Entwicklungspotenzial: Twitter

Ich folge seit einigen Tagen Twitterern, die hervorragende Informationen zu ganz verschiedenen Themengebieten finden und diese dann auf Twitter posten.

Somit weiß ich seit einigen Tagen viel besser, wo man tolle Interviews findet oder wo man die besten Weine kauft, denn ich beziehe gute und interessante Informationen zu diesen Themen. Das einzige, das mich daran stört, ist, dass ich die Personen, die diese Informationen twittern, nicht identifizieren kann, da sie unter Namenskürzeln twittern. Trotz der Anonymität der Absender sind die Informationen sehr gut recherchiert und daher empfinde ich sie als das, was ich “wichtige Informationen” nenne.

Twitter hat sich mittlerweile von einem Entertain-Medium zu einem Allround-Informationsmedium entwickelt, das schon sehr viele Spezialgebiete abdeckt. Wenn ich den richtigen Quellen folge, kann ich zielgenau die neuesten Informationen aus den mich interessierenden Themengebieten abdecken. Viel mehr Freude an den neuen Informationen hätte ich allerdings, wenn ich die Quellen auch kennen würde.

Das führt mich zu der Frage, warum viele deutsche Verleger, die sich spezialisiert haben, nicht bei Twitter zu finden sind?

Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass die Verlage sehr gut recherchierte Informationen aus den verschiedensten Fachgebieten haben. So zum Beispiel beim Thema “Wein”, bei dem ich mir vorstellen könnte, dass vielleicht sogar Archivmaterial wie Interviews mit den Entwicklern der Weinsorten und Weinveredlungstechniken in den Archivkellern lagern. Ich denke, es ist für die Verlage an der Zeit, dieses Archivmaterial in die digitale Welt zu übertragen und dieses Wissen mit allen Interessierten zu teilen, beispielsweise in einer Kombination aus Archivmaterial und einer einfach zu nutzenden Social Media Website. Das wäre doch eine für alle Nutzen bringende Lösung. Leider aber habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Verlage diese Reputations- und Vermarktungschance noch nicht kennen und viele Verlage vor diesem Schritt aus Unkenntnis des Mediums Internet zurückschrecken.

Ich denke, da läuft in Deutschland etwas falsch. Wir hören im Fernsehen und lesen in den Zeitungen und Zeitschriften eigentlich nur noch von den Gefahren, die es zugegebenermaßen zwar gibt, die uns aber in der realen Welt auch begegnen. Es hört sich manches Mal so an, als ob das Internet nur Gefahren bringen würde, von den phantastischen Chancen und Möglichkeiten ist kaum noch die Rede. Die Probleme unserer Gesellschaft finden sich eben auch im Internet als einem Spiegelbild wieder. Es ist aber eher an der Zeit, statt immer mehr Gefahrenpotenziale eher einmal die Entwicklungspotenziale zu entdecken. Wir müssen und wir werden die Probleme im Internet lösen, aber warum sollten wir auf dem weg dahin all die guten Chancen verpassen müssen?

Das gilt eben auch für Unternehmen wie Verlage, die zum großen Teil einem Konkurrenzdenken unterliegen, das sie immer weiter schwächt. Mit gemeinsamen Projekten könnten die Verlage sich gegenseitig unterstützen und wesentlich mehr Erfolg erzielen. Es wäre doch einfach zu schade, wenn all das Expertenwissen, das in den Archiven lagert, dort verstaubt, statt dass es als Basis für neue Geschäftsideen und Services dienen könnte. Natürlich sind Kochrezepte auf 140 Zeichen gepresst sicherlich keine gute Idee, aber die Top Ten der neuesten Weine aus den verschiedenen Anbaugebieten lassen sich sicherlich sehr gut über Twitter mitteilen.

Es geht meiner Meinung nach um das Wohl der Nation, es geht darum, in der Zukunft in der digitalen Welt eine Rolle zu spielen. Nicht “Deutschland” muss investieren, jeder einzelne Unternehmer muss sich überlegen, wie er seinen Vorteil aus der digitalen Welt ziehen kann. Unsere Zukunft liegt zu einem großen Teil im Internet, denn das Internet ist die zentrale Schnittstelle in der Kommunikation der Menschen. Mehr noch, es ist die universelle Sprache der Menschen; vielleicht sogar die erste Weltsprache.