einen Bekannten sucht, dessen Profil jedoch durch den Betreiber nach dessen Tod gelöscht wurde. Ich persönlich möchte es nicht, dass meine Freunde mich nach meinem Tod immer noch online sehen. Ich kann mir gut vorstellen, dass es einigen Menschen nicht vereinfachen würde, da ich in fast allen großen Networks ein geordnetes Profil führe. Wenn man sich alleine vorstellt, dass da stehen würde, Freunde aus Ihrer Umgebung: Ibo aus Köln oder im Mini-Feed steht – Peter hat Ibo als Kontakt hinzugefügt. Hmm, das ist nicht nett – Das will ich nicht!
Wenn ich nun unser Portal anschaue, finde ich derzeit keine spezifischen Regelungen, wie wir dem Tod eines Community-Mitglieds umzugehen haben. Wir können ja nicht bei jedem Hinweis, ein Profil löschen. Neben dem übermitteln unsere Anteilnahme an den Angehörigen, benötigen wir dann schon eine genau Identifikation der Person. Derzeit gibt es für uns und alle großen Social Networks keine zentrale Ansprechpartner.
Es gibt derzeit neue Ideen für digitale Friedhofe wie ein Start-Up namens emorial.de – und wenn man bei Heise nachforscht, sieht man sofort, dass der Web Friedhof eine sehr alte Idee von 1999 ist. Aber die Idee gefällt mir nicht, hier mit RSS zu arbeiten um neue Sterbeurkunde zu bekommen.
OpenID könnte das Problem lösen. Würde ein OpenID-Mitglieder sterben, könnten alle Partnerseiten von OpenID benachrichtigt werden und wären damit automatisch über die geänderten Verhältnisse in Kenntnis gesetzt.
OpenID ist derzeit eine kostenlose und einfache Möglichkeit sich eine digitale Identität zuzulegen. Diese verknüpft sich dann mit allen wichtigen Profilen im Netz. Man muss sich eine OpenID wie einen Mitgliedsausweis vorstellen, der auf vielen Webseiten gerne gesehen wird. Eine Liste der wichtigsten Social Networks die OpenID nutzen findet man unter myopenid.com. Wenn man sein eigenes OpenID Zugang vorweist, entfällt die Registrierung und man kann die gewünschte Seite sofort nutzen.
Weiterhin könnte die Aufgabe die Post übernehmen. Die Post (vielleicht auch google) hat mit Abstand alle wichtigen Informationen von Personen und könnte das als neutrale Stelle regeln.

Sascha
Man könnte auch einfach Profile löschen die seit mehr als 6 Monaten nicht mehr genutzt wurden. Partnerbörsen machen das (natürlich aus anderen Gründen) so. Natürlich nur nach vorheriger mehrmaliger Ansprache.
Roberto De Simone
Hallo Ibo,
beim Tod eines Community-Mitglieds ist es wichtig, das die oder derjenige schnell gelöscht bzw. deaktiviert wird. Alleine schon aus Respekt den Angehörigen gegenüber, die ab so einem Ereignis sich jeden Tag das “kalte” Profil des Angehörigen anschauen müssen und können, schrecklich die Vorstellung.
Ich arbeite bei der Deutschen Post in Bonn in einem Unternehmenszweig der ständig versucht innovative Lösungen zu erarbeiten. Wir sprachen schon einmal drüber. Ich werde das Thema weiter verfolgen und hoffe sehr bald mit weiteren Infos kommen zu können. Ich werde Dich auf dem laufenden halten.
Dein/Euer, Roberto
Thomas Bachem
Wie immer ein sehr interessantes Thema!
Die Frage die ich mir jedoch stelle ist: Ist es denn überhaupt richtig, alle Spuren aus dem Web bzw. den SNs zu entfernen, als hätte diese Person nie existiert? Ist das nicht viel mehr eine Verdrängung und Verleugnung der Person und ihres Lebens?
Warum möchten wir Tote komplett aus unserem Leben ausblenden? Sind wir nicht fähig, uns der Konfrontation und Verarbeitung ihres Todes aufrichtig zu stellen? Und möchte man nicht vielleicht bewusst zeigen: “Ja, ich war mit diesem Menschen befreundet, und werde es auch immer bleiben?”
Ich bin mir selbst nicht sicher, wie ich zu diesen Fragen stehe, wollte sie jedoch mal in den Raum werfen
.
Silke Puls
Hmmm…ich weiß nicht – ich glaube nicht, dass ich nach meinem Tod meine Profile unbedingt gelöscht haben möchte. Es ist ja ein Teil meines Lebens, was ich hier hinterlasse – es werden ja auch nicht alle Bücher von verstorbenen Autoren verbrannt, zum Beispiel, oder Filme, in denen Schauspieler mitwirken, die eben auch schon verstorben sind.
Vielleicht möchte man ja Spuren hinterlassen.
Eine Art “Internettestament” wäre da vielleicht hilfreich – eine Rubrik, in der man hinterlegen kann, was man wünscht, wie nach einem Tod mit den Accounts, Blogs oder ähnlichem verfahren werden soll oder darf. Da sollte man einfach den Wunsch des Verstorbenen respektieren.
AndreasB
Ich bin gegen OpenID aus gründen die ich hier nicht näher erläutern will, und ich bin gegen
Profile löschen.
Ich lade doch nicht Bilder und Videos hoch, nur um sie wildfremden Menschen und virtuellen Freunden zu zeigen, sondern auch um sie für die Familie, Verwandte und Bekannte, alte Schulfreunde u.s.w. zu erhalten.
Wenn ich ich mir ein Klassenphoto ansehe, was 10 oder 20 Jahre alt ist, schneide ich ja auch nicht die Gesichter von den
Leute aus, von denen ich weiss, das sie inzwischen gestorben sind.
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Martin Kunz
Ich bin zufällig beim Googeln auf eure Diskussion gestoßen. Wir haben http://www.emorial.de genau aus diesen Gründen entwickelt. Manche Menschen wollen digitale Spuren hinterlassen (einige wollen auch erst einmal Spuren für die verstorbene Oma legen!)- sie können in den online-graveyards all das abspeichern, was sie als Nachlass weitergeben wollen: Texte, Bilder, Musik oder gar ein Video sind die typischen Inhalte dieser Memorials. Andere können sich das gar nicht vorstellen, weil der Tod schließlich eine ganz private Sache ist- dafür kann man bei vielen online-Friedhöfen einen digitalen Schlüssel vorschalten. So kann man auch sein eignes Memorial erstellen, das erst dann freigeschaltet wird, wenn der Sensenmann kommt.
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