Social Media – Gestohlene Momente ersetzen nicht die Realität

„Wege entstehen erst, wenn man sie geht“, sagte Franz Kafka und ich paraphrasiere „Momente werden erst wertvoll, wenn man sie lebt.“ Erst vor kurzem wurde mir wieder schmerzhaft vor Augen geführt, wie wahr diese Aussage im Alltag ist. Ich war mit einem Freund unterwegs, wir genossen den Abend bei guten Gesprächen und schönen Momenten. Genauer gesagt: Wir wollten ihn genießen. Ihm gelang das meiner Beobachtung jedoch nicht so richtig. Ständig war er mit seinem Smartphone beschäftigt, fotografierte Eindrücke und Momente, teilte sie auf Instagram und in anderen Netzwerken. Und natürlich reagierte er auf die eingehenden Kommentare. Ein völlig normaler und sehr kommunikativer Abend – scheinbar.

Doch tatsächlich hat er von den wunderbaren Momenten des Abends nichts mitbekommen. Er war so damit beschäftigt, andere an seinen Momenten teilhaben zu lassen, dass er sie selbst nicht erleben konnte. Das hat mich zu einer heute vielleicht unpopulären Erkenntnis gebracht:

Gestohlene Momenten ersetzen nicht die Realität. Und Kommentare und Likes sind kein Ausgleich für echtes Erleben.

“Gestohlene Momenten ersetzen nicht die Realität – Kommentare & Likes sind kein Ausgleich für echtes Erleben.“

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Ich weiß, dass mein Freund Momente im Grunde genießen kann. Doch die Sucht nach Anerkennung, nach Feedback, Bewunderung und Zuspruch in den sozialen Netzwerken ist stärker als das viel wertvollere Erleben der Realität. Ein Verhalten, mit dem mein Freund ganz sicher nicht alleine da steht.

Natürlich bin ich weit davon entfernt, Social Media oder Smartphones als grundlegende Übel oder Probleme zu sehen. Dazu lebe ich Social Media viel zu sehr, nutze, genieße und schätze die technischen und kommunikativen Möglichkeiten jeden Tag viel zu intensiv.

Doch das kann und tue ich nur, weil ich diese Medien und Geräte als Tools sehe. Tools, die mir dabei helfen, meine Momente und mein Leben noch intensiver zu leben und wirklich für mich zu nutzen. Wie bei jedem Tool gilt auch hier:

Es kommt auf die Anwendung an. Und die liegt in der Hand jedes Einzelnen. Meine Vorhersage der Fixierung der Menschen mit den Geräten wird wahr. 

Lass Dich auf die Realität ein

Noch ein Aspekt spielt bei diesem Thema für mich eine wichtige Rolle. Viele Menschen scheinen es verlernt zu haben, sich bewusst auf die Realität und den Moment einzulassen.

Sie verlieren sich nicht zufällig in Social Media, sie flüchten regelrecht vor Eindrücken und Erlebnissen des Augenblicks. Es liegt mir fern, daraus einen Vorwurf abzuleiten, das steht mir gar nicht zu! Doch der Grund für dieses Fluchtverhalten bereitet mir Sorgen. Denn sich auf den Moment einzulassen würde bedeuten, sich einigen Fragen zu stellen. Fragen wie:

  • Was gibt mir dieser Moment?
  • Warum erlebe ich ihn gerade hier und jetzt?
  • Was macht das Erleben mit mir?
  • Was werde ich mit dem hier Erlebten tun?
  • Wie bringt mich diese Erfahrung weiter?
  • Welche Rolle spielen die Menschen für mich, mit denen ich diese Erfahrung teile?

All diese Fragen sind auf den ersten Blick nicht kritisch oder problematisch. Doch sich ernsthaft auf sie einzulassen bedeutet auch, den eigenen Umgang mit Erleben, Erfahrungen und Momenten zu reflektieren. Diese Reflexion würde manche Menschen jedoch schmerzhaft daran erinnern, dass sie es längst verlernt haben, Momente wirklich zu genießen und zu leben. Die Flucht in virtuelle Welten und Netzwerke ist oft die deutlich leichtere Alternative.

Social Media sind auch die Lösung

“Social Media Trüffelschwein: Der Content-Finder.“

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Momente zu erleben heißt keineswegs, sich von Social Media fern zu halten. Es ist schlicht die Frage der bewussten Nutzung und des richtigen Timings, die den Unterschied macht. Einige werden aber zu „Social Media Trüffelschweinen“ und verlieren dann ewig Zeit, um neue gute Bilder oder Videos zum Posten zu finden. Dabei realisieren sie nicht, dass sie Momente mit Menschen verpassen. Ein wirkliches Problem der Neuzeit.

Konzentriere ich mich im konkreten Moment nur auf mein Smartphone, halte ich jeden Augenblick fest und teile ihn sofort, stehle ich mir meine Momente, mein Erleben selbst. Dann werden Smartphone und Social Media zum Fluch. Genieße und erlebe ich den Moment jedoch ganz bewusst, lasse ich mich auf die Menschen ein und widme ich ihnen meine volle Aufmerksamkeit, gehe ich reich beschenkt aus dem Moment hervor. Diese reiche Erfahrung kann ich gezielt über Social Media mit den für mich wichtigen Menschen teilen.

Dadurch können Diskussionen und tief gehende Konversationen entstehen. Der Moment und das Erlebte werden so vertieft, von neuen Perspektiven beleuchtet und für mich neu aufgeschlossen. Durch meine Kontakte und ihr Feedback entdecke ich Facetten des Moments, die mir im konkreten Erleben verborgen geblieben sind.

Nutze ich Social Media so, können auch andere Menschen von echten Momenten profitieren. Durch den gezielten Austausch über Erlebtes werden Momente…

  • … auch für Menschen zugänglich, die selbst nicht dabei sein konnten.
  • … für mich und andere, die dabei waren, wieder lebendig.
  • … zum Impuls für ganz individuelle Veränderungen.
  • … zu einem wertvollen Gut, das viele Menschen weiterbringt.
  • … zur Grundlage wertvoller Gespräche.

“Nutzt Social Media & genießt wertvolle Momente mit Menschen bewusst. Sie kommen nicht wieder.“

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Doch all das kann nicht stattfinden und geschehen, wenn wir uns selbst um unsere Momente bringen, in dem wir sie immer und jederzeit mit allen teilen. Dann profitieren zwar auch andere von den Momenten, doch wir selbst haben nichts davon und die Wirkung wird nur oberflächlich sein. Es ist daher in unser aller Interesse, Social Media und Smartphone ab und an zur Seite zu legen, Momente ganz zu erleben und wahrzunehmen und uns den Menschen in unserem Umfeld mit voller Aufmerksamkeit zuzuwenden.

Ich kürze mal ab: Lebt im Jetzt!

Gestohlene Momente können die Realität nicht ersetzen. Egal wie viele Kommentare und Likes sie erhalten.

// Soziale Netzwerke hat aber auch noch eine andere Schattenseiten, vor allem bei dem Thema digitale Eifersucht – nicht umsonst einer meiner meistgelesenen Artikel seit Jahren.

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