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Mein schlechtes Gewissen bei Social Media

Wie die Zeit vergeht, eindeutig zu schnell. Oder ticken die Uhren in der digitalen Welt schneller? Social Media kostet Zeit. Eine kurze Bestandsaufnahme: Mein E-Mail Postfach hat 1.000 unbeantwortete Mails, in Facebook sind weit über 200 Nachrichten und Xing meldet weit mehr als 100 Nachrichten.

Zur Beantwortung rechne ich durchschnittlich 5 Minuten. Wenn man das zusammenzählt sind das 1.300 x 5 = 6.500 Minuten = 108 Stunden Arbeit.

Aber was kostet die Beantwortung einer Nachricht?

In erster Linie Zeit, die man eigentlich kaum hat. Je mehr man sich in Social Media engagiert, desto mehr Kontakte schließt man, desto mehr Nachrichten bekommt man. Ein Teufelskreis. Aber das ist eine rein quantitative Betrachtungsweise, bei der Aufzählung der Nachrichten geht es auf den ersten Blick tatsächlich um die pure Menge, die einem den kalten Schauer des machtlosen Erschreckens über den Rücken jagt. Bei näherer Betrachtung aber ist die quantitative Betrachtung eine gefährliche Sicht der Dinge.

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“Zeit ist Geld”, Benjamin Franklin hatte Recht mit seinem Spruch “Remember Time is Money” und das vor über 200 Jahren.
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Qualitativ lassen sich E-Mails nicht sofort klassifizieren. Terminanfragen, Fragen zu bestimmten Themen, News, Freunde, Bekannte, Arbeitskollegen, Investoren und all die Antworten auf selbstgestellte Terminanfragen, … . Aber die qualitative Betrachtungsweise ist die einzige, die nur Zeit und nicht mehr kostet. Denn wenn man wichtige Nachrichten nicht in angemessener Zeit beantwortet, kann das im schlechtesten Fall auch einmal (viel) Geld kosten. Daher müssen die Prioritäten, die man sich in seiner täglichen Arbeit setzt, auch genau so auf das Kommunikationsverhalten und die Nutzung von Social Media angewendet werden. Das Ziel muss es sein, alle Nachrichten in einem angemessenen Zeitrahmen zu beantworten, um allen seinen Kontakten gerecht zu werden. Wie geht es euch? Erlebt Ihr ähnliches?

Apfelstory

Müssen wir wirklich alle Informationen aus dem Internet aufnehmen und verarbeiten? Müssen wir Informations- und Wissensverarbeitung um jeden Preis vorantreiben, uns immer mehr Tools zulegen, um alle Informationen der digitalen Welt so lange zu speichern, bis wir sie verarbeiten können?

Um meinen persönlichen Ansatz zu verdeutlichen, möchte ich ein Bild wählen: Denken wir uns einen großen Korb mit wunderschönen Äpfeln. Jeder Apfel stellt eine Information dar, die vor mir liegt und »verarbeitet« werden will. Nun gibt es Menschen, die einfach in einen Apfel hineinbeißen und ihn in einem Stück, samt Kerngehäuse, aufessen. Diese Menschen nehmen die Information also in ihrer Ganzheit auf, mit der Schale (z.B. dem Kontext, dem Verfasser,), sogar mit dem Kerngehäuse, also mit allen Geschmacksanteilen (=Informationsanteilen), die der Apfel bietet.

Manche Menschen nehmen also neben dem Geschmackserlebnis “Apfel” auch noch die Geschmacksanteile der Schale und des Kerngehäuses mit in Kauf, weil diese Bestandteile für sie dazugehören. Diese Anteile gehören für mich aber nicht zur Basisinformation »Geschmackserlebnis Apfel« , und sollen in diesem Bild überflüssige Informationsanteile darstellen.

Ich dagegen befreie den Apfel, die Information, nicht nur von seiner Schale und seinem Kerngehäuse, sondern ich schneide ihn auch noch in kleine Stücke, bevor ich ihn esse. So erhalte ich den reinen Apfelgeschmack, ohne Geschmacksanteile von Schale oder Gehäuse. Das heißt, ich zerlege die Information in kleine Stücke, von denen ich wiederum einige auswählen kann, die mir besonders »nahrhaft« erscheinen, wähle also Teilaspekte einer Information aus, die ich zu meinem Wissen hinzufüge. Ich esse also auch die braunen Stellen des Apfels nicht mit, weil sie nicht meinem Geschmack von Apfel entsprechen.

Warum ich gerade genau den einen Apfel zum Essen ausgewählt habe, werde ich im Nachhinein gar nicht mehr begründen können, ich habe ihn intuitiv ausgesucht. Da alle Äpfel auf den ersten Blick ziemlich ähnlich aussehen, kann ich nur intuitiv entscheiden, welchen ich mir nehme.

Ich meine, dass nur die intuitive Informationsaufnahme uns vor dem Informations-Overflow der digitalen Welt retten kann. Wenn ich anfangen würde, die Informationen nach gelernter Art und Weise der analogen Welt, zu bewerten, würde ich zu keinem Ergebnis kommen, weil die Informationsdichte in der digitalen Welt wesentlich höher ist. Kurz: Die Mechanismen der realen Welt greifen nicht wirklich in der digitalen Welt, wir müssen unser Verhalten modifizieren, es bewusst anpassen, um nicht in der Informationsflut unterzugehen. Natürlich erfolgt die Einarbeitung der so gewonnenen Informationen immer in ein vorher rational erstelltes Konzept. Die Auswahl der Informationen ist für mich aber um einiges leichter, wenn ich die Äpfel “so” esse.

Kompliziert? Ja, finde ich schon.



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