Mein Name ist Ibrahim “Ibo” Evsan und ich lebe Social Media. Ich bin Unternehmer und Berater für digitale Themen. Als Experte behandele ich Themen wie Online-Reputation, Arbeitswelten, 3D Print und Social Media.

Digitale Einsamkeit oder haben wir einen ständigen Begleiter © Wilm Ihlenfeld - Fotolia.com
9. Juli 2012

Digitale Einsamkeit oder haben wir einen ständigen Begleiter

Mit der Frage, ob Social Media die Langweile getötet hat habe ich mich ja schon umfangreicher befasst. Spinnt man diesen Gedanken ein wenig weiter, kommt man wie ich finde aber auch sehr schnell zu der Frage, ob soziale Netzwerke wie Facebook die Einsamkeit wie wir sie kannten eliminiert haben. Im nie endenden Stream von Menschen und Aktionen, Bildern und Geschichten haben wir einen ständigen Begleiter gefunden. Ob wir nun passiv beobachten oder aktiv selbst kommunizieren (in der Regel mit unmittelbarem Feedback): Einsam sind wir nicht.

Was aber bedeutet(e) Einsamkeit für den Menschen? Wikipedia sagt hierzu:
“Der Begriff Einsamkeit bezeichnet die Empfindung, von anderen Menschen getrennt und abgeschieden zu sein. Die Sozialwissenschaften erblicken in Einsamkeit überwiegend eine Normabweichung und einen Mangel; die Geisteswissenschaften billigen der Einsamkeit auch positive Aspekte zu, im Sinne einer geistigen Erholungsstrategie, die Gedanken ordnen oder Kreativität entwickeln bzw. fördern kann.”

Einsamkeit kann also durchaus gute Seiten haben – hier ist lediglich die Perspektive entscheidend. Weiterhin ist hier die Rede von Einsamkeit als die “Unfähigkeit, sich in soziale Netzwerke einzubinden” und dem „interaktiven Dilemma der Einsamkeit“ – sprich unter dem Einfluss von Einsamkeit bildet sich ein Verhalten heraus, das vom gesellschaftlichen Standard abweicht und zu einem selbstbezogenen Kommunikationsstil führt (hier drängt sich mir die Frage auf, ob die besten Selbstdarsteller im Web im Wahrheit einfach nur einsam sind).

Einen interessanten Beitrag hierzu habe ich kürzlich in der Süddeutschen gelesen. Hier findet sich ein Interview mit dem US-Kulturkritiker William Deresiewicz, nach dem uns die sozialen Netzwerke nicht nur der Selbstreflexion berauben, sondern uns auch vergessen lässt, was wahre Freundschaft bedeutet (schön dargestellt in seinem Artikel ‘Faux Friendship‘). Auch wenn ich diese Debatte höchst spannend finde und auch die Kritikpunkte anerkenne, sehe ich trotzdem viele positive Seiten in der neuen digitalen Gesellschaft. Natürlich müssen wir erlernen mit diesen – teils losen – Freundschaften umzugehen und dürfen über die ‘instant’ sozialen Kontakte nicht verlernen wahre Freundschaften zu pflegen, aber beherrschen wir das können die (digitalen) sozialen Netzwerke unser Leben ganz wunderbar bereichern. Neueste Studien belegen sogar, dass Social Media uns sozialer macht. Der New Yorker Soziologe Duncan Watts hat nämlich kürzlich herausgefunden, dass gerade diejenigen, die besondern aktiv im Web sind die meisten Freunde haben – und zwar real und virtuell.

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  1. Es fühlt sich vielleicht weniger einsam an, aber letztlich fehlt doch genau das was Mehrsamkeit ausmacht: Eine flüchtige Berührung, ein zustimmender Blick, ein Rotwerden, der Duft usw. Ein Großteil unserer zwischenmenschlichen Kommunikation ist analog (nach Watzlawick). Und ich glaube all das ist aber notwendig um echte Mehrsamkeit herzustellen. Sonst bleibt alles im eigenen Ich und wird permanent nur durch das eigene Ich gejagt und entsprechend einseitig interpretiert.

    Es könnte also auch durchaus der umgekehrte Effekt auftreten: Das permanent distanzierte Zuschauen bei analogen Erlebnissen (Urlaubsfotos, Partybilder) macht uns noch einsamer, weil es die Sehnsucht nach echten Begegnungen weckt.



  2. Jörg Salcher

    Es dürfte schon einige Selbsthilfegruppen zur Einsamkeit im Internet-Zeitalter geben – das ganze läuft unter dem Stichwort “TALISUND Treffs” (es gibt ein Buch dazu). Ich hab da mal teilgenommen nach einer Übersiedlung in eine neue Stadt und fand das ganz gut.

    J Salcher

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