Cui bono universe Web 2.0 oder wie Verlage leiden.

cicero Cui bono?

Der römischen Redner, Staatsmann und Philosophen Marcus Tullius Cicero fragte diese Frage in einer seiner Verteidigungsrede für den Angeklagten Sextus Roscius Amerinus aus dem Jahr 80 v. Chr. – Cicero verwendete die Frage um den Mordverdacht vom Angeklagten, dem mittellosen Sohn des Mordopfers, auf Lucius Cornelius Chrysogonus zu lenken, der dessen ganzen Besitz unrechtmäßig an sich brachte.

Jetzt 2100 Jahre später frage ich mich: Was genau machen wir Onliner da eigentlich? Wir produzieren Inhalte. Wir alle – irgendwie, irgendwann und überall. Fotos, Videos, Blogeinträge, Kommentare, Bewertungen und noch viel mehr. Doch Cui bono? Wem nutzen all die Inhalte? Was ist ein Inhalt wert? Unbeantwortete Fragen, es gibt darauf derzeit keine Antworten, oder?

Doch, einige gibt es:
Wir alle sind das Internet – Alle Onliner profitieren von der Aufmerksamkeit – Onliner, die sich selbst im Internet managen und Freude daran haben, Gedanken, Inhalte und Ideen miteinander zu teilen.

Wirtschaftlich betrachtet sind es natürlich die digitalen Supermächte, die am meisten von den Inhalten profitieren. Sie sammeln und organisieren die Inhalte und bieten “unsere” Informationen kombiniert mit bezahlter Werbung allen an, die auf der Suche nach Informationen sind und ihre Dienste in Anspruch nehmen müssen. Wir finden also unsere eigenen Informationen mit Googles oder Amazons Werbung zusammen bei unseren eigenen Suchen wieder. Selbst produzieren sie kaum Inhalte, sie bieten nur die Technik, zugestanden, meist professionelle und sogar kostenlose Technik, die für jeden Onliner leicht verständlich und anwendbar ist. Daher müssen wir Onliner dankbar sein, dass Einzelinformationen gesammelt, verwertet und so schnell zugänglich gemacht werden.

Was aber ist mit professionellen “Inhalt-Herstellern”, die davon leben, ihre Inhalte zu vermarkten, um daran zu verdienen? Sie werden in unserer Zeit schnell zu zu rechtlosen Sklaven, die ihre Inhalte gratis an die digitalen Supermächte abliefern (müssen), um überhaupt wahrgenommen zu werden. Google, die digitale Informations-Supermacht, interessiert sich nicht für die kleinen und größeren Verlage, die darauf angewiesen sind, für guten Inhalt auch Geld nehmen zu müssen. Denn die Zielsetzung von Google ist eine global-wirtschaftliche, die keine staatlichen oder kulturellen Grenzen kennt. Google ist ein von Menschen erschaffenes automatisiertes System, das Inhalte auflistet, Services anbietet und das alles perfekt vermarktet – rund um die digitale Welt.

Cui bono? Profitieren daher nur die digitalen Supermächte?

Die professionellen Inhalte-Hersteller stehen vor sehr vielen unbeantworteten Fragen. Sie müssen nicht nur das Internet verstehen, sondern dieses Verständnis auch noch mit ihren wirtschaftlichen Anforderungen in Einklang bringen. Hier ist eine Schwierigkeit, Inhalte monetär bewerten zu müssen und sich gleichzeitig der Informations-Supermacht Google gegenüber zu stehen, die alles gratis anbietet. Die größere Schwierigkeit aber besteht darin, dass das die Onliner es gewohnt sind, Inhalte gratis zu bekommen, kostenlose Inhalte können nicht ohne weiteres in zu bezahlende umgewandelt werden. Für das Lernen aus Fehlern entwickelt sich die digitale Welt aber zu schnell, Fehleinschätzungen können sehr schnell zu großen wirtschaftlichen Katastrophen führen.

Die Onliner, die sich in der digitalen Welt einen Namen machen wollen oder bereits einen guten Namen haben, wissen, dass sie das nur durch hochwertige und interessante Inhalte schaffen können, die durch die Suchmaschinen zu den interessierten Internetnutzern gebracht werden müssen. Das “Geben” der engagierten Onliner steht meines Erachtens im Gleichgewicht zu dem Nutzen, den die digitalen Supermächte wie Google von ihren Inhalten haben, denn beide profitieren: Google bekommt hochwertige Inhalte und der Onliner kann sich schnell eine hervorragende Online-Reputation aufbauen.

Fassen wir zusammen: Die professionellen Internetnutzer, die Onliner, die sich ein Konzept zum Aufbau ihrer Online-Reputation zurechtgelegt haben, sind die Gewinner. Sie werden unterhalten, informiert, bauen ihre Reputation in die digitale Welt hinein aus, finden online Freunde und interessieren sich nicht um die Belange der professionellen Inhalte-Hersteller. Sie können es – aus ihrer Sicht nachvollziehbar – nicht verstehen, wenn die Verlagsbranche etwas gegen Google sagt. Die professionellen Inhalte-Anbieter stehen vor denselben Problemen wie diejenigen Internetnutzer, die sich kein Konzept für die von ihnen produzierten Inhalte geschaffen haben: Sie könnten von den digitalen Supermächten wie Google, Amazon und anderen überrollt werden.

Cui bono? – Die Antwort ist: Es nützt denjenigen, die die Informations-Spielregeln verstehen und sich professionell mit den Möglichkeiten von Investitionen, der digitalen Zukunft, auseinandersetzen.

| weitere Informationen findet ihr sehr bald in meinem Buch: Der Fixierungscode