Google – Der Griff nach der finanziellen Weltherrschaft

Google ist das wertvollste Unternehmen der Welt – wenn man es in der neuen Währung bewertet: Information. Um diesen Status auch aus monetärer Sicht zu erreichen, muss der Suchmaschinengigant an die Börse.
Was müsste man tun, um die finanzielle Weltherrschaft zu erringen? Die finanzielle Weltherrschaft ist meines Erachtens gleichzusetzen mit der wirtschaftlichen Vormachtstellung. An erster Stelle rangieren also die Börsenumsätze, die gigantische Ausmaße haben, wenn man bedenkt, dass allein die Deutsche Börse mit Sitz in Frankfurt im Jahr 2008 2,26 Billionen Euro Umsatz im Kassamarkt gemacht hat. Daraus kann man ableiten, wie hoch die weltweiten Umsätze ungefähr sein müssen. Um im Spiel um Aktien, Rohstoffe etc. auf der Käufer- und Verkäuferseite mitspielen zu können, braucht man in erster Linie Informationen, sogar die neuesten Informationen, um aktuelle Entwicklungen im Anfangsstadium bewerten und darauf reagieren zu können. Auf der Seite eines Börsenhändlers braucht man ebenfalls die neusten Informationen, um die Entwicklung der weltweiten Märkte besser einschätzen zu können.

Informationen werden zur Infrastruktur ganzer Branchen. Google ist für die Börse und den Handel bestens gerüstet. Das Unternehmen verfügt über alle im Internet zugänglichen Informationen, sämtliche Entwicklungen lassen sich mithilfe von Algorithmen zumindest in gewissem Rahmen vorhersagen. Der Werbemarkt im Internet, der Videomarkt und der Nachrichtenmarkt, also Großteile des gesamten Informationsmarktes, kontrolliert Google bereits. Das Beispiel von Google Translate macht die Strategie klar: Es werden Texte nicht analog, sondern allein aufgrund von Berechnungen übersetzt. Die hervorragende Technik macht es möglich. Zum Beispiel mit Google Trends.

Die Herrschaft der Algorithmen ist allgegenwärtig

Und wir, die Internetnutzer, versorgen das Unternehmen ständig mit allen neuen Informationen, nur weil wir daran gewöhnt sind, die angebotenen Services kostenlos zu nutzen. Doch ist die Nutzung wirklich kostenlos? Oder bezahlen wir nicht vielmehr mit einer Währung, deren Wert wir noch gar nicht recht erkannt haben – mit Informationen über alle Bereiche unseres Lebens? Vielen von uns ist noch gar nicht klar geworden, dass es eine neue Wertschöpfungskette gibt, an deren Anfang wir stehen, deren Verlauf und Ergebnis aber Google kontrolliert. Unbestreitbar ist: Google hat jede Information als Erster auf dieser Welt.

Die digitale Supermacht Google schöpft immer mehr Wissen ab, das den Wirtschaftsunternehmen und dem Staat nicht so zeitnah zur Verfügung steht, weil Google schneller, besser strukturiert und unschlagbar in der Verarbeitung von Informationen ist.
Zum Beispiel baut Google in Youtube jetzt gerade einen eigenen “Nachrichtenkanal” auf, in dem Videos mit Nachrichtenwert über das aktuelle Geschehen eingestellt werden können. Ein weiterer Schritt in Richtung auf die Informationshoheit auf diesem Planeten. Denn Zeitungen, Radio, Fernsehen, all das ist bereits digitalisiert und damit auswertbar, es muss nur noch ein System bereitgestellt werden, das die in Radio, Fernsehen und Video enthaltene Sprache automatisch digitalisiert. Wenn dieses Codierungssystem erschaffen ist, können just in time alle Nachrichten, Radiobeiträge und Videos vertextet werden, und das Unternehmen wüsste sofort, was auf der Welt die wichtigsten Trends sind.

Google braucht eine Börsenlizenz für einen eigenen Google Stock Market

Alle Entwicklungen, die wirtschaftliche Kreisläufe betreffen, würden von einem Informationsmonopolisten verwaltet. Wir dürfen dabei aber nicht vergessen, wie wichtig Wirtschaftsnachrichten, ihre Auswertung und Weiterverwendung für das globale Wirtschaftssystem – und damit für uns alle – sind. Der Erwerb einer Börsenlizenz für einen eigenen Google Stock Market wäre für Google damit die nächste große Aufgabe.
Erstausgabe 24.06.2010 – The European

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Kommentare zu "Google – Der Griff nach der finanziellen Weltherrschaft"

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Christian Junius 4. September 2010 um 13:51 Uhr (Antworten)

Der Artikel ist sehr gut und spiegelt das Empfinden in der westlichen Welt – ohne Frage – wider.
Zu beachten ist, dass zum Beispiel Google in China und Indien nur – wenn überhaupt – Mittelmaß ist. Hängt sehr stark damit zusammen, dass die Asiaten andere Suchgewohnheiten haben und lieber inländischen Anbietern – mehr oder weniger freiwillig – den Vorzug geben.

Eine absolute Weltherrschaft würde es geben, wenn sich Facebook, Google und Baidu (chinesischer Suchmaschinen-Gigant) zusammenschliessen und Daten austauschen!

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