Set-Top-Box als digitales Medienzentrum

Ist der moderne Mensch bereit für seinen täglichen Medienkonsum zu zahlen? Die Medienlandschaft insbesondere im Bereich des Broadcasts wird sich in den kommenden Monaten ändern. Deutschlands große Senderfamilien spüren direkte Einschnitte aufgrund der fehlenden Einnahmen und werden zusätzliche Gebühren für den Empfang der TV Programme verlangen. Der Empfang der Signale über Satellit und Kabel soll verschlüsselt werden. Für diese Veränderung werden neue Set-Top-Boxen auf den Markt geschmissen – diese werden höchstwahrscheinlich noch kurz vor dem Weihnachtsfest verstärkt beworben.

Der reine Nutzen des Fernsehens als Berieselung ist bei weitem durch eine Set-Top-Box als digitales Medienzentrum zu übertrumpfen. Dementsprechend ist die Anforderungen an die Set-Top-Boxen (Beispielsweise der ACTIVY Media Center) relativ hoch. Das entsprechende Endgerät muss folgende fünf Kriterien erfüllen, damit es jedwede Tauglichkeitsprüfung für den Massenmarkt übersteht:

  • Empfang- und abrufbares Diensteangebot (Zukunftssicherheit)
  • Technische Anforderungen
  • Serviceleistungen rund um die Box
  • Preis-/Leistungsverhältnis
  • Emotionale Anforderungen

Set Top Boxen

Ich bezeichne mich durchaus als „Early Adopter“ in Bezug auf technische Gadgets. Generell müssen diese Geräte für mich mit einem multimedialen Zusatznutzen behaften sein. Deswegen steht damit in erster Linie auch die Langlebigkeit in Zusammenhang. Rein praktisch gesehen werden die Leute alles mit der Set-Top-Box machen wollen: Informationen beziehen, sich unterhalten lassen oder aktiv an dem Geschehen teilhaben. Die erste Benutzung muss daher auf Anhieb gelingen – ein schwieriger Umgang mit der Verschlüsselung muss ausgeschlossen werden, so dass der Zugang über ein „Common Interface“ stattfinden sollte. Dass dabei die Integration von Spielen und Softwareanwendungen gegeben sein muss, steht außer Frage. Das Gerät muss ebenso seitens der Software auch auf der Ebene der Hardware erweiterbar sein – ähnlich wie es mit USB-Anschlüssen am PC auf einfache Art und Weise Funktioniert, eine externe Festplatte anzuschließen, müssen auch über das Internet oder das angeschlossene Zusatzgerät neue Daten auf die Set-Top-Box eingespielt werden. Dabei sehe ich beispielsweise die Syndizierung von Inhalten mittels RSS als elementaren Bestandteil einer solchen kontinuierlichen Bereitstellung des Systems für die Zukunft. Hier können auch Videos von Videoplattformen wie sevenload, youtube, myvideo oder clipfish abgerufen werden.

In Punkto der technischen Anforderungen braucht nicht viel umschrieben werden. Für mich zählt ganz klar die Systemstabilität und Zuverlässigkeit dazu, die unter anderem als direkt messbare Performance über die Umschaltgeschwindigkeit und damit den möglichst kurzen Aufbauzeiten beim Anschalten zu fühlen ist. Sollte die Set-Top-Box in ihrem durch den Benutzer gestalteten Betrieb in der Menüführung nicht überzeugen können, müssen bei Bedarf (wie oben angedeutet) aktuelle Upgrades der Software durchführbar sein. Ferner darf es keine Exklusivität für „nur Satellit“ oder „nur Kabel“ geben. Die Set-Top-Box muss beide Signale verstehen und unterstützen. Ebenfalls ist der Empfang von verschlüsselten Programmen nur über das Internet denkbar – der Mobilität sei keine Grenze gesetzt, wenn man das Gerät zu Freunden oder Bekannten für einen klassischen Fernsehabend mitnehmen möchte. Die Integration von elektronischen Programmführern (EPGs) ist selbstverständlich. Obendrein sehe ich natürlich die Personalisierung dieser Menüführung durch beispielsweise Skins, Themes, Templates oder Layer als interessant an. Letztendlich ist eine reibungslose Aufnahme auch nur mit einem Festplattenspeicher von min. 80 GByte und einem DVD Recorder/Brenner/Player möglich.

Aber kaufe ich diese „Eierlegende Wollmilchsau“, wenn ich nicht vom dazugehörigen Service überzeugt bin? Ich setze einen kostenlosen Installationsservice voraus – ein geschulter Techniker soll für den normalen Nutzer jede erdenkliche Einstellung an der Box vornehmen, damit keine teure Hotline konsultiert werden muss. Ebenfalls ist der After Sales Service stark zu fokussieren um dem Nutzer bei sämtlichen Upgrades oder Fragen zu diesem neuartigen Medienangebot bei Bedarf Rat und Tat zu stehen. Die Installationshilfe bei Softwareupdates gehört ebenso zu dem serviceorientierten Leistungsumfang, der leider in Deutschland noch nicht selbstverständlich ist. Schließlich kaufe ich das Gerät und beziehe die medialen Inhalte im Abonnement. Der Preis für die Set-Top-Box muss definitiv unter 199 Euro liegen, die Inhalte können und dürfen nur über eine Flat-Rate an die Konsumenten vertrieben werden. Ein Abo auf „Pay per View“ Basis ist für mich mittlerweile ausgeschlossen, da dies einen Rückschritt zu der ersten „Premiere Ära“ bedeuten würde. Und warum auch nicht von Anfang an die ersten Inhalte kostenlos als Beigabe zu dem neuen „Kundengewinn“ spendieren – mindestens sollten drei Videoangebote ohne Nutzungseinschränkung kostenlos im ersten Preis mit inbegriffen sein. Sicherheiten für die Zukunft, Technik, Service und Preis bieten jedoch nur das Kerngerüst um eine Kaufentscheidung zu tätigen.

Die Nutzer brauchen von den Anbietern eine ausgereifte Technik und eine Strategie, mit der die benutzerfreundliche Kontrolle der gesamten Infrastruktur gewährleistet ist!

Auf emotionaler Ebene ist zu beachten, dass der Nutzer gleichzeitig ein Markenimage mit dem Gerät verbindet. Das Design und der Look & Feel sollen ineinander übergehen, damit der Konsument der Set-Top-Box sich mit dem Gerät und den darüber vermittelten Inhalten identifizieren kann. Die Personalisierbarkeit der Darstellung und bezogenen Inhalte sowie interaktive Elemente, beispielsweise die eingangs erwähnten Spiele oder Software des Gerätes, kann dem schon sehr technikaffinen Nutzer das Gerät so richtig schmackhaft machen.

Doch für die heutige Nacht entlasse ich meine Leser mit diesem generellen Anforderungskatalog. Diese Woche werde ich noch tiefer ins Detail gehen und neben den positiven Aspekten auch die aufgrund des Marktes und der technischen Entwicklung belastende Themen ansprechen. Es steht außer Frage, dass das digitale Medienzentrum im Wohnzimmer kommen wird, doch es gibt so einige Hürden zu überwinden.

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