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Haben und Sein – der 24 / 7 Kodex

“Haben oder Sein” sind verdichtete Antworten auf die Fragen eines fremdbestimmten Lebensgefühl, die ich sowohl bei Meister Eckert, als auch bei Erich Fromm fand. Vom Internet “haben”, – dem reinen Konsum – sind wir zum Internet “sein” –

Wir Onliner befinden uns – jeder für sich, aber auch alle zusammen – in einem bestimmten geschichtlichen Kontext, dem Zeitalter des Internets. Wir müssen unser Verhalten, das aus dem Identifizierungsprozess mit den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Anforderungen heraus bestimmt wird, nicht nur an den geschichtlichen Kontext, sondern auch möglichst an den herrschenden Zeitgeist anpassen, um den neuen Lebensraum, die digitale Welt auch vollständig verstehen zu können. Damit fördern wir leidenschaftlich und voller Energie in erster Linie das wirtschaftliche und gesellschaftliche System, das uns auch im Internet umgibt: Wir werden Teil einer Maschinerie, die auf Vervollständigung, Transparenz, Effizienzstreben und Erfolg ausgerichtet ist.

Diese Ziele färben auch unseren Arbeitsalltag. Aber allzu häufig vergessen wir Onliner bei allem Engagement in unserer Firma, auf Konferenzen und in Social Networks dabei, dass wir auch Menschen sind, die das volle Spektrum menschlicher Gefühle und Einstellungen in uns haben. Das Streben nach Effizienz und Erfolg erfordert eine durch und durch positive Lebenseinstellung und großen persönlichen Einsatz. Was aber geschieht mit diesen Zielen in Zeiten, in denen es uns nicht gelingt, eine “schlechte persönliche Phase” vor der Öffentlichkeit zu verbergen? Schwächen zugeben, Fehler eingestehen, Schwierigkeiten haben, traurig sein, sich ohnmächtig fühlen, all diese menschlichen Gefühls- und Verhaltensvariationen schicken sich nicht für einen Menschen, der in der Online-Welt zu Hause ist. Sie entstammen aber dem realen Menschen in seiner realen Umweltsituation und müssten sich daher auch in seinem digitalen Leben niederschlagen. Dort aber ist kein Platz für Schwächen und Unzulänglichkeiten, dort herrscht der Erfolg des strahlenden Siegers. So bleibt dem Onliner nur, sich stets und ständig in positivem Denken zu üben und es auch online zur Schau zu stellen, sehr schnell kann es dazu kommen, dass der Onliner jeden Anflug von Schwachheit und jedes Erleben von Versagen bei sich selbst und bei anderen aus seinem Bewusstsein verdrängt. Indem er es aber aus seinem Bewusstsein verdrängt, hat es auch keine Existenzberechtigung in der digitalen Welt, die “Hygiene-Vorschriften” des Internets, die nur das Positive und Schöne zulassen, werden wieder einmal bestätigt; auf Kosten der psychischen Hygiene des Einzelnen.

Diese Entwicklung betrifft nicht nur den einzelnen Onliner, sondern auch den Umgang mit allen anderen, die sich der digitalen Welt verschrieben haben. Wer sich selbst als wirklicher Onliner versteht, der fordert auch von anderen, sich immer gut zu fühlen und dies auch an jeder Stelle äußern. “Man” hat die Menschen um sich herum interessant und inspirierend zu finden und zu allen Schwachen und Versagenden öffentlich auf Distanz zu gehen; sie aus seiner Welt ausschließen. Das ist das ungeschriebene Gesetz im Netz, mit seinen Sanktionen, die all die treffen, die sich nicht an die “Spielregeln” halten.

Diese ganze Entwicklung führt schließlich dazu, dass ein ganz neuer Typus von Menschen in der Online-Welt entsteht, der “internet-normierte Mensch”, der alle oben beschriebenen Anforderungen leicht und selbstverständlich erfüllt. Mehr noch, dieser neue Typus wird für andere immer attraktiver und dadurch auch immer dominanter, weil er als “Ideal” den anderen zum Nacheifern vorgegeben ist.

Genau diese Entwicklung ist schon zu beobachten. Es ist eben keine Modeerscheinung, die wieder abklingen wird, dieser Typus Mensch wird sich im Internet nicht nur etablieren, sondern das bestimmende Element, die Normgröße für alle nachfolgenden Generationen werden. Eine weitere Gefahr besteht natürlich darin, dass die Verhaltens-Kodierung, die Verhaltens- und Kommunikationsnormierung des Internets, in der Folge aus der digitalen Welt in die reale Welt übertragen wird. Diese Tendenzen sind in der realen Welt auch schon zu bemerken, sie haben sich aber wegen der breiten Varianz menschlichen Verhaltens hier nicht so schnell durchsetzen können, wie es in der digitalen Welt der Fall war, weil die digitale Welt ein “enger” Lebensraum ist, der nur aus Kommunikation besteht. Schlägt aber diese Welle des neuen Menschen-Typus erst einmal aus dem Internet zurück in das reale Leben, wird diese Entwicklung sich im realen Leben beschleunigen. – Dieses gesellschaftliche Phänomen ist, bevor es ein philosophisches werden kann, erst einmal sicherlich ein weites Feld für Soziologen, Psychologen und Psychoanalytiker, die gut beraten wären, sich dieses Phänomens jetzt im Entstehen und nicht erst in einer manifestierten Phase anzunehmen.
In keiner uns bekannten Epoche der Menschheit haben Maschinen eine so umfassende und alle Lebensbereiche bestimmende Bedeutung gehabt wie heute. Maschinen vernetzen die ganze Welt und sind damit nicht nur ein Instrument der Angebots- und Nachfragesteuerung geworden, sondern zum philosophischen Nucleus der Wirtschaft und damit für viele Menschen zum sinnstiftenden Inhalt ihres Lebens

Die Maschinen sind zum grundlegend strukturierenden Prinzip in den meisten menschlichen Lebensbereichen geworden. Wir, die Nutzer der Maschinen, müssen flexibel und mobil sein, ein starkes Ego haben, gut sozialisiert und individualisiert sein. Von uns wird ebenfalls der bisher nur für die Verfügbarkeit von Maschinen definierte 24 / 7 – Kodex erwartet, der für Menschen naturbedingt gar nicht gelten kann, weil der Mensch Ruhe- und Regenerationsphasen zum körperlichen wie psychischen Überleben braucht. Wir sind dabei, die Eigenschaften der Maschinen auf uns Menschen zu übertragen, alle genannten Eigenschaften werden nach und nach zu Leitwerten des gegenwärtigen Menschen, weil sie eben unerlässliche Voraussetzungen für ein erfolgreiches Online Lebens sind.

SEIN
Der Mensch darf niemals vergessen, dass er ein Mensch ist und das Leben in vollen Zügen SEIN kann.

Psychologisch gesehen bedeutet diese Orientierung an den Maschinen immer, das nicht das eigene Sein zählt, also die tatsächlichen Fähigkeiten, Eigenheiten und Bedürfnisse eines Menschen, sondern das, was sich verkaufen lässt, das was ankommt, was viel versprechend verpackt oder dargestellt ist. Es kommt nicht auf das eigene Sein eines Menschen mit all seinen Gefühlen und Gedanken an, also dem eigentlichen “Mensch-Sein” an, sondern auf die Vorgabe, auf die bloße Inszenierung. Nicht das was faktisch gegeben ist, sondern das was erzeugt, was suggeriert werden kann, das macht erfolgreich. So führt das Online-Sein faktisch zu einer Entwertung des Seins und des authentischen Handeln eines Menschen. Diesen Mangel an Selbst-Sein und Selbst-Erleben versucht die menschliche Psyche zu kompensieren. Eine bevorzugte Kompensation wird im Haben vorgenommen, nicht im Sein. Das Haben entwickelt sich schnell zu einem “Mehr-haben-Wollen”, einer nicht endenden Spirale, die sich aber in die falsche Richtung dreht. Das Sein tritt in den Schatten, das haben steht im Licht. Ein unhaltbarer Zustand, vollkommen aus dem sensiblen Gleichgewicht des Lebens herausgeworfen kreisen die nur durch das Haben bestimmten Menschen wie Satelliten um sich selbst und ihr Hochglanz-Abbild, ihren Avatar, im Internet, ohne jeden Kontakt zur Realität, die das “Mensch-Sein” nun einmal verlangt.

Die ganz persönliche Definition des individuellen Seins ist die Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben mit allen Höhen und Tiefen, die die menschliche Psyche nun einmal für ihre Weiterentwicklung braucht, denn gerade Krisen sind oftmals die Grundvoraussetzung für einen großen Schritt in der persönlichen Entwicklung. Nicht zu vergessen kann uns die menschlichste und wertvollste Fähigkeit des Menschen helfen, ge-erde-t zu bleiben: Die Fähigkeit, Liebe zu empfinden und Liebe zu schenken. Liebe ist nicht maschinell herstellbar, sie wird niemals ins Haben abrutschen können.

Der Fixierungscode 2009

(Aus dem Buch: Der Fixierungscode)

Der Mensch hat sich eine zweite Welt erschaffen: Die digitale Welt aus Bits und Bytes. Wir sind umgeben von Nullen und Einsen, den binären Codes, ohne dass wir es wahrnehmen. Natürlich ist diese Welt von Nutzen, sonst hätten die Menschen sich die digitalen Hilfsmittel und Werkzeuge nicht erschaffen. Mit einem Handy können wir kommunizieren, ein Navigationsgerät weist uns den Weg, die Leistung einer Waschmaschine ist dank digitaler Steuerung optimiert, der digitale Radioempfang ist klangvoller, Online-Banking erspart Wartezeit und Wege.

Schleichend und ohne, dass die meisten von uns es bemerkt haben, hat sich im Zuge der Digitalisierung aller Lebensbereiche eine neuartige Mensch-Gerät-Beziehung entwickelt. Sie verändert Verhaltens sowie Kommunikationsmuster und vieles mehr. Ich behaupte sogar, die digitale Welt bewirkt eine Art Programmierung in unseren Köpfen. Denn jedes Gerät folgt den Codes, auf deren Basis es programmiert wurde, und der Mensch ist darauf angewiesen, ihnen ebenfalls zu folgen, wenn er die Geräte bedienen will. Das hat dazu geführt, dass jeder Nutzer sich zumindest mit den Grundfunktionalitäten der Anwendungen beschäftigen muss, deren Leistungen er in Anspruch nehmen will. Über unsere Eingaben steuern wir das System aus Nullen und Einsen, bewegen uns durch die Software und regen diese an, das zu tun, was wir wollen. Nur wenn wir wissen, was wir einzugeben haben, arbeiten die programmierten Codes im Hintergrund. Wir passen uns langsam den Geräten an, ohne es zu merken. Die neuartige Mensch-Geräte-Beziehung verändert Verhaltensund Kommunikationsmuster. Ich behaupte sogar die digitale Welt bewirkt eine Art Programmierung in unseren Köpfen. Vor allem in der Kommunikation sind die Bits und Bytes längst Grundlage des Austauschs zwischen Mensch und Mensch geworden. Wir sprechen weniger direkt miteinander, dafür viel mithilfe digitaler Geräte: Mit dem Handy, per SMS, per E-Mail, online im Chat oder per Videoschaltung. Unsere moderne Informations-, Wissens- und Kommunikationsgesellschaft ist offenbar längst fixiert auf die digitalen Codes, die fest in unseren Alltag integriert sind.

Die moderne Gesellschaft liest E-Mails, Online-Nachrichten oder speichert Bilder digital. Je mehr wir uns mit dem Netz befassen, desto mehr erkennen wir seine Möglichkeiten und wir verlagern weitere Bereiche unseres Alltags ins Netz. Wir kaufen im Cyberspace ein, ersteigern Schnäppchen. Wir suchen Wohnungen, Autos, Arbeit und Urlaubsziele online. Selbst die Steuererklärung und Anträge für einen Pass oder ein Kfz-Kennzeichen können wir heute online ausfüllen.

Der Cyberspace ist eine Parallelwelt, die uns Dinge in der realen Welt regeln lässt. Wer noch einen Schritt weitergeht, engagiert sich im Social-Media-Cyberspace, um sich dort mit Freunden, Kollegen und Geschäftspartnern auszutauschen. Dort ist es möglich, eine Art zweites, digitales Ich zu etablieren. Mit zahlreichen persönlichen Daten – Geburtstag, Wohnort, Fotos,Videos, Kommentaren, Links, Lieblingsmusik bis hin zum beruflichen Werdegang. Damit erlauben wir, dass unsere Privatsphäre in digitale Codes verpackt, letztlich in den Händen digitaler Supermächte, wie zum Beispiel den Anbietern der Social-Media-Plattformen, liegt.

Es ist also wichtig, dass wir an dieser digitalen Welt nicht nur teilnehmen, sondern sie mit bestimmen. Immerhin werden die Codes, die Software und Hardware, von Menschen programmiert und entworfen. Die Gesellschaft, Wirtschaft und Politik sind daher gefordert, sich dieser Verantwortung bewusst zu sein.

Die Fixierung: Der digital lebende Mensch fixiert sich zunehmend auf digitale Geräte und Programme (Codes) – von der digital gesteuerten Espressomaschine bis zum World Wide Web. Wir tauchen ein in die Geräte und in die virtuelle Welt. Nicht wenige Menschen führen bereits konsequent ein zweites Leben im Netz. Fixiert auf ihrem Sessel wie gebannt vor dem Bildschirm sitzend konsumieren sie das Internet
jetzt schon wie das Fernsehen.

Der Code: Die digitale Welt basiert auf dem binären Code. Dieser ist stets im Hintergrund die Basis für technische Standards und Software. Wollen wir diese Welt betreten oder einfach nur Maschinen bedienen, benötigen wir wiederum bestimmte Codes und Eingabeabläufe. Um in Interaktion mit dem Gerät zu treten, müssen wir unsere Passwörter oder PIN-Nummern kennen, wir müssen wissen, wie wir Programme öffnen, Dateien verwalten und mehr. Wir müssen uns auf eine bestimmte Art verhalten und bestimmte Dinge wissen, um den »digitalen Sesam« zu öffnen.

Die Anforderungen, die die digitale Welt an uns stellt, wachsen mit jedem Tag. Die Entwicklung des Internets und des Informationstransfers mit immer neuen, kürzeren, schnelleren Tools (Werkzeugen) wie etwa dem Kurznachrichtendienst Twitter erzeugen heute eine Geschwindigkeit im Datenstrom, die im Grunde die Leistungsgrenzen der Verarbeitung durch den Menschen überschreiten. Je mehr dieser Tools wir nutzen, desto unmöglicher wird es uns, alles zu lesen und uns überall auszutauschen. Es bedarf schon heute eines gut geplanten Tagesablaufs, wenn jemand Twitter nutzt, nebenbei ein Blog pflegt, privat und beruflich E-Mails tauscht und sich allgemein auf Nachrichtenseiten auf dem neuesten Stand halten will. Wer ein digitales zweites Leben führt, steht vor der Herausforderung in dieser immer komplexer werdenden Welt seinen Platz ständig neu zu finden und für sich selbst laufend neue Regeln zu definieren, wenn er sich nicht in der Datenflut verlieren will.

iPad – Apple wird der Großverlag der Welt

Ein Artikel von mir in der F.A.Z. vom 29. Januar 2010 – Zum Artikel

Apple auf dem Weg zum Großverleger: das iPad mit dem Gesicht der “New York Times”

Der Mensch hat sich einen neuen Lebensraum erobert: die digitale Welt, in der es keinen Unterschied macht, welchen Idealen man folgt, welcher Herkunft man ist oder welches Bildungsniveau man hat. In meinem beruflichen Werdegang habe ich sehr oft neue Wege beschritten, die digitale Welt erforscht, um diejenigen, die diese Welt nutzen wollen, auf Gefahren hinzuweisen, aber besonders, die Chancen aufzuzeigen, die sie für alle bietet. Meine persönlichen Erfahrungen im Umgang mit dem Internet – gerade in der letzten Zeit – zeigen, dass die Medienkompetenz in Sachen Internet in Deutschland dem Stand der globalen digitalen Welt nicht gerecht wird.

Die Tatsache, dass heute mittels Computerunterstützung manches Handwerk zu einem „Digitalwerk“ geworden ist, wird bei uns noch immer nicht erkannt. Die Menschen – zumindest die Onliner – finden ein zweites Zuhause im Internet, in dem sie sich informieren und unterhalten lassen. Dabei muss uns aber klar sein, dass wir uns den Regeln der digitalen Supermächte wie Google, Amazon, Facebook, Microsoft und natürlich Apple unterwerfen.

Bruttogewinnspanne von Apple Computer Inc. von 2005 bis 2010 nach Quartalen

Durch das iPhone hat sich nicht nur ein neuartiger Mobilfunkmarkt, sondern ein echtes mobiles Internet und ein ganz neues Verhalten in der Software-Nutzung ergeben. Mit einem einzigen Mausklick wird die Software auf das Gerät geladen und installiert sich von selbst, abgerechnet wird per Kredit- oder Gutscheinkarte. Mit der Kombination eines äußerst leistungsfähigen Shops für Musik, Videos und Software hat Apple schon vor der Einführung des iPads die Grundlage für eine schnelle Verbreitung des neuen Produkts gelegt. Die Kaufabwicklung kennen die 125 Millionen Apple-Kunden schon, sie zählt zu den einfachsten im Internet. Auf diese Weise hat Apple 2009 mehr als fünfzig Milliarden Dollar umgesetzt. Es ist leicht zu ermessen, welche Marktmacht Apple im Bereich Software für mobile Endgeräte aufgebaut hat.

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Apple iPad

Bildquelle: http://www.apple.com (alle Rechte liegen bei Apple)

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Das Prinzip Selbstvermarktung

Wie aber werden die neuen iPad-Anwendungen aussehen, wer entwickelt sie? Um diese Frage zu beantworten, muss man das Internet global betrachten. Die Vernetzung der Menschen schreitet unaufhaltsam voran, Social Networks ermöglichen die Selbstvermarktung von Journalisten in einem ganz neuen Umfeld mit ganz neuen Möglichkeiten. Aus dem einzelnen Twitter-Account oder dem Blog eines Journalisten wird eine Eigenvermarktungsplattform. Ist eine gute Reputation erst einmal geschaffen, gelingt es leicht, die Leser auch als einzelner Journalist – ohne den Umweg über Gatekeeper und Verlage – über den neuen Apple-iBook-Store zu erreichen. Ich denke, dass Apple den Verlagen und Journalisten die Möglichkeit geben wird, ihre eigenen Produkte zu erstellen. Dank der multimedialen Fähigkeiten des iPads werden Bilder, Videos und Musik mit den Texten zusammenwachsen. Der Kombination aller bisher bekannten Medien in der Darstellung auf einem einzigen Gerät sind keine Grenzen mehr gesetzt, alles kann auf dem iPad erscheinen; alles eine Frage der Software, die Apple in Perfektion beherrscht.

Apple hat es verstanden, die gesamte Wertschöpfungskette in ihre Produktstrategie einzuschließen und zu kontrollieren. Sie haben die Kunden, beherrschen die Abrechnung, die Softwarebasis und ein weltweites Vertriebssystem. Apple muss nur noch die Kreativität der Menschen herausfordern, um damit Umsatz zu machen. Und auch das gelingt Apple üblicherweise außerordentlich gut. Mit diesem Megastore im Hintergrund könnte Apple mit seinem iPad schnell zum größten Verleger der Welt werden.

Das Apple iPad wird sehr bald auch auf dem deutschen Markt erscheinen. Dann wird sich vor allem zeigen, ob die deutschen Verlage reif für die neue Technik sind. Das iPad mit seinen besonderen Chancen wird für sie zur Nagelprobe.

Die große Entmaterialisierung

Wer an diesem neuen Markt teilhaben will, muss jedoch die Zusammenhänge in der digitalen Welt verstehen. Die Verbreitung von Nachrichten werden die neuen Geräte wie das iPad selbst übernehmen. Also wäre es falsch, im iPad einen weiteren, schicken eBook-Reader zu sehen. Apple nimmt den ganzen Markt der Unterhaltung und Information ins Visier, Nachrichten inklusive. Wer Apple und die Stärke seines Megastores unterschätzt, verliert schnell den Anschluss an die digitale Welt. Hinzu kommt, dass das iPad die gleiche Größe hat wie das Amazon Kindle – eine durchaus beachtenswerte Nebensächlichkeit, dass zwei digitale Supermächte in einem Produktdetail einer Meinung sind.

Die Digitalisierung von Büchern durch Google gibt im Vergleich zu den mit dem iPad verbundenen Entwicklungen nur einen kleinen Vorgeschmack auf das, was uns erwartet: Jetzt geht es einer digitalen Supermacht nicht mehr um das fertige Produkt, um ein erschienenes Buch, also die Vergangenheit. Jetzt geht es um die Gegenwart und die Zukunft, um alle gedruckten Medien, die sich entmaterialisiert in der digitalen Welt wiederfinden – auf einem iPad.

Der neue Gatekeeper

Die „New York Times“ ist eine Kooperation mit Apple eingegangen. Da muss man sich fragen, ob die deutschen Verlage eine Antwort auf die Herausforderung ihres Kerngeschäfts durch das iPad haben. Es geht nicht mehr um die Frage, wie man Online-Gratisangebote vermarktet, es geht um alles. Dieses Gerät lässt den Nutzer jede Information an jedem Ort zu jeder Zeit lesen – frisch aus dem Apple iBookStore, nicht vom Kiosk um die Ecke. Es müssen schleunigst Online-Angebote der Verlage her, denn jetzt besteht – bei einer weiten Verbreitung des iPads – die Möglichkeit, die Inhalte gegen ein – wenn auch um den Apple-Anteil vermindertes – Entgelt für den Qualitätsjournalismus zu erheben. Apple ist der neue Gatekeeper. Fraglich ist, ob das Presse-Grosso-System noch eine Zukunft hat.

Die Gesellschaft hat sich durch den im Internet angebotenen Service schon stark verändert. Bevor das iPhone kam, schien es undenkbar, dass man sich als Handybesitzer Software herunterlädt. Software und ihre Installation waren vielen ein Greuel, jetzt lernen wir, dass uns Apps das Leben erleichtern. Die Maschinen erobern die Aufmerksamkeit der Menschen – und die haben ihre Handys immer bei sich, um keine Informationen zu verpassen. Apple bringt uns das Internet durch komfortable Bedienung und besten Service noch näher durch funktionale und schöne Geräte. Wer die Menschen so begeistern kann, wird das Internet als digitale Supermacht beherrschen.

Apple ist eine Supermacht mit ganz eigenen Regeln, so wie auch Google und Amazon. Das Zeitalter des digitalen Imperialismus hat begonnen.



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