Die 1.000 Euro Produktion

Videoplattformen verändern den Informationsfluss der Gesellschaft in Deutschland. In weniger als einem Jahr haben Videoplattformen weltweit mehr als 10% der Internetbandbreite beansprucht. Nicht, dass nur die Leistung der Internetleitungen verschlungen werden, vielmehr bringt die Nutzung von Widgets auf verschiedenen Seiten die Verbreitung von Mediainformationen über Bewegtbild auf diesem spannenden Markt so rasant schnell voran, dass die Medienmacht Fernsehen zwar noch kleine, aber schon spürbare Minuten abgeben.

Videoplattformen wie YouTube und sevenload bringen schneller die Information an den Endkunden. Die User laden ihre erlebten Momentaufnahmen hoch und genießen dabei die Akzeptanz der Community auf der gesamten Plattform. Ich habe selbst erlebt, dass Freunde von mir Urlaubsvideos anderer als Maßstab genommen haben und damit ein Hotel oder eine gänzlich fremde Stadt als Urlaubsziel ausgesucht haben. Diese Änderung bringt eine ganz andere Bewegung in den Markt. Firmen und Werbetreibende müssen umdenken, um von diesem frischen Aufwind zu profitieren. Ist es aber nun eine kurzweilige Trenderscheinung oder erleben wir heute wirklich eine Revolution der Medienlandschaft?

Die Antwort liegt eigentlich klar auf der Hand: Ja, wir erleben eine Revolution und dafür sprechen sich drei Gründe für diese Revolution aus.

1. Wir können viel einfacher mit der Technik der heutigen Zeit umgehen. Die täglichen Erfahrungen an den technischen Endgeräten reichen heute aus, um eine Webseite zu bedienen und aktiv mitzumachen. Ebenfalls ist es einfacher als je zuvor, Videos zu produzieren, aber auch diese einer breiten Masse zur Verfügung zu stellen.

2. Wir können mit wenig Aufwand hochwertige Produktionen gestalten. Die Barriere heute eine komplexe Produktionen zu produzieren, ist geringer als je zuvor. Firmen wie Microsoft und Apple bieten heute Software an, die jedermann einfach bedienen kann, um seine Videokamera anzuschließen oder sogar ein Framework an verschiedenen visuellen Templates in den Videos zur Verschönerung zu platzieren.

3. Die Menschen sind dabei viel mutiger, sich und andere Menschen in den Videos zu präsentieren und einer breiten Masse zu zeigen. Sogar das Kommentieren von Videos und Bildern ist heute sehr gewünscht, um ein Echo auf die eigene Leistung hinzubekommen, und um daraus die Erfahrungen der einzelnen User im Leben mit allen auszutauschen.

Genau das ist es, was bislang gefehlt hat. Die Menschen wollen sich heute komfortabel präsentieren – und dieses Ziel mit einfachsten Mitteln erreichen. Weil die User einfache Usability verlangen, muss man effektive Software anbieten, um ihre Videos und Bilder optimal zu verarbeiten. Unter all diesen Nutzern gibt es auch einige Talente, die auf beste Weise verstehen, ihre durch wenige Mittel finanzierte Produktionen so zu gestalten, dass sie hochprofessionell auf die Zuschauer wirken.

Die üblichen Produktionskosten im Fernsehen stellen einen enormen Nachteil gegenüber dem Produktionen für Web TV dar. Hierbei reden wir jedoch nicht von klassischen TV Produktionen, wo eine Minute produziertes Filmmaterial einen Kostensatz von 1000 bis xx.000 Euro verschlingt, denn der Grund hierfür ist in den etablierten Produktionskosten pro Unit begründet. Diese Units sind in der Regel als Produktionsgesellschaften zu verstehen, die den TV Sendern maßgeschneiderte Auftragsproduktionen liefern. Diese Produktionen werden dann in ihren sämtlichen Kosten durch Sponsoring- und Werbeeinnahmen für die Ausstrahlung nebst dem Versioning und Windowing der Inhalte gegengerechnet. Seit mehreren Jahrzehnten gilt dieses Modell als das einzige Modell, mit welchem sich Fernsehsender ihre eigenen Inhalte in Form von Spielfilmen, Serien oder journalistischen Formaten einkauften. Diese Rechnung ging bislang auch sehr gut auf. Nur haben heute einige Produktionsfirmen mehr Möglichkeiten und Potentiale als es den TV Sendern lieb wäre. Dabei werden die Preise für die Kostenabrechnung exorbitant nach oben getrieben, die letztendlich für den eigentlichen Aufwand nicht mehr gerechtfertigt sind.

Diese Entwicklung liegt darin begründet, dass einige TV Stars einen so hohen Bekanntheitsgrad erreicht haben und entsprechende Gagen fordern. Doch diesen Grad an Bekanntheit haben sie nur den TV Sendern zu verdanken. Die Verwertungsrechte des jeweiligen Films oder der Serie sind dabei nur darauf beschränkt, dass bei den TV Anstalten oder ihren Tochterunternehmen die Inhalte gezeigt werden dürfen. Diese Art von einem starren Lizenzgeschäft hat sich mittlerweile so gefestigt, dass ein Herauskommen aus diesen Riten der allgemein bekannten Lizenzgeschäfte kaum machbar ist.

Wie treibt man Kosten hoch?

Im Web TV ist das jedoch vollkommen anders. Hier befindet sich jeder noch im Versuchsstadium, um ein vernünftiges Geschäftsmodell für Web TV-Produktionen zu entwickeln. Diese Geschäftsmodelle teilen sich meistens, wie auch im TV Geschäft, in zwei Bereiche auf:

1. Einfaches Lizenzgeschäft

Dieses Modell ermöglicht Produktionen – neben dem eigentlichen Betrieb eines Portals – zu erstellen, die auch anderen Portalen das Recht auf Ausstrahlung gleicher Inhalte bietet. Dafür wird eine klassische Lizenz mit Verwertungsrecht erworben. Diese Art von Lizenzgeschäft werden wir in den nächsten Jahren auch vermehrt feststellen. Weiterhin gilt auch hier: Content ist King.

2. Werbeeinnahmen

Durch das Kombinieren mit auf TKPs basierenden Erlösmodellen werden die Produktionen im Internet finanziert. Dieses Modell ist gerade dabei sich zu etablieren und benötigt noch eine lange Testphase. Jedoch ist das über die Zeit lang das einzig interessante Modell für den Contentinhaber, weil man über
a. Long Tail View eine rasant hohe Ausstrahlung und damit einen hohen Grad an Erlösen generieren kann, wenn zu einem die Darstellung der Inhalte richtig ist und weiterhin die Produktionen im Internet suchmaschinengerecht optimiert sind.
b. Finanzielle Unabhängigkeit von der Plattform als Ausstrahlungsort die Produktionen erstellt, ohne die Plattform selbst finanziell zu belasten.

Dieses Modell ist jedoch nur realisierbar, wenn die Produktion für jede einzelne Sendung/ Folge/ Episode derzeit bei weit unter 1000 Euro liegt. Insbesondere ist das auch machbar, wenn man bedenkt, dass hier nicht eine HD-Qualität und absolute technische Perfektion, sondern einzig und allein die Tatsache zählt, dass Unterhaltung heute wie interaktive Kommunikation gedeutet werden kann. Schon jetzt können Videopodcasts mehr User bekommen als eine hochpreisige Produktion mit einer einzigen Ausstrahlung im Fernsehen. Wir sprechen zwar beim Web TV noch nicht über Millionen von Zuschauern pro Sendung, doch die interessante Frage ist hierbei immer noch, ob das Long Tail View tatsächlich funktioniert. Falls diese Theorie nicht funktionieren sollte, ist eine Anzahl von einer Millionen Zuschauer in der Zukunft pro Sendung (und dabei nicht pro Folge) absolut möglich.

Wie kann sich jedoch eine Plattform dabei refinanzieren?

Hier reden wir von Zuschauer-Fan-Gemeinden, die gemeinsam über die verschiedenen Formate hinweg eine breite Masse bilden. Die Menge an angebotenem Content generiert individuelle Fan-Gemeinden für die einzelnen Sendungen. Je nach Berühmtheit der Protagonisten werden diese immer stärker akzeptiert und dementsprechend werden ihre Formate auch dauerhaft angeschaut. Wir haben mit „Girls Breakfast“ schon heute weit über 400.000 Zuschauer erreicht – und das in weniger als 12 Wochen. Pro Sendung schauen weiter über 10.000 Zuschauer das sonntägliche Frühstück. Diese Zahl wird mit der Zeit extrem gesteigert, weil die eigentliche Bewerbung zu den einzelnen Sendungen noch gar nicht begonnen hat. WIRD ES ABER! Bereits heute bezeichnen wir diese Talente als eigentliche Produzenten. Ohne hohe Kosten können professionelle Inhalte zeitnah und aktuell produziert werden. Aus Hobbykünstlern werden absolute Profis, die sich vollkommen anders am Markt positionieren als der klassische Promi. Ich glaube fest daran, dass die Strategie den Content aufzubauen genau richtig ist.

Wieso stellen dann die Fernsehgesellschaften nicht einfach ihren ganzen Content ins Netz?

Diese Frage ist auch relativ einfach zu beantworten, weil die Verwertungsrechte für die einzelnen Sendungen lange noch nicht geklärt ist. Ein Fernsehsender kann nicht einfach die Inhalte, die vor 10 Jahren ausgestrahlt worden sind, heute ohne Absprache mit den Rechteinhabern, bis hin zur Absprache mit Mitwirkenden aus dem Video, ins Netz stellen. Gerade weil damals niemand die Verwertungsrechte für das Internet gesichert hat, sehen wir wenn überhaupt nur aktuelle Inhalte aus dem täglichen Fernsehprogramm als ein Content-Recycling im Netz. Man hat dazugelernt und macht es heute besser. Heute versuchen sich die Produzenten die Internetrechte zu schützen, jedoch meistens ohne Erfolg, weil sich die TV Industrie diese Rechte von nun ab immer versucht zu sichern. Ich empfehle, dass nicht zu machen.

Die Frage ist JEDOCH auch hier: Schau ich mir eine Serie, die ich mir jeden Abend im Fernsehen anschaue, auch im Internet an – nur weil ich es zu einem früheren Zeitpunkt als im Fernsehprogramm konsumieren kann? Wahrscheinlich machen das einige tausende heute – bald jedoch mehr?

Ist es dann nicht vielmehr so, dass es zum einen an dem individuellen Lebensgefühl eines Menschen hängt, wann man sich etwas anschaut? Schließlich hat jeder Zuschauer seine individuellen Sehgewohnheiten, zu denen auch die Lebensqualität dazugehört. Es bringt einem Zuschauer also nur einen Vorteil, wenn ich aufgrund räumlicher oder zeitlicher Probleme die Lieblingssendung nicht ansehen kann und sie faktisch in ihrer Ausstrahlung verpasst habe. Auch hierzu wird es einen Markt geben, der nicht allzu klein wird.

Aufteilung von segmentierten Angeboten

Die Wahrscheinlichkeit alles unter einer Plattform zu vereinen, wird leider keine einfache Aufgabe. Ich denke, hier wird das Web 2.0 mit seinen vom klassischen Fernsehen differenzierten Rahmenbedingungen eine wichtige Rolle spielen. Die User müssen über die zukünftigen Kanäle selbst bestimmen, der User ist der Radakteur und Zuschauer. Einmal für sich selbst erstellt, kann er auf Wunsch sein individuelles Programm auch für andere Ausstrahlungskonzepte weiterentwickeln. Nur so schafft man die TV Gesellschaft der Zukunft. Es ist sehr interessant zu sehen, wer welche Art von Sendungen sich anschaut und wie diese Inhalte die Zuschauer beeinflussen.

Das Spannende wird für sevenload jedoch sein, dass wir unabhängig von den Senderfamilien sind und letztendlich auch mit den Produktionsfirmen von RTL oder Sat.1 zusammenarbeiten können. Diese Einschränkung, welche für andere Videoplattformen in Deutschland gegeben ist, wird es bei uns nicht gegeben. Falls jedoch die Fernsehsender diese übergreifende Zusammenarbeit nicht wünschen, können wir mit den Produktionsfirmen arbeiten, die für die Contents aus unserer Jugend noch nicht die Rechte für die Verwertung im Internet geklärt haben. Schließlich gewinnt das Spiel um die Contents nicht nur einer, denn das Thema von Web TV und Video on Demand ist so groß und letztendlich ein gewaltiger Milliardenmarkt, dass es unmöglich ist nur einen einzigen Player am Markt zu etablieren.

Das ist genau das spannende an unserem Markt: Die Möglichkeiten zu Fragmentieren und das nötige Targeting zu schaffen sind unbegrenzt. Seien es die Hobbyangler, Hair & Makeup Artisten  über detaillierte Städteinformationen bis hin zu Gitarrenkursen – über kurz oder lang hat fast jedes Format seine spezielle Zielgruppe erreichen.

Kommentare zu "Die 1.000 Euro Produktion"

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