Mehrdimensionale Informationen in der Geschäftswelt

Die Veränderungen in der digitalen Welt beschrieb ich bereits vor wenigen Wochen im meinem Artikel „Der Fixierungscode“. Ich möchte heute mit diesem neuen Artikel speziell auf die Herausforderungen der Business-Welt in unserem digitalisierten Leben eingehen. Welchen Einfluss nimmt die Digitalisierung auf unsere Kommunikation?

Wir Onliner müssen mit der Informationsflut aus dem Internet leben, mehr noch: Die Datenmengen bestimmen unser tägliches Handeln und unsere Kommunikation und auf geschäftlicher Ebene werden Entscheidungen durch unser persönliches Kommunikationsverhalten beeinflusst. Mehr noch, unser Handeln definiert sich durch unsere digitalen Informationen, die wir aus den unterschiedlichsten Quellen beziehen – und wir treffen weitreichende Entscheidungen in Sekundenschnelle.

Ich nutze sehr gern den Massenchat für Erwachsene namens Twitter, in dem Informationen an „Followers“ gesendet werden, also Menschen, die mir folgen. Ich kann sie nicht alle kennen, aber ich sende ihnen Nachrichten. Wieso mache ich das? Ich persönlich kann damit meine Ideen mit anderen – in Echtzeit – teilen und damit weiterentwickeln. Diese schnelle Kommunikationsform ist zwar nur für kurze Gedanken geeignet, aber gerade das hat den Vorteil, dass man seine Gedanken und Ideen strukturieren muss. Kurz: Twitter ist eine Nische für sich selbst managende Menschen, die zeigen wollen, dass sie echt sind.

Aktivität im Livestream

Vor fast zwei Jahren schrieb ich über die gesellschaftlichen Phänomene, die ein zukünftiges Social Media mit sich bringen muss: Authenticity, User Location, Impersonal Communication, Open Publication, Consumer Ratings und Individual Connectivity. Immer stärker wird diskutiert, wie das „Web 3.0“ zur Realität werden könnte. Welche Aktivität wer, wann, wie, wo, wie oft  und mit welcher Wirkung im Internet gezeigt hat, kann mittlerweile ohne große Umwege herausgefunden werden. Sämtliche Aktivitäten eines Onliners und auch eines Unternehmens können durch referenzierte Informationen aus den verschiedensten Profilen zusammengesetzt und ausgewertet werden. Livefeeds, Twitterfeeds, Friendfeeds, Minifeeds – was mit RSS angefangen hat, eskaliert jetzt, denn der Nutzer hinterlässt heute nicht nur Spuren in der digitalen Welt, er wird als reales Individuum oder als Firma sichtbar.
Doch warum sind Minifeeds und Livefeeds für das Geschäftsleben relevant? Wie weit macht es Sinn, sein Leben minutiös zu dokumentieren und sich so für alle sichtbar und erlebbar zu machen? Die Folge ist, dass man aus all diesen Informationen eine für jeden nachvollziehbare persönliche Timeline frei verfügbar ins Internet stellt. Das Ganze erinnert mich an den Film „The Final Cut„, in dem die Privatsphäre von Verstorbenen durch implantierte Aufzeichnungssysteme verletzt wurde. Was bringt es, sein Leben als Timeline abzubilden?

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Transparenz des Menschen

Der Mensch ist stark von Computern abhängig geworden, ist schon auf sie fixiert. In fast allen Branchen werden Entscheidungen aufgrund digitaler Informationen gefällt, die unentwegt aus dem Internet über die verschiedensten Kanäle auf uns eindringen. Onliner und besonders Firmen müssen komplett neue Verhaltensweisen an den Tag legen, um mit diesem neuen – sehr schnellen – digitalen Leben zurechtzukommen, denn die Informationen kommen in Realtime zu uns und müssen dementsprechend schnell verarbeitet werden, damit sie uns bei Problemlösungen helfen können. In der virtuellen Welt gibt es kein „Mindesthaltbarkeitsdatum“, es heißt sofort oder gar nicht zu reagieren.

Sofort zu reagieren heißt im Geschäftsleben aber nicht, aufgrund von einzelnen Informationen zu entscheiden. Vielmehr müssen entscheidende Informationen erst verifiziert werden, bevor sie für den Entscheidungsprozess verwendet werden. Dazu allerdings ist ein neuer Umgang mit Informationen notwendig, weil man die für bestimmte Entscheidungen wichtigen Informationen erst aus dem ständigen „Strom der Informationen“ herauslösen muss. Im Entscheidungsprozess muss man die Informationen samt ihrer Quelle, ihres Inhalts und ihres Zusammenhangs transparent machen, um ihren Nutzen für die Problemlösung definieren zu können. Informationen werden im Web 2.0 sozusagen „mehrdimensional“, denn der geschäftliche Erfolg hängt nicht mehr von den geschäftlichen Kontakten bei XING ab, sondern kann viel differenzierter in Communities gemessen werden. Eine Information, ein kurzer Gedanke kann in verschiedenen Communities auch unterschiedliche Resonanz hervorrufen, dessen muss man sich heute bewusst sein und die Chancen erkennen.

Das Geheimnis des Erfolgs mancher Unternehmen beruht meines Erachtens heute darauf, dass sie nicht nur Informationen über viele Kanäle streuen, sondern eher darauf, dass die Unternehmen die sich daraus ergebende Resonanz für die Weiterentwicklung von Produkten und Services als Ideenpool nutzen. Ist ein Gedanke interessant genug, um Menschen in Communities zu begeistern, so wird dieser Gedanke von den Menschen weitergeführt und an andere weitergegeben, bis er – kommentiert und weiterentwickelt – wieder bei dem Unternehmen landet. Wie bei einem Billard-Anstoß wird der Bewegungsimpuls einer Kugel an die anderen Kugeln weitergegeben und verändert die Lage der einzelnen Kugeln auf dem Billard-Tisch; es entsteht ein neues Bild.

Die Frage ist dabei allerdings, inwieweit man als Unternehmer Informationen in die Breite des Internets streuen kann, darf und will. Denn rechtliche Fragen, wie die das Urheberrecht oder ähnliches betreffend, sollten vor so einer solchen Informationsaktion geklärt werden, um keine bösen Überraschungen zu erleben. Wer als Unternehmer neu in der digitalen Welt angekommen ist, hat oft Probleme, hier das richtige Maß zu finden. Profis hingegen haben von solchen Aktionen oft einen unschätzbaren Vorteil. Ich denke, hier kann aber nur jeder für sich selbst festlegen, wann er wie weit mit seinen Informationen gehen will, es muss ein iteratives Vorgehen sein, dass stets den Nutzen der einzelnen Aktion genau „berechnet“, denn nur so kann man sich langsam in die Welt der mehrdimensionalen Informationen vortasten.

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