Twitter und die Verantwortung über unser Gedankengut

Mittlerweile folgen mir knapp 4800 Leute bei Twitter. Darunter tummeln sich zahlreiche Menschen aus aller Welt. Sie sind Persönlichkeiten aus der digitalen Welt – und viele von ihnen sind „Digital Natives“ in reinster Form. Wenn fast 4800 Menschen täglich ihr Gehör einer einzelnen Stimme schenken, übernimmt man ab einen bestimmten Zeitpunkt sehr viel Verantwortung für die Informationen, mit denen man an die Netzöffentlichkeit geht. Die Verantwortung über seine Tweets wirkt sich in manchen Fällen aus wie eine Bürde, der man sich bewusst werden muss, wenn man Twitter nutzt.

Was diese von mir sehr positiv aufgefasste Verantwortung in meinem Fall bedeutet, möchte ich meinen Lesern natürlich nicht vorenthalten. Sobald ich meinen Twitterstream beobachte, entdecke ich im Durchschnitt fünf bis acht Links, die ich der Allgemeinheit zu verschiedenen interessanten Themen zur Verfügung stelle. Gepaart mit jeweils einem oder zwei persönlichen Tweets sowie Retweets über Aussagen anderer Twitteruser macht dies schon einen großen Teil des täglichen Verantwortungsbereiches gegenüber meinen Followern aus. Natürlich kommen die Konversationen über Direct Messages oder @Replies nicht zu kurz. Weil ich Verantwortung über meine Tweets nach außen zeigen möchte, müssen Inhalte trotz manch kleiner Nebensächlichkeit vor allem interessant wirken, aktuell und informativ sein. Twitter sollte jedoch nicht als „Chat“ missbraucht werden. Man muss nicht jedem einem Replies schenken.

Doch was veröffentliche ich eigentlich? Im Prinzip stelle ich mein Gedankengut als einen sehr verkürzten Text jedem zum Mitlesen bei Twitter ins Netz. Wenn man hier einen Vergleich mit Büchern hinzuzieht, könnte Twitter wie ein „Abstract“ oder wie eine Zusammenfassung des Gedankenguts funktionieren. Komprimiert auf nur 140 Zeichen, öfters auch kürzer. Ich folge dabei wie ich bereits schrieb in der Regel nur noch Twitterusern, die ich durch ihren echten Namen oder durch ihre Netzaktivität identifizieren kann. Natürlich mischt sich alles als kleiner Bevölkerungsdurchschnitt der Netzkultur zusammen, doch zum ersten Mal tauscht man sich direkt mit Topentscheidern aus Branche aus. Auch Unternehmen, die als Vorbilder gesehen werden, wirken durch Twitter enorm authentisch, wenn ihre Mitarbeiter neben einem allgemeinen Informationskanal bei Twitter auch selbst wahrgenommen werden. Außerdem bin ich wirklich kein Star-Follower, sondern interessiere mich größtenteils für deutsche Twitteruser oder Freunde aus der Wirtschaft – nebst den Persönlichkeiten des Web 2.0, die auf internationaler Ebene sich Rang und Namen geschaffen haben, oder die man einfach persönlich kennenlernen kann.

Was viele Blogger bei aktivem Konsum von Twitter beobachten konnten, kann ich für mich ebenfalls feststellen. Regelmäßiges twittern führt zu einer deutlich geringeren Frequenz beim Bloggen. Mit jeder kurzen Nachricht fällt ein Gedanke weg, den man bisher in sehr ausführlicher Form ins Blog stellen konnte.

Eine kreative Kurznachricht entsteht meist spontan, während man beim Bloggen fundierter zu Werke ist. Ungefähr so, als ob man Online Journalismus mit Gebrabbel vergleichen könnte. Doch hier ist keine selektiv arbeitende Redaktion am Werk, sondern ein einzelner Mensch, der seinen Followern unglaublich viele Themen und Handlungsstränge in die Hand wirft, und von ihnen erwartet, etwas Eigenes für sich daraus zu stricken. Die Entscheidung des Follower solch ein Gebrabbel zu lesen, kann entscheidend für zukünftige Retweets oder Konversationen sein. Vielleicht entsteht so eine „Brabbelsucht“ über bewegende Themen, die nicht nur in den emotional tiefgreifenden Momenten unserer Zeit, wie z.B. bei der Notwasserung im Hudson River oder der Gräueltaten in Winnenden, an den Tag gelegt wird. Man merkt bei Twitter sehr schnell selbst, dass neue Themen unverhofft für viele Menschen interessant werden, weil sie wie „heiße Ware“ in diesem Kreativpool des Gedankenguts bei Twitter besprochen werden. Sobald die Massenmedien über das Thema berichten, ist man bei Twitter bereits vollkommen versorgt.

Vorteil von Twitter:

 Das Copyright liegt beim User. Twitter sagt dazu in Ihren Terms (What’s Yours is Yours): We claim no intellectual property rights over the material you provide to the Twitter service. Your profile and materials uploaded remain yours. You can remove your profile at any time by deleting your account. This will also remove any text and images you have stored in the system.

Zum Abschluss möchte ich unbedingt darauf hinweisen: Bei Twitter darf man nicht akribisch sein. Wer sich über Rechtschreibung in diesem lebendigen Medium aufregt, hat nicht verstanden, dass viele Menschen mobil Twitter nutzen und manche Autokorrektureinstellung des Mobiltelefons einfach in der kurzen Zeit einen falschen Vorschlag macht. Es ist bei Twitter nicht ausschlaggebend alles richtig zu machen, denn auch Fehler überzeugen bei der Authentizität eines Twitterusers. Ich mache daher gerne mal hier und dort einen kleinen Fehler – trotzdem kommt meine Nachricht an, oder nicht? :)

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