Die digitale Zeit der komplexen Systeme

Die reale Welt erstreckt sich immer weiter ins Web und nimmt ihre komplexen Strukturen mit. Die Folge: Das Web wird ebenfalls immer komplexer; digitale Großmächte wie Facebook haben das bereits erkannt und entsprechend reagiert.

Die Komplexität des Internets war schon von Anfang an eine große Herausforderung für die Nutzer und für die Suchmaschinen. Doch es gab immer Hilfestellungen: Einige Suchmaschinen versuchten es mit einer Katalogisierung wie in der realen Welt, andere von Anfang an mit Algorithmen. Die maschinelle Aufarbeitung der Informationen hat sich heute durchgesetzt, doch egal wie man sich der digitalen Welt näherte, alle Bemühungen von Services und Angeboten hatten auch in den folgenden Jahren immer nur ein Ziel: das Internet einfach und übersichtlich zu gestalten. Den Höhepunkt dieser Entwicklung finden wir am Beginn des Web 2.0, alles war auf das Wesentliche reduziert: So konnte man mit Twitter nur Feeds senden, auf YouTube nur Videos und auf Flickr nur Bilder hochladen, digitale Supermächte wie Google konzentrierten sich noch auf ihr Kerngeschäft.

Facebook ist das soziale Betriebssystem der virtuellen Welt

Heute scheint sich einiges verändert zu haben: Das soziale Betriebssystem der digitalen Welt, Facebook, ist ein auffällig komplexes und teilweise kompliziertes System geworden, jedenfalls hat es nicht den Grad an Einfachheit, der noch bis vor kurzem als Maßstab für Erfolg an das Internet angelegt wurde. Dennoch sind Hunderte Millionen Menschen auf der Welt gerade von der neuen Komplexität begeistert. So ist Facebook nicht nur ein Fotoportal, ein Videoportal, ein Feed-Portal, sondern weitestgehend auch ein Eventmanager, ein Portfoliomanager für Produkte und viele andere Dinge wie eine Spieleplattform etc.

Das Internet beginnt, das ganze reale Leben abzubilden

Wie kann eine so komplexe Struktur einen solchen Erfolg haben? Es scheint die Zeit der komplexen Systeme gekommen zu sein. Vielleicht muss man das Netz heute mehr als “einen lebenden Organismus” betrachten und die Systeme, die als Infrastruktur auf dem Organismus vorhanden sind, als seine Kommunikationswege sehen. Das eben deshalb, weil das Internet nicht mehr nur Teile des realen Lebens, wie zum Beispiel den Konsum, abbildet.

Wir leben in einer immer komplexer werdenden realen Welt. Jetzt, da die Zeit gekommen scheint, dass sich das reale Leben mehr und mehr in die virtuelle Welt hinein erstreckt, werden auch vielseitige und manchmal komplizierte Anforderungen an das Web gestellt. Jede Zeit hat ihre eigenen Anforderungen. Die digitale Supermacht Facebook jedenfalls hat definitiv die Zeichen der Zeit erkannt.

Erstveröffentlichung 15.07.2010 – The European


Update 24.11.2010:

“Hitwise”, der Internet Analyst, gab bekannt, dass Facebook in der zweiten Novemberwoche 2010 24,3 Prozent aller Seitenaufrufe in Amerika für sich beanspruchen konnte. Den zweiten Platz nahm mit nur 6,4 Prozent Youtube ein, erst dann gefolgt von Google (5,3 Prozent). Der Berechnung liegen nur Seitenaufrufe aus den USA, ohne Smartphone-Zugriffe zugrunde. Damit ist Facebook schon jetzt auf dem besten Weg, nicht nur “das soziale Betriebssystem der virtuellen Welt” zu werden, sondern auch auf dem Weg, den Kampf gegen eine andere digitale Supermacht, nämlich Google aufzunehmen. Die ersten “Kriegshandlungen” (Ausschluss von Gmail in Facebook) haben schon begonnen.

Das zeigt, welche Marktmacht sich hier für Facebook entwickelt. Der “Erfinder” des WWW, Tim Berners-Lee warnte in einem interessanten Interview vor dem Machtzuwachs von Facebook: “ „Je weiter diese Art von Architektur sich verbreitet, desto fragmentierter wird das Web und desto weniger können wir einen universellen, verbundenen Informationsraum genießen.“

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