Die Revolution der Google Glass

Die Revolution der Smart Glasses beginnt. Die „digitalen Supermächte“ Apple, Microsoft und auch Google erfinden mit Hochdruck an der neuen Form menschlicher Kommunikation. Doch was macht das Konzept von intelligenten Brillen zu einer Revolution und wie können sie unsere Gesellschaft beeinflussen?

Was ist die Google Glass?

Das Prinzip der Google Glass ist simpel und beeindruckend zugleich. Wie ein Smartphone wird der Nutzer bzw. Träger mit zahlreichen Informationen, die seinen Alltag erleichtern sollen und ganz im Sinne von Augmented Reality stehen, versorgt. Die Datenbrille besitzt eine Kamera mit Videofunktion, ein Mikrofon, einen kleinen Lautsprecher und ein Touchpad zur Funktionsnavigation. Ferner ist die „Google Glass“ mit verschiedenen Sensoren wie einem Gyroskop, einem Akzelerometer und einem Kompass ausgestattet.

Präsentation Google Glass

Die Revolution liegt in der Vernetzung

Auf den ersten Blick mag es merkwürdig erscheinen die Google Glass als etwas Revolutionäres zu bezeichnen. Betrachtet man die reine Hardware ist es wirklich nichts Neues, sondern bloß eine Weiterentwicklung von schon Vorhandenem: ein verkleinertes Smartphone, das in eine Brille passt. Die Ausgabe der Daten erfolgt nicht über ein weit entferntes Display, sondern unmittelbar am Auge. Um eine Antwort darauf zu finden, was die Google Glass dennoch zu einer Revolution macht, ist es wichtig, sich die unterschiedlichen Phasen der globalen Vernetzung vor Augen zu führen. Die globale Vernetzung, die mit der massenhaften Verbreitung des Internets vor rund zwanzig Jahren ihren Anfang nahm, lässt sich grob in vier Phasen unterteilen.

In der ersten Phase haben wir unsere Computer an das Internet angeschlossen. Heute ist ein Computer ohne Internet für die wenigsten von uns kaum noch vorstellbar. Die zweite und immer noch anhaltende Phase betrifft die Verbreitung von mobilen, internetfähigen Endgeräten, die das World Wide Web in unseren Alltag transportiert haben. In der dritten Welle, die gerade in den Startlöchern steht, werden alle Maschinen, wie beispielsweise Autos, Fotoapparate und Kühlschränke vernetzt. Sogar ganze Häuser lassen sich heute schon von überall auf der Welt bedienen.

Wie sich erkennen lässt, wurden mit jeder folgenden Vernetzungsphase neue Lebensbereiche erschlossen. Nachdem der Mensch sein gesamtes Umfeld vernetzt hat, besteht die vierte Phase darin, dass auch der menschliche Körper Teil dieser Vernetzung wird. Anknüpfungspunkte für die Vernetzung des menschlichen Körpers sind seine Sinne, mit deren Hilfe er die Umwelt wahrnehmen und durch Augmented Reality sogar erweitern kann. Der Einstieg in die vierte Phase bildet Google Glass oder äquivalente Produkte. Das Neue daran ist nicht, wie beschrieben, die Technik, sondern vielmehr das Konzept, was dahinter steht. Bei der Google Glass handelt es sich nicht bloß um eine Brille, sondern um die Vision die Technik komplett vergessen zu können, während die Brille Daten über die Sinne des Menschen direkt ins Gehirn überträgt und dieser zeitgleich mit seiner Umwelt kommuniziert. Der Träger muss kein Gerät einschalten, aus der Hosentasche ziehen oder etwas installieren. Die Technik wird somit zum Teil der menschlichen Sinnesausstattung. Sie ist genau wie das Auge oder das Ohr da, wenn man sie braucht.

Spinnt man diesen Gedanken weiter, werden Menschen künftig ungehindert in die virtuelle Realität eintauchen und dabei nicht mehr unterscheiden können, ob die Daten aus der Realität oder von einem Computer stammen. Der augenscheinliche Vorteil dieser Entwicklung liegt in der Einfachheit und Schnelligkeit, in der Menschen Informationen aufnehmen und kommunizieren können. Aber müssen wir Menschen wirklich immer alles schneller und effektiver machen? Oder sind wir gerade im Begriff Technologien zu erschaffen, die in naher Zukunft unseren Intellekt überschreiten wird und wir dann nur noch Sklave unserer eigenen Schöpfungen sind?

Datenbrillen: Einfluss auf unsere Gesellschaft

Smart Glasses werden, wie auch Smartphones und Tablets zuvor, die Art und Weise wie wir in unserer Gesellschaft kommunizieren, enorm verändern. Alle neuen Innovationen haben Vor- und Nachteile und weisen vor ihrer Etablierung mehr Skeptiker als Enthusiasten auf. Letzteres liegt darin begründet, dass jeder Innovation eine schöpferische Zerstörung des Status Quo innewohnt, was in den meisten Menschen ein Unwohlsein auslöst. Auch ich wäge die Vor- und Nachteile der neuen Technologie noch ab: Meiner Meinung nach besteht einer der wesentlichen Vorteile der Google Glass darin, dass der Träger überall und zu jederzeit auf Informationen zugreifen kann, ohne dass hierfür die Hände zum Einsatz kommen müssen. Denkbar sind hier beispielsweise interessante Anwendungsfälle für die Reparatur von Maschinen oder auch Google Glass in der Medizin (oder generell als Ausbildungsbeschleuniger). Der Träger erhält wesentliche Informationen wie Baupläne oder medizinische Befunde direkt auf sein Display und hat seine Hände für die Arbeit frei.

Ein von Kritikern hervorgehobener Gesichtspunkt ist die potentiell negative Auswirkung auf unsere Konzentrations- und Aufmerksamkeitsfähigkeit, die durch das Tragen von Smart Glasses noch weiter abnehmen kann. Wie oft ziehen wir heute schon völlig unreflektiert unser Smartphone aus der Hosentasche, besuchen völlig grundlos Facebook und überprüfen im Minutentakt das E-Mail-Postfach? Was diesen Effekt noch verstärken könnte ist, dass Google Glass vom Träger gar nicht mehr wahrgenommen wird. Einem Brillenträger ist auch nicht ständig bewusst, dass er eine Brille trägt. Die mangelnde Aufmerksamkeitsspanne kann unter Umständen nicht nur zu Unfällen führen, sondern auch zwischenmenschliche Beziehungen strapazieren – wir wollen von den Menschen, die uns am Herzen liegen, wahrgenommen werden.

Die Privatsphäre ist, wie bei allem was Google macht, auch bei den Google Glasses ein heiß diskutierter Aspekt. So ist es denkbar, dass Menschen, die Googles Brille tragen, unbemerkt von anderen Foto- und Videoaufnahmen machen können. Google hat aber bereits angekündigt den Schutz der Privatsphäre von dritten sehr ernst zu nehmen und dafür zu sorgen, dass niemand unbemerkt aufgenommen werden kann. Was allerdings mit den Daten der Träger passiert, die sich mit der Google Brille bewegen und Google zeigen was ihnen in ihrem privaten Umfeld gefällt, darüber ist noch nichts bekannt.

Fazit: Google Glass

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Google Datenbrille viel mehr ist als ein weiteres technisches Gimmick. Google Glass wird nicht nur einen wesentlichen Einfluss auf die Kommunikation innerhalb unserer Gesellschaft haben, sondern sie ist auch der Einstieg in die Vernetzung des menschlichen Körpers. Die Zukunft wird zeigen, ob uns eine Brille, die das Tor zur unendlichen Informationsflut öffnet, die wesentlichen Dinge im Leben wirklich schärfer sehen lässt. Ich persönlich werde mir sofort eine Brille von Google zulegen. Das steht fest!

**
Einen sehr guten Artikel dazu findet ihr auch auf dem Blog von Hannes Schleeh.

Netzwelt – Google Glass: Verkaufsstart noch in 2013?

Ein passendes Bild zu der Google Brille findet ihr hier:

Googlebrille vs Terminator: Bild: Clara Munteanu

Kommentare zu "Die Revolution der Google Glass"

Verpasse keine weiteren Inhalte und folge mir auf meinen Social-Media-Kanälen