Ich dachte, wir sind Freunde! Die Selektion im Social Media.

Oh man, jetzt ist es soweit. Ich habe ca. 5000 Menschen in meiner Facebook Freundesliste oder knapp 25.000 Follower auf Twitter. Eine Diskussion, die ich derzeit führe ist: Kommen wir schon bald, gewollt oder ungewollt, in die Zeit der Selektion?

Digitales Dasein. Aber wie?

Wir leben in einer Zeit, in der die meisten von uns kaum noch ohne Social Networks auskommen und wir uns ohne zu zögern vernetzen. Dabei sind wir stets auf der Suche nach neuen und außergewöhnlichen Tools, neuen Filtermöglichkeiten, nach neuen menschlichen Informationsquellen und neuen Services, um unser digitales Dasein zu erleichtern. Wir lernen viel schneller neue Menschen kennen, ob im Internet oder persönlich – alles verschmilzt regelrecht, wenn man im Social Media-Bereich lebt und arbeitet. Freunde und Follower sind plötzlich auf der eigenen Pinnwand vernetzt und tauschen sich untereinander aus. Das ist auch soweit gut, sonst würde ich Social Media wohl kaum leben können. Trotzdem frage ich mich täglich, wie wir das ganze managen können. Und welchen Nutzen ziehen wir aus jedem Einzelnen?

Selektion im persönlichen Umfeld

Social Media bedeutet: Ich bin für Dich da.

Die meisten von uns vernetzen sich in sozialen Netzwerken, sind transparent und für jeden zugänglich. Ich bin gerne und oft bei Facebook, LinkedIn und Twitter unterwegs, aber wie verhalte ich mich, wenn ich niemals eine Reaktion von meinen Online “Freunden” bekomme, die mit mir in Vernetzung stehen? Sollte die Technik nicht schon soweit fortgeschritten sein, dass sie nicht-aktive Freunde aus meinen Listen entfernt oder ich erst gar keine Anfragen von ihnen bekomme, wenn sie meinem Anforderungsprofil nicht entsprechen? Dann sollen lieber andere kommen, die einen Nutzen auf mein Wissen und meine Aktivitäten in Social Networks haben. Schließlich verfolge ich auf allen Plattformen Ziele: Ich möchte mit Freunden agieren, sie verstehen, von ihnen lernen und mit ihnen Spaß haben. Ich will Wissen und Gedanken austauschen, über innovative Ideen sprechen und zum Denken anregen.

Die Entwicklung der Persönlichkeit ist hierbei wichtig – sei es im Privatleben, in der Berufswelt oder im Social Media. Diese Entwicklung richtig zu steuern, zu erkennen und einzusetzen, stellt uns vor viele ungelöste Aufgaben.

“Was für ein Glück in dieser digitalen Welt zu sein! Wir haben alle Möglichkeiten.“

Twittern WhatsApp

Doch können wir heutzutage noch persönlich im Netz unterwegs sein? Ja, dass müssen wir sogar unbedingt. Gerade unsere Persönlichkeit im World Wide Web mit einfließen zu lassen, macht das Social Web doch erst spannend. Wenn das Verständnis, Fachwissen und der Zeitgeist geteilt wird, ist unser Glück in dieser digitalen Welt kein Problem. Das Wichtige in diesem Zusammenhang ist das Feingefühl, was wiederum mit der Persönlichkeit zusammenhängt, und uns richtig handeln lässt. Selektion wird bei denjenigen stattfinden, dessen Resonanz auf das Ganze nicht wahrgenommen wird, nicht schätzen, was ich mache, keine Reaktion zeigen und mich ausblenden. Wer so handelt und all das nicht schätzt, so frage ich mich: Kann er überhaupt noch bei einer stetig wachsenden Freundesliste bestehen? Meine Antwort lautet: Nein. Ich kann mir vorstellen, dass die Technik mich in Zukunft soweit dabei unterstützen wird, dass sie Anfragen direkt danach filtert, wer meinem Anforderungsprofil entspricht und wer nicht. Und auch diejenigen, die niemals eine Reaktion zeigen und immer passiv handeln, könnten durch diesen technischen Gedanken selektiert werden.

Wie könnte Selektion in Unternehmen aussehen?

Social Media ist ein Abenteuer.

Jedes Unternehmen benötigt Experten für die verschiedensten Fachbereiche. Daher werden sich Firmen in Zukunft externe Experten nicht nur über das Web in die Firmengeschehnisse einbinden lassen, sondern müssen Experten, aktiv selbst suchen. Das Internet bietet die Möglichkeit, dass sich Menschen mit Expertenwissen als Social Trademark aufbauen können und sich somit von allen anderen Onlinern unterscheiden, was nichts anderes ist als eine Art der Selektion. Die Experten sind dadurch spürbar sichtbarer und persönlicher. Vor allem darauf, wie wir uns weiterhin zwischen der Vielzahl an Freunden und Followern zurecht finden werden, wenn keine Selektion stattfindet. Wenn die Zeit der Selektion dann gekommen ist, frage ich mich, wo sie anfängt, mit welchen Tools und mit welchen Auswirkungen sie aufhört? Manche Tools zeigen mir auch, wer mich entfolgt hat. Das kann sehr schmerzhaft sein, wenn man in diesen Listen Menschen findet, die man selbst als Freunde bezeichnet. Das sind natürlich unbeantwortete Fragen, aber die Antworten danach zu suchen ist umso spannender. Social Media ist ein Abenteuer. Jeder sollte glücklich sein, ein Teil davon zu sein.

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Kommentare zu "Ich dachte, wir sind Freunde! Die Selektion im Social Media."

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Elmar 30. Oktober 2013 um 9:31 Uhr (Antworten)

Hallo Ibo,
sehe es so, daß viele, die bisher ihre Meinungen, Statements, News etc. über alle Kanäle verteilt haben, früher oder später eine gewisse Sinnkrise ob relativ weniger Reaktionen ihrer Follower, Kontakte, Freunde haben werden.
Ich plädiere eher zu einer konsequenten Trennung in Freunde auf der einen und Kontakte auf der anderen Seite. Denn Menschen sind nun mal so auf persönliche Beziehungen gepolt, daß eben eine massenhafte digitale Kontaktpflege dies definitiv nicht ersetzen kann.

Martin 30. Oktober 2013 um 10:51 Uhr (Antworten)

Hallo Ibrahim,
die Idee hinter deinem Artikel finde ich sehr interessant und birgt einiges an Diskussionspotential.
Sicherlich werden die Freundeslisten mit jedem Jahr auf einer Social-Media-Plattform länger und länger, aber will man tatsächlich geknüpfte Kontakte nach objektiven Gesichtspunkten filtern?
Vielleicht ist meine Freundesliste einfach zu klein um diesem Wunsch zu verstehen, oder ich habe einfach eine andere Einstellung zu Social-Media.
Zum einen gibt es doch jetzt schon bei facebook Listen, in denen man seine Freunde kategorisieren kann, zum anderen erfüllen für mich unterschiedliche Netzwerke unterschiedliche Freundes/Kontaktkreise. Facebook für Private und bspw. Xing für Geschäftliche Kontakte. Sortiere ich hier mittels eines Filters, gehen mir Kontakte verloren, welche vielleicht auf der Social Media Plattform inaktiv sind, aber im „realen“ Leben via Telefon (oder andere Kommunikationsmittel) ein gewisser Austausch stattfindet. Der Kontakt auf facebook (oder gerade bei Xing) sorgt da lediglich für ein „Rundumpacket“ an Verbindung zueinander.

Ein weiterer kleiner Punkt brachte mich doch sehr zum Grübeln: „Die Entwicklung der Persönlichkeit ist hierbei wichtig – sei es im Privatleben, in der Berufswelt oder im Social Media.“ Ist es heute tatsächlich so, dass man seine Persönlichkeit im Web entwickelt?!
M.M. nach bringe ich meine Persönlichkeit in Internet hinein und erhalte hier gewisse Lerneffekte in Sachen Nutzung und Reaktion auf meine Aktionen, aber geprägt wird doch die Persönlichkeit im „realen“ Leben durch Elternhaus, Freunde und Schule.

Ich wünsche dir weiterhin gute Gedanken beim Bloggen.
VG
Martin

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