Googles Big Data: „Ich sehe etwas, was Du nicht siehst“
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Googles Big Data: „Ich sehe etwas, was Du nicht siehst“

Nach eigenen Angaben verarbeitet Google (Stand 2013) ca. 4.000.000.000, also 4 Mrd., Suchanfragen pro Tag, das sind ca. 2,7 Millionen je Minute! Wichtig für die Bedeutung des Folgenden ist, dass wir uns vergegenwärtigen, dass die Suchmaschine Google dabei in zwei Richtungen vorgeht: Zum einen durchleuchtet Google Search alle verfügbaren Internetseiten, woraufhin Google eine Bewertung der Inhalte vornimmt. Diese Relevanz kommt dann bei unserer Suchanfrage zum Tragen, wenn die Suchergebnisse für uns vorgefiltert werden. Die bei dieser Filterung eingesetzten Algorithmen sollen in diesem Zusammenhang nicht interessieren. Und wenn es einen interessiert, wird es trotzdem nicht transparent dargestellt. Das nennt man dann Firmengeheimnis.

Niemand weiß mehr auf dieser Welt als Google

Wichtig ist nur, was Google alles weiß: Google weiß alles. Googles Big Data besteht ja nicht nur auf der einen Seite aus allen Suchanfragen und auf der anderen Seite aus den indizierten Seiten. Nein, Google weiß – auf beiden Seiten – gleichzeitig, welche Informationen in welchem Land, sogar welcher Region, zu welchem Zeitpunkt, aus welchem Anlass, zu welchem Zweck und in welcher Intensität gerade abgefragt oder eingegeben werden. Somit wird Big Data eine Wirtschaftswährung.

Das Leben ist berechenbar geworden

Die Korrelationen zwischen diesen unterschiedlichen Wissensbausteinen sind fast unendlich. Setzt man aber auf ein bereits vorhandenes Wissen und seine gegenseitigen Abhängigkeiten einen Filter, ein in der Vergangenheit eingetretenes Ergebnis, dann ist es mathematisch möglich, diese Wahrscheinlichkeit auf ähnlich gelagerte Fälle in der Zukunft zu übertragen – unter voller Kontrolle aller Abhängigkeiten – und damit nach Wahrscheinlichkeiten das zukünftige Ergebnis zu berechnen. Das daraus resultierende Geschäftsmodell heißt Google Trends.

Google Trends wird zum mächtigsten Tool

Ein Beispiel zur Verdeutlichung: Die Auswertung von börsenrelevanten Daten und Begriffen über den Zeitraum von sieben Jahren und eine hinzugefügte Korrelation mit Börsenkursveränderungen im selben Zeitraum sollte Aufschluss darüber bringen, ob es „Warnsignale“ für bestimmte Markttrends gab. Das Ergebnis war, dass der Begriff „Schulden“ die größten Chancen am Markt versprach: ein dementsprechender Investmentplan hätte in diesem Zeitraum einen Gewinn von über 300% gehabt.
Der Einwand, dass Googles Daten hier aus der Vergangenheit resultierten und die Berechnung der Gewinnchancen daher sehr einfach gewesen ist, zählt leider nicht. Denn für Google ist schon die vergangene Sekunde so mit Daten der Zukunft gefüllt, dass das limitierende Moment einzig und allein die Rechnerleistung ist.

In Zeiten des automatisierten Handels im Millisekunden-Bereich bleibt zu hoffen, dass Google sein Wissen nicht als Investmentbank einsetzt, denn das würde eine ganz neue Zeitrechnung einläuten. Denn dann wäre Google die mächtigste Firma der Welt. Dieses Risiko würde Google aber heute nicht eingehen, weil es strategisch falsch wäre. Zuerst müssen sie den Menschen komplett fixieren – mit Ihren Services rund um die Suche, YouTube, Google Drive, Google Plus, Google Analytics, Android, Google Maps und Co.! Dann erst, wenn der Mensch fixiert ist, kann die Politik nicht einschreiten! Das System erschafft einen Götzen: Google.

Google, philosophisch betrachtet

„Die Gegenwart ist im Verhältnis zur Vergangenheit Zukunft, ebenso wie die Gegenwart der Zukunft gegenüber Vergangenheit ist. Darum, wer die Gegenwart kennt, kann auch die Vergangenheit erkennen. Wer die Vergangenheit erkennt, vermag auch die Zukunft zu erkennen.“ Lü Buwei chinesischer Kaufmann, Politiker und Philosoph (ca. 300-235 v.Chr.)

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Kommentare zu "Googles Big Data: „Ich sehe etwas, was Du nicht siehst“"

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Coskun Tuna 24. Mai 2013 um 18:11 Uhr (Antworten)

Ich sehe das so: mehrere Hektar Felder zu besitzen, heisst noch lange nicht, es ertragreich säen und ernten zu können. Es bedarf auch bei Google noch ein wenig Zeit, mit den Unmengen Daten „das Orakel“ zu werden.
Aber wenn es dann soweit ist, wird sicher eine Menge berechenbarer (für Google). Sie werden es mit bedacht einsetzen.

Ibo 24. Mai 2013 um 18:14 Uhr (Antworten)

Coskun, da gebe ich Dir recht. Aber das machen sie ja schon mit Google Trend. Also weit sind sie nicht mehr davon. Und neben Google ist keine Firma die das könnte. Unfassbar sowas!

Coskun Tuna 24. Mai 2013 um 18:44 Uhr (Antworten)

Du meinst das Unfassbare wird greifbar. Ich freue mich drauf, wenn auch mit Unbehagen. Aber die Neugier ist größer als die Furcht.

Ole Wintermann 24. Mai 2013 um 18:39 Uhr (Antworten)

Interessant ist die damit mögliche interdisziplinäre Betrachtung insbesondere der wirtschaftlichen Wechselwirkungen aus methodischer Sicht: auf der einen Seite steht Google , das im Sekundentakt nach Mustern in der Datenmenge sucht und diese in Echtzeit scannnt. Auf der anderen Seite stehen die klassischen Volks- und Betriebswirte, die weiter versuchen, die globalen Kausalitäten in begrenzten Excel-Matrizen und theoretischen Gleichgewichtsmodellen zu beschreiben. Man hat dabei so ein bisschen den Eindruck, als kämpfe die Kreidezeit um ihr Überleben.

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