Fixierungs-Code in der Geografie
Letzte Woche nutzte ich nach langer Zeit wieder das Auto um nach Essen zu reisen. Diese Strecke fuhr ich früher mehrere Male im Jahr und war intuitiv mit der Route vertraut. Diesmal jedoch wollte ich die Fahrt nur auf mich nehmen, wenn das Navigationsgerät aktiviert ist. Die exakten Informationen über die Fahrtlänge, Stauinformationen, Dauer der Fahrt und die Berechnung der Fahrtzeit stellen meiner Meinung nach einen relevanten Mehrwert für die Autofahrt dar. Moderne Navigationsgeräte sind das Zeugnis der heutigen Digitalisierung von Informationen. Kein Mensch konnte sich noch vor fast 500 Jahren vorstellen, dass aus den zu dieser Zeit gerade neu entstanden Weltkarten nun ein durchdachtes digitales Wunderwerk entstehen konnte. Doch dieser Informationsfluss zwingt mich, dass ich mich immer stärker auf das Navigationsgerät konzentrieren muss.
Wir sind komplett abhängig von der alltäglichen Unter- stützung durch Navigationsgeräte. Termine werden so präzise koordiniert, dass man genau einplanen kann, wie lange man für eine Fahrt braucht. Durch ein Handy mit GPS-Verbindung wird jede Verzögerung auf die Sekunde genau berechnet. Zeitgleich bieten Navigationsgeräte weitaus mehr Daten als nur die reinen Streckeninformationen an. Über die erweiterte Funktionalität der Umgebungsinformationen und Location-Based-Services findet sich ohne Problem ein geeignetes Restaurant in der Nähe für eine kurze Fahrtpause. Genaue Reiserouten zeigen sogar touristisch interessante Strecken quer durch die Länder und rund um den Globus. Die Navigationssysteme der heutigen Zeit verstehen das intelligente Umfahren von Staus, indem sie vollautomatisch die schnellsten oder kürzesten Routen neu berechnen. Trotz aller Finesse der Navigationsgeräte kann das Umfahren von Staus aber auch zum Fiasko führen. Der Mensch muss jetzt “nur noch” sicher fahren und sich an die Anweisungen des Navigationsgerätes halten – alles andere regelt die Technik.
Vorteile von Navigationssystemen:
Fakt ist aber, dass die Wirtschaft in der Nähe von oft umfahrenen Stauregionen die Gunst der Stunde ausnutzen können. Perfekte Werbemaßnahmen wie beispielsweise Location-Based-Marketing oder klassische Werbeformen am Streckenrand können zur Bewerbung der Produkte aus der Region effizient eingesetzt werden. Diese speziellen Regionen, die sich meist in Autobahnnähe befinden, müssten nur diese Art von Marketing besser für ihre Zwecke einsetzen.
Nähert man sich dem Pariser Eifelturm, so wird man von vielen Menschen angesprochen, die irgendwelche Touristengeschenke verkaufen wollen. Was man aus größeren Städten und Ballungszentren schon kennt, kann auch im Kleinen funktionieren. Den Ideen für die werbetechnische Optimierung von kleineren Wirtschaftsregionen in Deutschland sind in diesen speziellen Fällen keinen Grenzen gesetzt.
Die Verknüpfung von Navigationsgeräten mit dem Netz wäre nun die nächste große Entwicklungsstufe:
Auch technisch müssten die Endgeräte in der Lage sein, die Reiseroute per Bluetooth untereinander auszutauschen. Indem ich am Rechner eine Route über mehrere Streckenpunkte präzise plane und diese exportiere oder über die drahtlose Verbindung übertrage, müsste das Navigationsgerät im Auto alle notwendigen Informationen erhalten, um meine Reise so angenehm wie möglich zu gestalten.
Ein Mashup zwischen Navigationsgerät und den Daten aus Google Maps wäre zukunftsnah, das Prinzip von Openstreetmap sollte jeder Autofahrer für sich auf das Navigationsgerät aufspielen und wiederum jede genutzte Information auf Wunsch in die verschiedenen über das Internet eingebundenen Dienste einspeisen können.
Um solche Entwicklungen voranzutreiben, müssten die Navigationshersteller über offene Systeme sich ihre Gedanken machen. Die Entwicklungen hier wären fantastisch. Wenn diese Unternehmen die Entwicklung der neuen Navigationsgeräte nicht in diese Richtung lenken, werden moderne Alltagsgeräte wie das iPhone diese wichtigen Aufgaben übernehmen und das Navigationsgerät übertrumpfen. Als Nachteile solcher sehr komplexen Systeme treten wiederum das zwanghafte “Online-Bleiben” und die zwanghafte Vernetzung der Gesellschaft in den Vordergrund – kontrollierbar und natürlich freiheitsberaubend, datenschutzrechtlich bedenklich und obendrein süchtig machend kann aus einer Killerapplikation auch ein perfektes Überwachungssystem werden.

Tolle Gedanken bringst du da zusammen!
Interessante Mashups (u. a. mit Google Maps, geonames und anderen Diensten) werden in Zukunft andere Anwendungen “befreien” von Lizenzgebühren.
Ich fahre nicht so oft Auto, dass ich Erfahrung mit Navis habe, aber das Projekt OpenStreetMap hat mich selbst schon in seinen Bann gezogen
Das gute an OSM ist das einfache Datenmodell, das die API nutzt. Prinzipiell lässt sich OSM für jede Art von Objekten nutzen, die ich mit einem geographischen Punkt verbinden kann, ob Straßen, POIs oder Aufenthaltsorte von Personen.
Ein paar Infos und interessante Links zu OSM: http://andreaskalsch.de/blog/2008/08/13/OpenStreetMap – die Karte der Zukunft/
Ein Artikel in Technology Review zeigt außerdem einen Vergleich zwischen OSM und Google Maps. Google Maps hat momentan noch konsistentere Daten für Autofahrer. Die Fußgänger-Directions aber lassen zu wünschen übrig (deswegen auch beta), denn kleine Wege werden ausgelassen. Da zeigt openrouteservice.org seine Stärken, weil es OSM-Daten nutzt. In städtischen Gebieten sind Wege und Straßen viel detaillierter erfasst als in Google – und das dank des Engagements von Leuten wie du und ich.