Eine Zeitlang schien es so, als wären die Claims der digitalen Supermächte für lange Zeit abgesteckt und sicher. Amazon entwickelte sich immer mehr zum übermächtigen digitalen Shopping-Center, Microsoft war der Gigant, der uns eigentlich nur noch Offline begegnete und Apple wurde mit dem iPhone und dem iPad gerade zur Nummer eins bei den mobilen Endgeräten für das Internet.

Doch plötzlich ist nichts mehr so, wie es schien. Amazon griff mit seinem Kindle nach dem Offline-Büchermarkt, den jetzt plötzlich auch Apple mit dem iPad im Auge hat. Microsoft löst sich aus der digitalen Unsichtbarkeit und versucht, mit Bing und Yahoo Google anzugreifen, außerdem werden die neuen Internetbrowser von Microsoft mittlerweile sehr gelobt – im Gegensatz zu früheren Zeiten. Und schließlich sorgt Apple nicht nur mit seinem Einstieg in den Werbemarkt und damit seinem Angriff auf Google für Aufsehen.

Der Erfolg von Facebook lässt sich an eindrucksvollen Zahlen ablesen, anders als andere Online-Angebote bewegen sich die Meldungen über Nutzerzahlen von Facebook in Einhundert-Millionen-Schritten. Facebook ist nicht nur das meistbenutzten Online-Angebot sondern auch auf dem Weg zum sozialen Betriebssystem, das in erster Linie dem Wunsch des mehr oder weniger internet-normierten Menschen nach Kontakten zu seinen Freunden Rechnung trägt. Doch auch diese digitale Supermacht könnte zu weit mehr fähig sein, als es bisher den Anschein hat:

Die Facebook-Suchmaschine, die ganz auf die enorme Qualität ihrer Suchergebnisse setzen könnte.

Sie könnte bei der Suche nicht nur – wie Google – mit “maschinellen Filtern”, mit Algorithmen, sondern eher mit “menschlichen Filtern”, nämlich den Bewertungen meiner Freunde arbeiten. Wenn ich also bei Facebook im Internet nach einem bestimmten Begriff suche, werden zuerst die Beiträge angezeigt, die meinen Freunden gefallen. Das kann meine Entscheidungen für oder gegen etwas wesentlich mehr beeinflussen als die überaus noch sehr unpersönliche Google-Suche, die die Dinge nach Kriterien bewertet, die sich keinem User so ganz erschließen lässt.

maschine

Des weiteren könnte die Facebook-Suche aber auch einen “Experten-Teil” beinhalten, der die Beiträge der Netzexperten darstellt. Eine Suche in zwei Teile aufzuspalten, in einen freundschaftlich-emotionalen Informationsteil und in einen rationalen Expertenteil, käme den Entscheidungsfindungen der meisten Menschen sehr entgegen. Sowohl die emotionale Bewertung einer Entscheidung als auch die rationale Bewertung kämen gleichzeitig zum Zuge; aus einem einfachen, unkommentierten Suchergebnis wird “gefällt mir”. Dieses “Gefallen” wird dadurch zum “Weiterempfehlen” innerhalb der “Suchmaschinerie Facebook”. Dazu müssten alle Webseiten des Internets offen für die “Like-Buttons” sein, sie integrieren und damit Facebook den Zugriff auf ihre Inhalte erlauben, damit sie in der Facebook-Suche auch erscheinen könnten.

“Gefällt mir” wird damit zum alleinigen Entscheidungskriterium in einer Welt, die darauf ausgerichtet ist, effektiv und zielgerichtet zu arbeiten. Damit sind wir aber gleichzeitig auf einem Weg des “Daumen hoch”, also der dann keinerlei Nuancen, keine Zwischenstufen mehr zulässt. Nach wie vor liegt die Interpretation eines Suchergebnisses noch immer beim Suchenden, er stellt die Qualitätskriterien auf, die er bei seiner Suche verwenden möchte und die er an die Suchergebnisse anlegt. Auf der anderen Seite sehen wir uns – Hand aufs Herz – doch niemals mehr als die ersten drei Ergebnisseiten bei Google an. Wir wollen finden, nicht suchen. Daher werden wir uns in Zukunft bestimmt eher auf die Empfehlungen unserer Freunde verlassen, als auf die kalten, emotionslosen Ergebnisse einer Maschine, auch wenn sie Google heißt und bisher sehr große Erfolge feiern konnte.

Google hat die Entwicklung des Empfehlungsmarketings und seine weitreichenden Folgen verpasst. Google konnte nie die Emotionen der Nutzer ansprechen, der letzte Versuch, Google Wave wurde – kaum gestartet – wieder eingestellt. Die Informationshoheit im Internet, die zur Zeit noch bei Google liegt, gerät durch die andere digitale Supermacht Facebook allmählich in Gefahr.

Vielleicht hat Google zu sehr auf Maschinen gesetzt und dabei die Menschen vergessen?

Vielleicht hat Facebook den richtigen Weg beschritten, sich zuerst um die Menschen zu kümmern?

Update 27.11.2010
Anfang November hat Google dem Kontrahenten Facebook den Zugriff auf die Kontaktlisten seiner Kunden gesperrt. Google reagiert damit auf den einseitigen automatischen Zugriff von Facebook auf seine Kontaktdaten. Google sieht es nicht mehr ein, seine Daten zur Verfügung zu stellen, ohne dieselbe Gegenleistung von den anderen digitalen Supermächten zu erhalten. Darauf hin hat Facebook nun das Google-Logo auf seinen Seiten und bei frienfeed verschwinden lassen

Ein neuer Schritt im Kampf der digitalen Supermächte.

Wie sich die Allianzen verschieben und welchen Zündstoff diese Entwicklungen bergen, zeigt auch der Schritt von Facebook, sich ausgerechnet mit Microsoft zu verbünden, um eine “soziale Suche” mit Microsoft zusammen ins Leben zu rufen. Diese soziale Suche ist genau das, was ich in meinem Blogbeitrag bereits beschrieben habe, manchmal sind die nächsten Schritte der digitalen Supermächte doch noch vorhersehbar. So treten Facebook-Microsoft jetzt auch auf diesem Feld gegen Google an, denn auch Google arbeitet daran, sein “unmenschliches”, durch Maschinen beherrschtes Imperium zu “vermenschlichen” und ebenfalls eine soziale Suche anzubieten.



  1. ThoWoKi

    Hai Ibo,

    sehr interessante Gedanken, wie ich finde. Wenn man das Ganze so betrachtet merkt man schon, dass da was dran ist.

    Wir dürfen gespannt sein, wie sich das alles entwickelt.

    Könnte Spannend werden.

    LG Thomas

  2. Wie wahr mein Lieber , toller post !

  3. Wenn man sich das so einfach machen möchte.

    “Um die Menschen zu kümmern?” Das tut die katholische Kirche, Hinz&Kunzt, die Spendenparlamente und unzählige namenlose …

    Auch Google und seine Suchergebnisse haben mit Menschen zu tun. Nämlich mit deren Verhalten und Gewohnheiten, mit deren Verlinkungen und … ihrer Eitelkeit.

    Wie bei Facebook. Und wer weiß hier schon, wer ein “Freund” ist und wer mir langfritig geschickt etwas verkaufen will.

    Wenn ich das immer alles so lese, dann wäre ich lieber Obstbauer mit einem rostigen alten Trecker …

  4. Dem kann ich mich nur anschließen. Spannende Ueberlegungen.

  5. Meine Freunde denken rational und nicht emotional. Und jetzt?

  6. Ist prinzipiell schon was dran. Google wertet aber auch schon seit Jahren die Klicks und Verweildauern auf Websites aus und bekommt daher schon eine ganze Menge mit, was Usern gefällt. Und das auf breiter Ebene.
    Wir dürfen nicht vergessen, dass sich in Facebook (bisher) nur die echt Online-Affinen tummern und richtig aktiv sind (Nutzerzahlen hin oder her). Und viele der hohen Nutzungszeit kommt durch das ständige eingeloggt sein und Tweets, die dort eingeschossen werden.

    Dass Facebook mal die Suche dominiert, das werden wir uns alle wohl sicher nicht wünschen. Denn im Gegensatz zu Google ist Facebook tatsächlich eine große Datenkrake, die ALLE Daten über einen Benutzer hat! FB zeichnet auf, wo man sich bewegt (er genügt ein eingebundener Like-Button auf einer Webseite und schon kann FB den Besuch dort registieren – namentlich!). Viele der bei FB hinterlegen und aufgelaufenen Daten werden an Dritte weitergegeben.

    Wenn das mal richtig bekannt wird, bläst FB sicher ein noch härterer Wind ins Gesicht. Wenn die Menschen hier schon Angst haben, wenn ihre Hausfassade im Web zu sehen ist… ;-)

    Wir werden sehen. Die Idee des Crowdsourcings ist ja nicht neu und viele haben das schon versucht. Auch Google hat so eine Funktion, die aber niemand nutzt. Man darf AUCH gespannt sein, wie die SEO-Szene reagiert, wenn hier nennenswert was zu holen sein wird. Wahrscheinlich wird FB tot gespammt und wir werden dort mehr Bots haben als Menschen? Und FB hat genug offene Schnittstellen, dass dies nicht allzu schwer ist.

  7. Moin,

    ich bezweifel mal stark das Facebook in die Bereiche einer realen Suchmaschine, wie Google, innerhalb der nächsten Jahrzehnte vorstoßen wird. Diese Möglichkeit kann unter Umständen vielleicht auf den US-Markt geschehen, aber ganz bestimmt nicht in Deutschland. Zudem will ich nicht Wissen welche Seiten meine Freunde zu einem Thema gut finden, ich will vielmehr eine Auflistung von Alternativen. Ansonsten kann ich meine Freunde auch direkt fragen^^ Dieser ganze Facebook 500Millionen User Hype sollte mal nicht zu sehr überschätzt werden, denn so eine Blase kann auch sehr schnell platzen. Zudem ist Facebook jetzt schon in einigen Nischen nichts weiter als ein reiner Spam-Kanal …

  8. Pingback: Gravierendes Datenschutz Problem bei Facebook

  9. Ich denke es wird eine Splittung/Differenzierung geben zwischen der rationellen suchmaschine Google und der emotionalen von Facebook.
    Google wird natürlich spitzenreiter bleiben, jedoch aber einige user an FB abtreten.
    Es wird darauf ankommen, was der gemeine Nutzer im Internet sucht.
    Produkte, bei denen man sich unsicher ist, wird man über FB suchen -
    Informationen, bereits bekanntes über Google.

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