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The Future of Media

Meine Präsentation auf dem Deutschen Medienkongress 2010

Wer weiß, wieso die Schrift so krisselig ist?

Alles entmaterialisiert sich.

Immer mehr Dinge lösen sich in der digitalen Welt auf, sie verschwinden einfach in der virtuellen Welt, lösen sich in Bits und Bytes auf.

Eine neue Gefahr durch das Internet?

Was damals die Briefmarken- oder Bierdeckelsammler waren, sind heute die Musik- oder Videosammler. Der Gegenstand des Interesses, das Sammelobjekt, hat sich »entmaterialisiert«; aus der körperlichen Briefmarke ist die Datei auf dem Computer geworden. Zudem können sich Sammler heute mit nur einem Klick mit anderen Sammlern austauschen, und das Vervollständigen einer Sammlung ist heute sehr viel einfacher als je zuvor. Eben mal eine Datei über Skype versenden ist für viele Internet-Nutzer normal.

Der technologische Fortschritt ermöglicht es auch, Bild-, Musik- und Videodaten in einer Form zu speichern, die einen Bruchteil des Speicherplatzes benötigt, der noch vor wenigen Jahren dafür nötig war. Dateiformate wie »jpg«, »mp3« und »DivX« stammen von Dateikomprimierungsprogrammen, die es erst ermöglichten, dass z.B. ein Spielfilm in nur unwesentlich schlechterer Qualität im Vergleich zum Original auf eine normale CD passt. Durch diese Technik kann jeder mp3-Player heute mehrere Tausend Musikstücke speichern.

Diese technische Komprimierung verringert, nebst immer schneller werdenden Internetverbindungen, die Download-Dauer und macht es überhaupt erst interessant, Musikstücke, Videos oder Bilder aus dem Internet herunterzuladen und zu sammeln. Hinzu kommt, dass auch die externe Speicherung dieser Daten über jeden handelsüblichen DVD- oder CD-Brenner möglich ist und dass diese Geräte ohne Fachwissen zu bedienen sind. So ist jeder Computernutzer in der Lage, sich seine Datenbestände so oft zu kopieren und so zu verbreiten, wie er es möchte. Das gilt natürlich auch für urheberrechtlich geschützte Inhalte, wie zum Beispiel den neuesten Kinofilm. In diesem Zusammenhang sind besonders die Tauschbörsen im Internet, Peer-to-Peer-Networks bekannt geworden, die es jedem Mitglied erlauben, sich gesuchte Inhalte von den Festplatten der angeschlossenen Freunde herunterzuladen.

Deshalb versucht die Medienindustrie mit Werbespots oder gerichtlichen Klagen gegen die Flut der Urheberrechtsverletzungen vorzugehen, doch die Erfolge dämmen den entstandenen Schaden nicht ein. Auch die Idee, ein Digital Rights Management für alle Bild- und Tonträger einzuführen, hat eher zu mehr Problemen als zu Lösungen geführt. Dieses DRM schränkt die Nutzung des erworbenen Datenträgers (CD, DVD, etc.) derart ein, dass niemand diese geschützten Inhalte mehr kaufte, weil zum Beispiel nicht jedes Abspielgerät mit der digitalen Verschlüsselung zurechtkam. So konnte es passieren, dass eine legal erworbene DVD auf dem heimischen DVD-Player nicht abspielbar war, es aber auch keine Möglichkeit des Umtausches mehr gab. Durch das Urheberrecht sollen die Rechte der Künstler an ihren Produkten gewahrt bleiben, doch der Kampf gegen die global betriebenen Urheberrechtsverletzungen scheint extrem schwierig.

Nun kann die Kombination dieser Bezugsquellen von Apple und der Telekom ein wichtiges Signal für den Musikmarkt sein. Sobald die Lizenzrechte von der Musikindustrie durch diese »Superprovider« auf internationaler Ebene vergeben sind, naht die Zeit der Flatrates und Abonnementmodelle – und gleichzeitig das Ende der einzelnen Abrechnungen nach mp3-Songs. Wer für 9,99 Euro im Monat jede Musik der Welt hören kann, wird davon begeistert sein, weil es ihn davon entbindet, stets und ständig wieder online bezahlen zu müssen. Ein gutes Beispiel dafür ist die Firma, Spotify, die eine 71 Millionen Dollar Investition bekommen hat, um Produkte, die eine Musik-Flatrate anbieten, auf den Markt zu bringen. Das Produkt ist in Deutschland noch nicht verfügbar. Jeder, der in einem Land keine Musik hören kann, weil ein anderer Anbieter hier ein exklusives Recht an einer Musik-Flatrate über die gleiche Software und Hardware besitzt, wird sofort gegen diese Einschränkung rebellieren. Deswegen müssen Abonnentenmodelle und Flatrates mit weltweiter Gültigkeit an den Kunden vergeben werden – mit einem zentralen Login über die Handynetze Musik zu hören wäre doch ein wunderbarer Service. Probleme gäbe es nur bei der Netzabdeckung, alles andere ist logisch und realisierbar. Ist es aber bis heute nicht.

Auf jeden Fall erlebe ich eine Entmaterialisierung. So lösen sich die mp3-Dateien auf dem Computer, dem Handy und dem iPod einfach – im wahrsten Sinne des Wortes – in Luft auf, sie erscheinen nur noch kurzfristig zum Abhören in der realen Welt und schon sind sie wieder in der virtuellen Welt verschwunden, weil die Musikstücke von einem großen Supercomputer (Cloud-Computing) gestreamt werden.

Aber das ist mit Sicherheit keine neue Gefahr des Internets. Denn damit werden wir endlich einmal überschüssigen Ballast auf den Festplatten los, genauso wie wir den Kopf für wichtigere Dinge frei bekommen. Für den mündigen Bürger von heute ist das mit Sicherheit keine Gefahr, sondern ein weiterer Schritt in Richtung Freiheit und digitale Selbstbestimmung – umgesetzt in der digitalen Welt. Also die Freiheit über meine Daten und Dateien. Überall und auf allen Displays.

Google – der große Navigator

Es geschah zu der Zeit, als ein kleiner Skobbler auszog, die Großen des Navigationsmarkts das Fürchten zu lehren…

soweit die fast märchenhafte Story des kleinen Unternehmens, das den Markt für iPhone Apps binnen kürzester Zeit heftig aufmischte, bis, ja, bis die Muttergesellschaft Navigon den “Kleinen” wieder an die kurze Leine nahm und dafür sorgte, dass Skobbler wieder ein braves Familienmitglied wurde.

Es muss doch jedem halbwegs normal denkenden Manager bei Navigon klar gewesen sein, dass eine App von Skobbler für 3,99 Euro einen gigantischen Zulauf und damit Umsatz machen würde, zumal das Mutterhaus für seine Navigationsprodukte einen fast 20fachen Preis verlangt. – Was für ein unglaublicher Managementfehler!

Der kleine Zwerg Skobbler ist tatsächlich gegen TomTom und Navigon angetreten. Doch in den Tiefen der digitalen Welt rüstet sich schon ein wirklicher Riese, man könnte ein deutsches Sprichwort zitieren: Streiten sich zwei, freut sich der Dritte. Google, die digitale Supermacht, kümmert sich nicht um den Kleinkrieg der Navigationshersteller. Google hat den Markt erkannt und wird mit Sicherheit die Vorherrschaft auch auf diesem Gebiet übernehmen, wieder einmal eine – diesmal für die anderen Marktteilnehmer im wahrsten Sinne- Killerapplikation bauen. Dieses System wird dann nicht 99 Euro, nicht 4,99, nicht einen Euro kosten, sondern -googlelike – gratis, umsonst, kostenlos sein. Hinsichtlich der Bedienungsfreundlichkeit werden wir sicher auch nichts auszusetzen haben – es ist schließlich von Google.

Was bedeutet das für den Markt?

Apple
Wird das iPhone mit Google oder ohne Google arbeiten? Wird Apple zulassen, dass Googles Navigation auf dem iPhone verfügbar sein wird? Wenn Apple das akzeptiert, verlieren sie enorme Umsätze mit TomTom, Garmin, Navigon und Skobbler, mit denen Apple bisher viel Geld eingenommen hat. Aber selbst Apple muss mit der Zeit und ihren neuen Anforderungen gehen, um die Plattform iTunes Store weiterhin attraktiv zu gestalten. Google und Apple bräuchten also einen Deal. Wie könnte der aussehen?

Apple könnte die Umsätze aus den Werbeeinnahmen der Google App gegen die Verluste der Navigations-App der anderen Anbieter setzen. Dann könnte Apple Google getrost auf iTunes lassen.

Google
Google hat ein Killer-Kriterium für seine eigene Plattform Android geschaffen. In den USA ist das Produkt bereits erfolgreich eingeführt, es hat extrem gute Kritiken zu bekommen. Wir können davon ausgehen, dass es krasse Veränderungen durch das Google Navigationssystem im Markt geben wird. – Die absolute Innovation in technischer Perfektion. Das wird mit Sicherheit dazu führen, dass die Aktienmärkte der Navigationshersteller und Nokia zusammenbrechen werden.

Google hat eine ungeheure Marktmacht und damit die freie Wahl. Google hat in den letzen Jahren immer mehr IT-Sektoren übernommen. Sie haben eigene Karten, komplette eigene Bilder der Straßen, eigene Point of Interessent Informationen und natürlich jede Art von weitergehenden Informationen. Spannend wird es nun, ob Google selbst Interesse hat, sein App auf dem iPhone anzubieten oder ob es die bessere Strategie wäre, ihre eigene Plattform Android zu pushen. Google nimmt sich in den letzten Wochen und Monaten einiges vor. Mit dem eigenen Browser, dem Angebot von DNS-Diensten, Wave und dem Navigationsbereich hat Google viele Topthemen auf der Agenda.

Die Art und Weise, wie die digitalen Supermächte viele Wirtschaftsbereiche heute schon beherrschen, wie sie die Märkte untereinander aufteilen, zeigt dieses Beispiel aus der Navigationsbranche sehr gut. Es ist doch wirklich erschreckend, welche Marktmacht die digitalen Supermächte schon haben. Es bleibt sehr spannend.

… und so kam es, dass von dem kleinen Zwerg Skobbler, der die Revolution eingeleitet hatte, bald keiner mehr sprach, denn der Riese Google hatte die Herrschaft auch in der Navigationswelt übernommen.



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