Die künstliche Kreativität: Wenn Maschinen Musik machen.

Die künstliche Kreativität: Wenn Maschinen Musik machen.

Wer Siri bittet zu rappen, wird vielleicht erstaunt sein – mit etwas Hilfe von EFF und Sido gibt Siri etwas zum Besten, das sie sich „ausgedacht“ hat. Sicher, es handelt sich hierbei nur um eines der vielen Easter Eggs, die von den Programmierern der virtuellen Assistentin dort liebevoll platziert wurden. Wie absurd ist aber der Gedanke, dass intelligente Maschinen Musik machen? Ganz anders verhält es sich nämlich bei folgendem Musikstück. Was sie jetzt hören werden ist fast komplett von Maschinen erzeugt – der Mensch war nur der Programmierer – nicht der kreative Kopf. Was bedeutet das für die Musik von morgen?

Dieser Pop-Song, der an die Musik der Beatles erinnert, entstand im SONY CSL Research Laboratory mit Flow Machines: Künstliche Intelligenz und Machine Learning halfen maßgeblich bei der Komposition. Anlässlich dieser Meldung habe ich mich gefragt, wo wir im Moment bezüglich der AI (Artificial Intelligence – Künstliche Intelligenz) stehen und was es bedeutet, wenn intelligente Maschinen in Zukunft kreative Tätigkeiten wie das Komponieren von Musik übernehmen. Wollen wir das?

Künstliche Intelligenz: Der status quo

Es versteht sich fast von selbst, dass Google an vorderster Front bei der Entwicklung von künstlicher Intelligenz dabei ist. Die Nachricht über Googles AI, die es vor kurzem geschafft hat, den Weltmeister im äußerst komplexen Go-Spiel zu besiegen, ging um die Welt. Go basiert, ganz ähnlich wie Schach, auf einem Set von Regeln. Jede Regel für sich genommen ist einfach, zusammengenommen ergeben sich jedoch Millionen von Spielmöglichkeiten und Strategien. Dass Maschinen in diesem Bereich inzwischen besser als Menschen sind, ist tatsächlich eine kleine Sensation.

“#Künstliche #Intelligenz macht Menschen auf allen Ebenen Konkurrenz: Kann #AI #Kunstwerke hervorbringen?“

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Bis vor wenigen Jahren ging die Angst um, dass Millionen von Menschen arbeitslos werden, wenn die technologische Entwicklung und die Digitalisierung weiter in diesem Tempo voranschreiten. Zunächst ging es dabei vor allem um Jobs des primären und sekundären Wirtschaftssektors, also größtenteils manuelle Tätigkeiten, die in Zukunft von Robotern und Maschinen übernommen werden können. Aufgaben des tertiären und quartären Sektors, also Dienstleistungen und höherwertige Tätigkeiten, für die viel Kreativität und menschliche Intelligenz nötig sind, galten lange als sicher. Seit einigen Jahren erleben wir aber immer öfter Momente, in denen sich die Frage stellt, wie lange diese Gewissheit noch ihre Gültigkeit hat. Selbst der Bereich der Kunst ist kein Refugium, in das die künstliche Intelligenz nicht vordringen kann: Die App Prisma verwandelt Fotos in Kunstwerke oder einfache FotoApps bieten durch Filter Technologien wunderbare Kunstwerke an.

Was passiert, wenn künstliche Intelligenz kreativ wird?

Es scheint so, dass künstliche Intelligenz zu Leistungen imstande ist, die bislang nur Menschen zugetraut wurden. Jeder von uns hat, auch ohne es zu wissen, mit hoher Wahrscheinlichkeit Zeitungsmeldungen gelesen, die von einer Maschine verfasst wurden. Insbesondere Sport- oder Wettermeldungen müssen nicht mehr von Menschen verfasst werden, weil diese einen hohen Grad an Standardisierung aufweisen. Sprache besteht, ähnlich wie das Go-Spiel, ebenfalls aus einer bestimmten Anzahl von Regeln, die einer künstlichen Intelligenz angewandt werden können. Beim Nachrichtendienst Twitter werden über „Bots“ massenhaft Kommentare verbreitet. Sie gaukeln vor, da sprächen echte Menschen. Unter einem Bot versteht man ein Computerprogramm, das weitgehend automatisch sich wiederholende Aufgaben abarbeitet.

Die entscheidende Frage ist, ob auch die Kunst etwas ist, das regelhaft funktioniert.

Was ist das Geheimnis der Musik?

Im Fall von Flow Machines beruht die Fähigkeit, Musik zu komponieren, genau auf dieser Annahme. Ein Blick in die Harmonielehre genügt schon, um zu sehen, dass es einen grundlegenden Zusammenhang zwischen Musik, Mathematik und Harmonie gibt – insofern kann auch die Informatik hier anschließen. Elektronische Musik und auch viele klassischen Musikstücke wie die Kompositionen von Bach beruhen auf einer Kombinatorik von sich wiederholenden musikalischen Grundmustern.

“Eines der Grundprinzipien der Kunst ist der Remix. Dies ist die Basis für #AI, um Musik zu machen.“

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Wenn wir uns auf den Gedanken einlassen, dass Maschinen dazu in der Lage sind, diese Muster zu erkennen und zu imitieren, glaube ich, dass wir uns von einem Mythos verabschieden müssen: Menschen, auch die sogenannten Genies, schaffen nicht aus dem Nichts heraus etwas Neues. Sie sind das Produkt einer Entwicklung und sie sind Handwerker, die eine bestimmte Technik beherrschen. Das folgende Video veranschaulicht meiner Ansicht nach eine wichtige Erkenntnis: Eines der Grundprinzipien der Kunst und der Musik ist der „Remix“:

Everything is a Remix Part 1 from Kirby Ferguson on Vimeo.

Wenn intelligente Machine-Learning-Algorithmen diese Regeln erlernen und auf eine große Datenbank mit unterschiedlichster Musik zurückgreifen können, ist der Schritt nur noch ein technischer: Die Anwendung der Regeln und damit zur Komposition von neuen Melodien, die auf den Mustern der im Archiv gespeicherten Audiodateien basiert.

Was passiert aber, wenn AI kreative, künstlerische Tätigkeiten übernimmt?

Welches Potenzial hat künstliche Intelligenz im Bereich der Kreativ-Branche? Werden wir wirklich unsere Musiker, Bands und Komponisten aus den Konzertsälen, Opernhäusern und Clubs verschwinden sehen und statt dessen 24 Stunden Roboter Konzerte erleben?

Ich denke, dass Musik, die von AI komponiert wurde, in Zukunft ihren festen Platz im Musikbusiness haben wird. Wenn es zum Beispiel darum geht, gemafreie Musik für einen Werbespot oder für ein Youtube-Video zu produzieren. Es wird genügen, das Genre und die Stimmung anzugeben und die AI-Engine wird ein passendes Musikstück komponieren. Vielleicht ändert sich auch die Aufführungspraxis in bestimmten Kontexten. Warum sollte bei der nächsten Firmenfeier nicht das Robo-Quartett spielen:

Wer glaubt, dass Maschinen bei Live-Auftritten nicht mithalten können, sei eines besseren belehrt zum Beispiel mit Compressorhead, die Smells Like Teen Spirit von Nirvana spielen.

Was passiert, wenn die Firma Google mit seiner Tochterfirma Boston Dynamics Madame Tussauds kauft und die Roboter der Zukunft menschlicher macht. Fast schon wie echt. Dann könnte Queen oder Beatles wieder auf die Bühnen der Welt. Gleichzeitig in 24 Städten.

Was unterscheidet uns dann noch von Maschinen und was ist unser Verhältnis zu den Maschinen? Im Sony CSL Research Laboratory arbeiten Mensch und Maschine zusammen. Und selbst wenn Maschinen den Menschen in einzelnen Disziplinen in Zukunft übertreffen und weit überlegen sein werden, so wird sich eines nicht verändern: Menschen sind extrem vielseitige Wesen, die nicht nur eine einzelne Sache gut sind. Das macht uns so anpassungsfähig und erfolgreich. Genau das wird auch die Musik von Menschen und die Musik von Maschinen unterscheiden: die Fähigkeit, auf das unerwartete zu reagieren, und sich auch über die Regeln hinwegzusetzen.

Lass uns bitte gemeinsam diskutieren.

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