Google – der große Navigator

Google – der große Navigator

Es geschah zu der Zeit, als ein kleiner Skobbler auszog, die Großen des Navigationsmarkts das Fürchten zu lehren…

Soweit die fast märchenhafte Story des kleinen Unternehmens, das den Markt für iPhone Apps binnen kürzester Zeit heftig aufmischte, bis, ja, bis die Muttergesellschaft Navigon den „Kleinen“ wieder an die kurze Leine nahm und dafür sorgte, dass Skobbler wieder ein braves Familienmitglied wurde.
Es muss doch jedem halbwegs normal denkenden Manager bei Navigon klar gewesen sein, dass eine App von Skobbler für 3,99 Euro einen gigantischen Zulauf und damit Umsatz machen würde, zumal das Mutterhaus für seine Navigationsprodukte einen fast 20-fachen Preis verlangt. Was für ein unglaublicher Managementfehler!

Der kleine Zwerg Skobbler ist tatsächlich gegen TomTom und Navigon angetreten. Doch in den Tiefen der digitalen Welt rüstet sich schon ein wirklicher Riese, man könnte ein deutsches Sprichwort zitieren: Streiten sich zwei, freut sich der Dritte. Google, die digitale Supermacht, kümmert sich nicht um den Kleinkrieg der Navigationshersteller. Google hat den Markt erkannt und wird mit Sicherheit die Vorherrschaft auch auf diesem Gebiet übernehmen, wieder einmal eine – diesmal für die anderen Marktteilnehmer im wahrsten Sinne- Killerapplikation bauen. Dieses System wird dann nicht 99 Euro, nicht 4,99, nicht einen Euro kosten, sondern -googlelike – gratis, umsonst, kostenlos sein. Hinsichtlich der Bedienungsfreundlichkeit werden wir sicher auch nichts auszusetzen haben – es ist schließlich von Google. Was bedeutet das für den Markt?

Apple

Wird das iPhone mit Google oder ohne Google arbeiten? Wird Apple zulassen, dass Googles Navigation auf dem iPhone verfügbar sein wird? Wenn Apple das akzeptiert, verlieren sie enorme Umsätze mit TomTom, Garmin, Navigon und Skobbler, mit denen Apple bisher viel Geld eingenommen hat. Aber selbst Apple muss mit der Zeit und ihren neuen Anforderungen gehen, um die Plattform iTunes Store weiterhin attraktiv zu gestalten. Google und Apple bräuchten also einen Deal. Wie könnte der aussehen?
Apple könnte die Umsätze aus den Werbeeinnahmen der Google App gegen die Verluste der Navigations-App der anderen Anbieter setzen. Dann könnte Apple Google getrost auf iTunes lassen.

Google

Google hat ein Killer-Kriterium für seine eigene Plattform Android geschaffen. In den USA ist das Produkt bereits erfolgreich eingeführt, es hat extrem gute Kritiken zu bekommen. Wir können davon ausgehen, dass es krasse Veränderungen durch das Google Navigationssystem im Markt geben wird. – Die absolute Innovation in technischer Perfektion. Das wird mit Sicherheit dazu führen, dass die Aktienmärkte der Navigationshersteller und Nokia zusammenbrechen werden.

Google hat eine ungeheure Marktmacht und damit die freie Wahl. Google hat in den letzen Jahren immer mehr IT-Sektoren übernommen. Sie haben eigene Karten, komplette eigene Bilder der Straßen, eigene Point of Interessent Informationen und natürlich jede Art von weitergehenden Informationen. Spannend wird es nun, ob Google selbst Interesse hat, sein App auf dem iPhone anzubieten oder ob es die bessere Strategie wäre, ihre eigene Plattform Android zu pushen. Google nimmt sich in den letzten Wochen und Monaten einiges vor. Mit dem eigenen Browser, dem Angebot von DNS-Diensten, Wave und dem Navigationsbereich hat Google viele Topthemen auf der Agenda.

Die Art und Weise, wie die digitalen Supermächte viele Wirtschaftsbereiche heute schon beherrschen, wie sie die Märkte untereinander aufteilen, zeigt dieses Beispiel aus der Navigationsbranche sehr gut. Es ist doch wirklich erschreckend, welche Marktmacht die digitalen Supermächte schon haben. Es bleibt sehr spannend.

… und so kam es, dass von dem kleinen Zwerg Skobbler, der die Revolution eingeleitet hatte, bald keiner mehr sprach, denn der Riese Google hatte die Herrschaft auch in der Navigationswelt übernommen.

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Kommentare zu "Google – der große Navigator"

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Andi Kalsch 7. Dezember 2009 um 11:48 Uhr (Antworten)

Für die großen Hersteller wird die Luft allmählich verdammt dünn … vielleicht sogar für Google.

Denn da wäre noch OpenStreetMap (nebst cloudmade.com) zu erwähnen. Wenn man für alles in Zukunft nur noch ein Gerät nutzt, wird die Qualität der Daten zum immer entscheidenderen Kriterium. OpenStreetMap hat jetzt schon in den großen Städten der Welt die detailliertesten Daten und punktet damit zunehmend auch in Services.

Wenn das Gerät, mit dem man navigiert immer mehr zur Nebensache wird (GPS+mobil kann bald jedes Gerät), gewinnt die Applikation, die auf die besten Daten zugreift.

Ich bin sehr gespannt, wie Google – das immer noch mit lizenzierten Daten hantiert – auf den Ansturm der freien Daten reagiert. Denn auch für bike/Fußgänger-Navi gibt es eine Riesennachfrage.

Desweiteren sind in den Googledaten massive Mengen von sogenannten „trap streets“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Trap_Street) zu finden – absichtliche Fehler in Namen von Straßen als Wasserzeichen gegen Kopierer.

Cappellmeister 7. Dezember 2009 um 11:57 Uhr (Antworten)

Der große Unterschied zwischen Navigon&Co und Google ist, dass Google die Informationen hinter der Navigation besser und geschickter weitervermarkten wird als es die alte Garde je konnte.

Offensichtliche Verwertungen wäre:

– live Staumeldungen (nach Fahrzeug aufkommen)

Richtig groß wird die Idee aber, wenn man folgendes kurz andenkt:

– Direktwerbung in der Streetview-Ansicht
– Immobilienbewertung nach echtem Verkehrsaufkommen
– Intelligente Verkehrsführung als Erlösmodel
– Selbstlernende Spracherkennung
– Versteigerungsmodel à la AdWords für POI
– Selbstaktualisierende Straßenkarten (müssen nicht mehr händisch aktualisiert werden, wie bei derzeitigen Karten)
– Vermarktungsmodel an Kommunen, wie bei Google Earth

Thomas Bachem 7. Dezember 2009 um 13:01 Uhr (Antworten)

Es gibt zudem zahlreiche Gerüchte, nach denen Apple selbst an einem eigenen Mapping-Dienst arbeitet.

Siehe z.B. http://gigaom.com/2009/09/30/so-why-did-apple-buy-a-mapping-company/ oder http://theappleblog.com/2009/11/30/apples-new-map-team-job-what-it-really-means/.

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