Ibrahim Evsan

Mein Name ist Ibrahim “Ibo” Evsan und ich lebe Social Media. Ich bin Social Media Speaker, Online Reputation Experte und Unternehmer.
Als Web-Experte behandele ich Themen wie Social Trademarks, Crowdsourcing, Big Data, 3D-Print und das Leben im Social Media.

© Daniel Coulmann - Fotolia.com

Einmaligkeit vs. Wiederholungen von Nachrichten

Grundsätzlich ist das Web 2.0 ein Instrument der reproduzierbaren Informationen. Alles vom Menschen Erzeugte oder Gestaltete kann von anderen Menschen nachgemacht werden. Aber die technische Reproduzierbarkeit durch jeden Endnutzer via Computer ist etwas Neues. Und doch fehlt der Reproduktion etwas, auch wenn sie höchstvollendend ist. “Das Hier und Jetzt – das Dasein an dem Ort, wo man sich befindet – die Aura und das Wirkliche – die Echtheit” – {von Walter Benjamin}

Damit ist eben der Unterschied gemeint, den man zwischen der echten Mona Lisa und einer Reproduktion sofort sieht, egal wie gut die Reproduktion ist; Authentizität ist nicht zu reproduzieren, für sie scheint kein Platz im Binärcode zwischen den sich ständig wiederholenden “0″ und “1″ zu sein.

Das Einmalige, das Echte lässt sich nicht im Internet finden, es gibt nur Reproduziertes. Damit geht auch der Wert, die Wertschätzung für das Gefundene verloren, weil es nichts Einmaliges, Individuelles mehr hat. Den Wert einer Sache kann man immer nur für sich selbst bestimmen, nur in sich selbst definieren. Und da gilt meines Erachtens die Regel: Je mehr mich etwas innerlich berührt, weil es “nur für mich”, also individuell ist, desto wertvoller kann es für mich sein. Nur wenn mich etwas individuell anspricht, kann es meine eigene Entwicklung voranbringen. Es bringt mir heute dagegen nichts, überall dasselbe zu lesen, dasselbe zu nutzen und immer mit den gleichen Medien zu arbeiten, denn das hält mich im im Status Quo fest. Es hindert mich an jeder weiteren Entwicklung, weil ich aus Wiederholungen keinen Nutzen ziehen kann, sie haben keinen Wert.

Das Internet gibt einem das Gefühl des Zeitvertreibs. Jede Suche in Google hat ein Ergebnis, man findet – Vergangenes -.

Beispiel: Qualitätsjournalismus wird ersetzt durch die Kopien von DPA-Artikeln, weil man sich heute keinen Qualitätsjournalismus mehr leisten will. Doch genau fördert die Reproduzierbarkeit von Nachrichten und genau das ist der Fehler der Verlage.

Also fassen wir zusammen: “Die Einmaligkeit wird im Internet ersetzt durch Wiederholungen”. Internet wird damit zum Fernsehen: Wiederholungen, Wiederholungen, Wiederholungen. Schlimmer noch, wir lassen die Ergebnisse unserer Internetrecherchen, die Websites und Blogeinträge wie Werbespots im Fernsehen an uns vorbeilaufen und konzentrieren uns gar nicht mehr auf den Film, den wir uns eigentlich ansehen wollten. Wenn wir die so gewonnenen Informationen nutzen, stellen wir jede Weiterentwicklung ein, wir verharren dann im Mittelmaß.

Die Folge ist, dass uns neue Nachrichten gar nicht berühren, sie werden schnell zu Reproduktionen, die wir dann wieder unaufmerksam konsumieren, bis wir uns schließlich nur noch mit Wiederholungen identifizieren.

Es ist an der Zeit, einen neuen Umgang mit Informationen zu entwickeln. Auch Reproduktionen können Informationen enthalten, die wir zur Weiterentwicklung unserer eigenen Ideen verwenden können. Wir müssen diese Informationen nur gezielt suchen – nicht konsumieren – und – ganz wichtig – an bereits vorhandene eigene Ideen anknüpfen. Wenn sich unsere Ideen weiterentwickeln, dann entwickeln wir uns auch selbst weiter, authentisch, echt und eben nicht reproduzierbar.

Autor

Mein Name ist Ibrahim “Ibo” Evsan und ich lebe Social Media. Ich bin Social Media Speaker, Online Reputation Experte und Unternehmer.
Als Web-Experte behandele ich Themen wie Social Trademarks, Crowdsourcing, Big Data, 3D-Print und das Leben im Social Media.

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Kommentare

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  • Nagel auf den Kopf getroffen... gerade denke ich beim Artikelschreiben* noch an den Umstand Inhalte (Content) durch Datenbanken für Print und Web aufzubereiten und dem Begriff der Reproduktion, da kommt passend dein Tweet. Danke für das Gedankenbild. In der (Print) Publishing Welt ist Reproduktion und durch optimierte Workflows der Traum der Produktionsleiter, da effizient ... Schreibe nun an meinen Artikel * über die Entwicklung Katalog / Print / Web Publishing / Redaktionssysteme weiter und cleane gleich auch mal den Entwurf hier http://www.oyen.de/images/skitch/skizze-cmp.graffle-20091007-192058.png. Produktioner und der Bedarf nach effektiven Lösungen und sind da authentischer ...

  • Wolf

    Genialer kann man den Unterschied zwischen konservativen Medien und dem Web 2.0 nicht beschreiben: Hier wird deutlich, wie einmalig die Nachrichten im Web sind, gegenüber den ständigen Wiederholungen der Nachrichten elektronischer Medien oder den, unveränderlich auf Papier fixierten Informationen. Das Web 2.0 lebt, verändert sich und das Abschweifen in andere Regionen und beschert uns Themen, mit denen man sich ursprünglich nicht beschäftigen wollte, die aber dennoch so spannend sind, dass man daran hängen bleibt, wie ich beispielsweise hier in diesem Blog, das mir aktuell in diesem Moment, also authentisch zu neuen Erkenntnissen verhilft oder latent alte verfestigt. Genau dies ist Web 2.0: Es entwickelt sich, wie der gesellschaftliche Konsens, um den es sich lohnt, täglich neue Horizonte festzulegen. Ich lebe mit beiden Medien gern und gut. Das eine (Bücher+ Zeitungen) ist eine gewisse Basis des Wissens, das Andere bedeutet für mich Gegenwart und Zukunft.

  • Ibo

    @Jörg Oyen - Das sieht ja spannend aus. Sobald DU Deinen Artikel fertig hast, würde ich gerne mehr dazu lesen.

  • Das ist ja schon fast melancholisch, Ibo. Aber du hast schon Recht, viel Einzigartiges "an sich" wird im Web nicht produziert. Wobei... wenn man deine Gedanken weiter spielen möchte, findet mal im Internet trotzdem etwas sehr Einzigartiges: Die Möglichkeit und die Pflicht zu Sampeln und zu Aggregieren. Aus all diesen Wiederholungen genau das zu filtern und aufzubereiten, das derzeit entweder wichtig "an sich" ist oder das für mich persönlich eine Relevanz hat und neu ist. Das wäre ja dann die Kunst. Alle Musiker teilen sich auch nur ein paar Töne und wiederholen diese nur. Aber manchmal wird eine gute Melodie draus. Öh, oder war das jetzt zu abgedreht? eric

  • Mmh. Wenn ich auf Twitter einen Flieger in den Hudson "landen" "sehe", darauf hin mittels verschiedenster Geotagging-Tools das ganze verifizieren kann; dann fühlt sich das für mich schon ziemlich "live" an. Auch wenn es mich "aggregiert" - und eben nicht "live gestreamt" erreicht; ich nicht daneben stehe... Mmmh. Ich persönliche sehe keine sehr große Diskrepanz; keinen Unterschied zwischen "Live-Schaltung" im TV, und "Live im Netz" "gucken". Nur der demokratische Faktor im Netz ist eben soviel gewaltiger, dass mir manchmal schon schwindelt ;) ..und da kommt dann eben auch viel (ge-)doppeltes bei rum. Die "Reproduzierte Information", die ich erhalte und verarbeite, hat für mich auch immer etwas mit Instinkt zu tun. Da isses mir egal, ob das jetzt "live aus der Boxengasse" oder "live aus der Boxengasse via Facebook" oder gar "live aus der Boxengasse via Tageszeitung" kommt. Der (mein) Anspruch an jegliches Medium: "gut gefiltert und zeitnah" sollte es sein. Dann mag ich's. Sonst les/guck ich's eben nicht (mehr) ...ich denk' immer: In 10 Jahren! Wie sieht das dann wohl aus!?