Der Schutz der Menschenwürde im digitalen Zeitalter

Ich bin kein ausgewiesener Experte für das Thema Menschenwürde. Aber ich finde nicht nur, dass sich jeder Mensch hierzu Gedanken machen sollte – ich stelle auch immer wieder fest, wie omnipräsent dieses Thema im digitalen Zeitalter wird. Und schaut man sich die Hintergründe einmal an: Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (1948) legt verschiedene Prinzipien dar. Im Artikel 12 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte heißt es: „Niemand darf willkürlichen Eingriffen in sein Privatleben, seine Familie, sein Heim oder seinen Briefwechsel, noch Angriffen auf seine Ehre und seinen Ruf ausgesetzt werden.“ Wir Menschen geben diese Daten jedoch vermehrt frei. Dabei stellen insbesondere innovative Technologien neue Anforderungen an die Rechte auf Privatsphäre und freie Meinungsäußerung im digitalen Zeitalter dar. Interaktive Dienste ermöglichen flächendeckende Überwachung der privaten Aktivitäten. Software-Filter können den Zugriff auf Informationen gewähren. Und nicht zu vergessen: Das Web ist kein nationales Thema und wird es nie sein. Die Globalisierung hat zu einer Verlagerung der Entscheidungskompetenz von den nationalen Regierungen an internationale Organisationen geführt.

Aber was bedeutet das für das Individuum? Jeder hat das Recht auf freie Meinung und Meinungsäußerung. Dieses Recht schließt die Freiheit ein, Meinungen ungehindert zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten. Das gilt für Informationen und Ideen – ohne Rücksicht auf Grenzen. Wir lebe damit im Zeitalter der Mediademokratisierung, denn jeder darf kommunizieren, publizieren und das ohne Gatekeeper. Der Mensch wird die Botschaft selbst. Die neue Technologie bietet Chancen, seinen eigenen (Wissens-)Horizont zu erweitern, aber die, die Freiheit kommunizieren, sollten auch die Möglichkeit einräumen, das Privatleben zu schützen.

Neue Technologien können z.B. anonyme Transaktionen über das Internet abfangen und Zugriff auf Informationen (und somit die Offenlegung der tatsächlichen Identität) gewähren. Auch Filtering-Techniken in der Architektur des Internet erlauben neuen Kommunikationsdiensten den Zugang zu Informationen, die sonst nicht zur Verfügung standen (Big Data). Diese neu entstehende Technologien haben erheblichen Einfluss auf die Zukunft der menschlichen Würde und auf das digitale Zeitalter. Neue technologisch organisierte Unternehmen spielen eine zunehmend bedeutende Rolle in der Politik und das weltweit.

Fest steht: Das Netz verbindet die Menschen. Auch wenn neue Technik natürlich immer Chancen und Risiken gleichermaßen mit sich bringt. Die größte Herausforderung für die menschliche Würde im digitalen Zeitalter ist nicht in der Natur der Technologie selbst, sondern in der Fähigkeit von Individuen, durch demokratische Institutionen eine effektive Reaktion auf diese neue Herausforderungen zu zeigen. Wir erfahren eine Globalisierung der Entscheidungskompetenz (Stichwort: Crowdsourcing). Zu diesen neuen Herausforderungen zählen z.B. das Zusammenwachsen von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Es gibt meiner Ansicht nach eine Notwendigkeit, ein angemessenes Verhältnis zwischen den beiden zentralen Interessen der Privatsphäre und freien Meinungsäußerung zu schaffen. Die Kommerzialisierung des Internets birgt ganz allgemein die Gefahr, dass Individuen mitunter gezwungen werden, für Dienstleistungen, die sonst routinemäßig zur Verfügung gestellt werden könnten, mit der Freigabe ihrer persönlichen Daten zu zahlen. Eine große Herausforderung hier sind insbesondere die digitalen Supermächte á la Google.

Neue Marktkonzentrationen und die Konsolidierung der wirtschaftlichen Macht könnte den dezentralen Charakter des Internets verändern und die Vielfalt (u.a. im Bereich der nicht-kommerziellen Angebote) reduzieren. Diese Vielfalt ist jedoch unerlässlich für den Schutz der Menschen im Netz. Auch die vermehrten Rufe nach Regulierung und Kontrolle (Stichwort: Cyberkriminalität) sollten mit Vorsicht behandelt werden. All diese Beispiele zeigen: Die Politik braucht digitale Denker. Gleiches gilt natürlich für die Wirtschaft. Das Wachstum des Internets hat den Aufstieg des elektronischen Handels und der Expansion der Weltwirtschaft gefördert.

Eine große Herausforderung für den Schutz der Menschenwürde im Web ist die Gewährleistung der freien Meinungsäußerung und der Schutz der Privatsphäre des Individuums. Kostenlose Angebote natürlich auch. Eine zentrale Aufgabe für die Wahrung der Menschenrechte sollte beispielsweise auch die Beseitigung von Hindernissen für den freien Fluss von Informationen sein und die Stärkung der öffentlichen Stimme von NGOs. Gleichzeitig bekommen Open Source Modelle eine immer zentralere Rolle bei der Gestaltung der Politik im Internet.

Im Bereich des Schutzes der Privatsphäre durch die digitalen Supermächte, sollte zudem die Durchsetzung von gelebten „Faire Information Praktiken“ ein primäres Ziel sein. Die Anstrengungen in der Politik, bei den Unternehmen und der Gesellschaft sollten den freien Austausch von Informationen und gleichzeitig die Offenheit des Internets fördern. Das Internet ist DIE große Chancen das menschliche Wissen zu fördern, Verständnis zu stärken und die Zusammenarbeit über Grenzen hinweg zu verknüpfen. Die Bemühungen der Regierung, den Zugang zu Informationen zu beschränken, muss weltweit bekämpft werden.

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Kommentare zu "Der Schutz der Menschenwürde im digitalen Zeitalter"

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ugur demirbas 4. Juli 2012 um 15:15 Uhr (Antworten)

Es ist leider oft so, das Menschen nicht verstehen was ihre Handlungen im Netz für sich selbst und ihr Umfeld bedeuten. Sie unterschätzen den Informationsfluss. Man kann seine Handlungen im Alltag einschätzen doch im Internet leider nicht.

Es werden sehr oft Privatmitteilungen gepostet, nur weil vielleicht ein Teil der Konversation amüsant ist ohne dabei an die zweite Person der Unterhaltung zu denken.
Es werden Privatfotos hochgeladen die durch das Unwissen nicht nur den Freunden zur schau gestellt wird, durch das system der Plattformen sehen das Freundesfreunde und deren Freunde und man verliert die Kontrolle darüber.

Man sollte das Internet in der politischen Welt viel ernster nehmen. Da reicht es nicht nur eine Partei zu haben.
Es sollte so etwas wie einen eigenen Bundestag für das Internet geben.

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