Deutschlands digitale Zukunft: Es fehlt die digitale Vernunft

In den äußeren (Rechts-)Beziehungen der Internetnutzer zu den Service-Providern hat sich im vergangenen Jahr sehr viel zum Positiven entwickelt. Für viele von uns ist es selbstverständlich geworden, ihre digitale Selbstbestimmung einzufordern und sie auch gegen die Interessen der digitalen Supermächte durchzusetzen. Zudem rücken das Recht auf Daten- und Persönlichkeitsschutz in den Fokus der eigenen Online-Aktivitäten.

Der erste Schritt:

Wir Onliner haben gelernt, unsere Rechte im Internet zu reklamieren.
Wir haben gelernt, dass es wenig Sinn macht, uns dem Internet mit unserem „gesunden Menschenverstand“ zu nähern, denn wir wissen, dass wir uns nicht mit den in der digitalen Welt herrschenden Algorithmen messen können. Wir verstehen die Algorithmen, also die Codes, einfach nicht, sehen es nicht und können uns nicht darein denken. Die Daten des Internets sind digital und damit werden sie von den digitalen Supermächten über digitale Algorithmen beherrscht. Unser analoges Denken kann da nicht mithalten. Wir sollten uns daher auf das Gebiet beschränken, das wir beherrschen: die menschliche Vernunft. Jetzt ist es Zeit für den nächsten Schritt:

Wir müssen im wahrsten Sinne des Wortes „zur Vernunft kommen“.
Aus der theoretischen Vernunft, die sich aus der Beschäftigung mit den neuen digitalen Herausforderungen gebildet hat, muss jetzt die praktische, die täglich gelebte Vernunft werden. Die digitale und die reale Welt sind zu eng miteinander verbunden, als dass wir sie noch trennen können. Es macht keinen Sinn, sich getrennte Wertesysteme für die reale und die digitale Welt zu schaffen. Die Wechselwirkungen der beiden Welten können wir nicht länger mit zweierlei Maß messen. Daher ist es an der Zeit, die digitale Vernunft in unsere praktische, täglich gelebte Vernunft einfließen zu lassen.

Es gibt keine unterschiedlichen Vernunftebenen für die reale und die digitale Welt.
Erst wenn wir auf der Basis unserer praktischen Vernunft – die die reale und die digitale Vernunft umfasst – auch mit der digitalen Welt kommunizieren, versetzen wir uns selbst in die Lage, den digitalen Supermächten auf Augenhöhe begegnen zu können. Diesen nächsten Schritt muss die Gesellschaft, aber auch die Politik gehen: Es gibt in Deutschland als Wirtschaftsraum keine digitale Vernunft. Daher ist die Politik gefordert, ein System zu schaffen, das einerseits Schutz vor den Übergriffen digitaler Supermächte bietet und andererseits einen geschützten Bereich für eigene Innovationen schafft.

Deutschlands Zukunft: Die digitale Vernunft und eigene Innovationen.
Ansonsten werden wir den Wirtschaftsinteressen der Supermächte hilflos ausgeliefert sein, und jedes vernunftorientiertes Handeln des Einzelnen kann sich nur noch innerhalb der Allgemeinen Geschäftsbedingungen der digitalen Supermächte abspielen. Und ich persönlich finde diese Vorstellung entmündigend.

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Kommentare zu "Deutschlands digitale Zukunft: Es fehlt die digitale Vernunft"

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Sebastian Socha 11. Januar 2013 um 15:42 Uhr (Antworten)

Hallo,

Schöner Beitrag, dessen Grundgedanke allerdings derzeit noch hauptsächlich auf die „digitale Elite“ abzielt, die bereits aus der Beschäftigung mit dem Internet heraus ihre „theoretische Vernunft“ erlernt hat. Bevor wir von einer breitenwirksamen „praktischen Vernunft“ sprechen können, in der die „digitale und die reale Welt“ miteinander verkschmolzen sind, müssen erst noch breite Teile der Bevölkerung ihre „theoretische Vernunft“ entwickeln. Als Bedingung hierfür erachte ich nicht lediglich die praktische Verwendung des Web, sondern auch zumindest rudimentäre, technische Hintergrundinformationen zur Funktionsweise der gängigsten Webmechanismen.

Kurz hierzu noch:
„Daher ist die Politik gefordert, ein System zu schaffen, das einerseits Schutz vor den Übergriffen digitaler Supermächte bietet und andererseits einen geschützten Bereich für eigene Innovationen schafft.“

Nicht „die Politik“ ist gefordert, sondern der Bürger/ Unternehmer/ Nutzer, sprich: das „zoon politicon“ selbst, das diesen geschützten Bereich als Konzept leben und in die Politik tragen muss. Wenn wir solange warten, bis das herrschende politische Establishment eine derartige Schutzzone einrichtet, dann können wir noch lange warten – schließlich geht ja von dieser Denkweise auch eine Gefahr für etablierte Hierarchien aus…

Gruß,
Sebastian

Jobhamster 12. November 2013 um 17:35 Uhr (Antworten)

Das Thema ist wohl aktueller denn je!
Interessante Ansichten zum Thema digitale Vernunft und es wird noch spannend zu sehen was sich daraus entwickelt. Ein System zu schaffen wir sehr schwer werden, besonders für die Politik – aber nötig wäre es allemal!

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