Archivierte Einträge für Gedanken

Die Facebook Timeline oder das Tagebuch der Unsterblichkeit

Ein Tagebuch zu schreiben ist leider aus der Mode gekommen. Wir nutzen heute eher Facebook oder Twitter um unsere Gedanken, Erlebnisse und Wünsche einer breiten Masse an Menschen zur Verfügung zu stellen. Was wir heute machen ist jedoch unter datenschutzrechtlichen Gesichtspunkten sehr kritisch zu sehen. Bedenken wir einfach mal, was wir über andere, über uns oder Copyright geschützte Werke bei verschiedenen Gelegenheiten auf unsere Facebook oder Twitter Timeline posten. Wir haben damals viel mehr Tagebücher geschrieben, einige von uns haben daraus das Ziel gehabt ein Buch zu schreiben, um der Nachwelt die eigenen Gedanken zu erhalten. Ein Buch, dessen Inhalt die eigene Lebensphase überdauert und die eigenen Gedanken jederzeit verfügbar und den Autoren damit “unsterblich” macht. Das war nicht jedem möglich.

Die Zeiten haben sich geändert: Zum ersten Mal in der Geschichte ist es uns heute mit Hilfe des Internets möglich, unsere Erfahrungen und Erlebnisse, Wünsche, usw. per Bild, Text, Video und Sprache gleichzeitig vielen Menschen mitzuteilen; dem Onliner bieten sich viele Möglichkeiten sich mitzuteilen. Durch die mobilen internetfähigen Endgeräte ist es uns sogar möglich, rund um die Uhr an jedem beliebigen Ort all unsere „Lebens-Erfahrungs-Updates“ zu teilen.

Jeder von uns Onlinern führt im weitesten Sinne doch ein Tagebuch, indem er die verschiedenen Möglichkeiten von Social Media nutzt, sei es Facebook oder Twitter. Die einmal hinterlassenen Datenspuren bleiben erhalten. Selbst Jahrzehnte später kann man nach alten Tweets und Facebook-Updates suchen, genauso wie nach geteilten Bildern und Videos, wenn ich selbst sie nicht gelöscht habe oder die Anbieter es erlauben. Denn ich selbst bin “oder sollte” der Herr über diese Daten sein und selbst entscheiden dürfen, wem sie gezeigt werden und ob sie für immer angezeigt werden. Sollte ich mich “für immer” entscheiden, werde ich im Web unsterblich und unvergesslich.

Wir Menschen halten unsere Gedanken, Ideen und Erfahrungen, die wir im Internet geteilt haben, fest und lassen sie bei dieser Entscheidung für ewig bestehen. Jeder kann im Internet seine Geschichte verfassen und verteilen. Dafür Kommentare und Anerkennung ernten. Diese Entwicklung wird dahin führen, dass die Timeline mehr Wertigkeit gewinnt und den Lebenslauf in seiner Bedeutung verdrängen wird, denn die Timeline-Daten sind unverfälscht und detaillierter. Wie gerne würde ich (wenn es denn möglich wäre) auf die Facebook Timeline von Cicero, Aristoteles, Jean-Paul Sartre, Karl Marx, Friedrich Nietzsche oder Abraham Lincoln schauen.

Durch die neugewonnene Unsterblichkeit im Netz verliert der Mensch vielleicht ein wenig die Angst vor dem eigenen Tod, denn Familie, Freunde und Bekannte (Follower) werden ihn nicht vergessen und können immer wieder auf seine Veröffentlichungen zurückgreifen. Das Tagebuch ist also gar nicht aus der Mode gekommen, es hat nur seine Gestalt geändert. Eigentlich schreibt doch jeder Onliner sein ganz persönliches Tagebuch jeden Tag ein wenig weiter. Vielleicht haben wir es mit der Einführung des Internets endlich geschafft, “unsterblich” zu werden.

Facebook versus Google: Mensch gegen Maschine

Eine Zeitlang schien es so, als wären die Claims der digitalen Supermächte für lange Zeit abgesteckt und sicher. Amazon entwickelte sich immer mehr zum übermächtigen digitalen Shopping-Center, Microsoft war der Gigant, der uns eigentlich nur noch Offline begegnete und Apple wurde mit dem iPhone und dem iPad gerade zur Nummer eins bei den mobilen Endgeräten für das Internet.

Doch plötzlich ist nichts mehr so, wie es schien. Amazon griff mit seinem Kindle nach dem Offline-Büchermarkt, den jetzt plötzlich auch Apple mit dem iPad im Auge hat. Microsoft löst sich aus der digitalen Unsichtbarkeit und versucht, mit Bing und Yahoo Google anzugreifen, außerdem werden die neuen Internetbrowser von Microsoft mittlerweile sehr gelobt – im Gegensatz zu früheren Zeiten. Und schließlich sorgt Apple nicht nur mit seinem Einstieg in den Werbemarkt und damit seinem Angriff auf Google für Aufsehen.

Der Erfolg von Facebook lässt sich an eindrucksvollen Zahlen ablesen, anders als andere Online-Angebote bewegen sich die Meldungen über Nutzerzahlen von Facebook in Einhundert-Millionen-Schritten. Facebook ist nicht nur das meistbenutzten Online-Angebot sondern auch auf dem Weg zum sozialen Betriebssystem, das in erster Linie dem Wunsch des mehr oder weniger internet-normierten Menschen nach Kontakten zu seinen Freunden Rechnung trägt. Doch auch diese digitale Supermacht könnte zu weit mehr fähig sein, als es bisher den Anschein hat:

Die Facebook-Suchmaschine, die ganz auf die enorme Qualität ihrer Suchergebnisse setzen könnte.

Sie könnte bei der Suche nicht nur – wie Google – mit “maschinellen Filtern”, mit Algorithmen, sondern eher mit “menschlichen Filtern”, nämlich den Bewertungen meiner Freunde arbeiten. Wenn ich also bei Facebook im Internet nach einem bestimmten Begriff suche, werden zuerst die Beiträge angezeigt, die meinen Freunden gefallen. Das kann meine Entscheidungen für oder gegen etwas wesentlich mehr beeinflussen als die überaus noch sehr unpersönliche Google-Suche, die die Dinge nach Kriterien bewertet, die sich keinem User so ganz erschließen lässt.

maschine

Des weiteren könnte die Facebook-Suche aber auch einen “Experten-Teil” beinhalten, der die Beiträge der Netzexperten darstellt. Eine Suche in zwei Teile aufzuspalten, in einen freundschaftlich-emotionalen Informationsteil und in einen rationalen Expertenteil, käme den Entscheidungsfindungen der meisten Menschen sehr entgegen. Sowohl die emotionale Bewertung einer Entscheidung als auch die rationale Bewertung kämen gleichzeitig zum Zuge; aus einem einfachen, unkommentierten Suchergebnis wird “gefällt mir”. Dieses “Gefallen” wird dadurch zum “Weiterempfehlen” innerhalb der “Suchmaschinerie Facebook”. Dazu müssten alle Webseiten des Internets offen für die “Like-Buttons” sein, sie integrieren und damit Facebook den Zugriff auf ihre Inhalte erlauben, damit sie in der Facebook-Suche auch erscheinen könnten.

“Gefällt mir” wird damit zum alleinigen Entscheidungskriterium in einer Welt, die darauf ausgerichtet ist, effektiv und zielgerichtet zu arbeiten. Damit sind wir aber gleichzeitig auf einem Weg des “Daumen hoch”, also der dann keinerlei Nuancen, keine Zwischenstufen mehr zulässt. Nach wie vor liegt die Interpretation eines Suchergebnisses noch immer beim Suchenden, er stellt die Qualitätskriterien auf, die er bei seiner Suche verwenden möchte und die er an die Suchergebnisse anlegt. Auf der anderen Seite sehen wir uns – Hand aufs Herz – doch niemals mehr als die ersten drei Ergebnisseiten bei Google an. Wir wollen finden, nicht suchen. Daher werden wir uns in Zukunft bestimmt eher auf die Empfehlungen unserer Freunde verlassen, als auf die kalten, emotionslosen Ergebnisse einer Maschine, auch wenn sie Google heißt und bisher sehr große Erfolge feiern konnte.

Google hat die Entwicklung des Empfehlungsmarketings und seine weitreichenden Folgen verpasst. Google konnte nie die Emotionen der Nutzer ansprechen, der letzte Versuch, Google Wave wurde – kaum gestartet – wieder eingestellt. Die Informationshoheit im Internet, die zur Zeit noch bei Google liegt, gerät durch die andere digitale Supermacht Facebook allmählich in Gefahr.

Vielleicht hat Google zu sehr auf Maschinen gesetzt und dabei die Menschen vergessen?

Vielleicht hat Facebook den richtigen Weg beschritten, sich zuerst um die Menschen zu kümmern?

Facebook Dollar – Währungsreform im Internet

Quelle: The European

Das größte Social Network der Welt wird immer mehr zum allumfassenden “Live”-Feed. Heute schon versorgt Facebook uns mit allen relevanten Informationen über unsere Freunde. In naher Zukunft könnte das Netzwerk zusätzlich zum Online-Shop werden und alsbald eine eigene Währung einführen.

facebook

Noch vor kurzer Zeit stellten alle verfügbaren Informationen und ihre Vermarktungs- möglichkeiten die Währung des Internets dar. Die Zentralbank, die dieses Vermögen verwaltete, heiß Google. Google hat es geschafft, alle Bereiche von Informationen zu erfassen, zu speichern, zu strukturieren und schließlich zu monetisieren.

Doch das Internet entwickelt sich weiter, eine relativ neue digitale Supermacht hat das Betriebssystem des Lebens gestartet: Facebook. Facebook zeigt uns, wie man soziale Beziehungen und alle Informationen darüber erfasst, speichert und strukturiert. Facebook vernetzt Menschen mit Menschen, all unsere Freunde finden wir wieder. Wir wollen da sein, wo unsere Freunde sich aufhalten, weil Freundschaften eine sehr starke Anziehungskraft auf uns Menschen haben. Wir sind gern mit unseren Freunden zusammen, wir halten uns gern an den Orten auf, die unsere Freunde mit uns teilen, egal ob diese Orte real oder digital sind. Empfehlungsmarketing ist durch die Vernetzung mit meinen Freunden überall im Internet, besonders aber bei Facebook, in eine ganz neue Dimension aufgestiegen.

Mehr als das: Die gesamte Kommunikation verändert sich gerade durch die neuen Kommunikationsformen, die gerade entstehen: Das Leben wird ein “Live”-Feed. Alles, was in meinem Leben passiert, kann ich binnen weniger Sekunden mit meinen Freunden teilen, indem ich das gerade erst mit meinem Smartphone aufgenommene Video sofort hochlade und meine Erfahrungen dazu direkt im Chat austauschen kann. Noch vor wenigen Jahren habe ich den besten Urlaubsschnappschuss per MMS an einige wenige Freunde geschickt, oder mich per SMS bei ihnen gemeldet, jetzt poste ich mein Leben bei Facebook, weil meine Freunde wissen wollen, wo ich mich gerade aufhalte.

Man könnte sogar behaupten, dass Facebook der digitale Organisator meines Lebens geworden ist. Die Organisation meiner Termine, Kontakte, Events und meines “Life”-Streams, die richtigen Leute zur rechten Zeit in der rechten Location zu treffen, all das kann Facebook schon heute. Facebook sorgt für eine ganz neue Form der Unterhaltung, alle Unterhaltungsformen und Medien sind auf einer Plattform, niemand muss seine “social Home-Domain” mehr verlassen, um die Feeds seiner Freunde zu verfolgen. Er wird rund um die Uhr in allen seinen Interessengebieten reichlich mit Informationen versorgt.

Aber nicht nur Personen werden vernetzt, mittlerweile geht Facebook dazu über, Websites zu vernetzen. Das einfache Mittel dazu: Der “Gefällt mir”-Button. Dieser kleine Button (man bedenke, dass Youtube von der Sternchen-Bewertung vor kurzem auch zu dieser Kurzform der Bewertung übergegangen ist) sorgt für eine komplette und komplexe Vernetzung von Menschen mit Menschen und Websites mit Menschen. Meine Freunde wissen, was ich mag und was nicht. Ich kann genau verfolgen, welchem meiner Freunde welche neuen Trends gefallen, welche sie ablehnen. “Meine Freunde”, das ist auch ein neuer Informationsfilter, die “Friend-Zone”, die mir Sicherheit vor der Informationsflut des Internets gibt. Ich muss mich nur daran orientieren, was meine Freunde mögen, dann kann dieser Informationsfilter bei richtiger Handhabung sicher Vorteile haben. Ich sehe, welche meiner Freunde welche Seiten schon vor mir besucht haben und ob es ihnen gefallen hat.

Der nächste Schritt nach dem “Gefällt-mir-Button” könnte der “Kauf-Button” sein. Ein Produkt, eine Dienstleistung gefällt mir und ich kann sie binnen Sekunden kaufen, ohne jede Eingabe von Adress- oder Kreditkarten-Daten, einfach über meinen “Facebook-Account”. Facebook übernimmt die gesamte Abwicklung vom Bestellvorgang über die Zahlungsüberwachung bis zur Auslieferung und erschafft sich so eine neue, sehr interessante Wertschöpfungskette. Man kann noch weitere Spekulationen anstellen: Wenn schon alles über Facebook abgewickelt wird, dann könnte man vielleicht sogar spekulieren, dass Facebook sein eigenes Währungssystem aufbaut – weltweit ohne jede Währungsrechnerei, vergleichbar und von seinen Freunden empfohlen, einkaufen. Facebook würde dann an jeder Transaktion und an jeder Umrechnung bei Einzahlungen auf das Facebook-Konto verdienen.

Vielen wäre das wohl auch ganz recht so, denn bei “Facebook sind ja alle meine Freunde”.



Copyright © 2004–2009. All rights reserved.

RSS Feed. Powered by by Wordpress and uses Modern Clix Theme

.