Medienversammlung 2012: Medien und Menschenwürde

Medienversammlung 2012: Medien und Menschenwürde

Markt und Moral stehen im Medienbereich in einem besonderen Spannungsverhältnis. Der wachsende Konkurrenzdruck und stagnierende Werbeerlöse setzen die Branche zusätzlich unter Druck. Beim Kampf um die Aufmerksamkeit der Nutzerinnen und Nutzer geraten soziale Verantwortung und Medienethik so häufig aus dem Blick. Nicht nur Fälle öffentlicher Demütigung und Zurschaustellung werden rechtlich verfolgt und geahndet. Programme und Formate können aus verschiedenen Perspektiven zu ethischen und moralischen Problemfällen werden: Sie können die Würde der Dargestellten verletzen und die ethischen Vorstellungen des Publikums negativ beeinflussen. Prominente Beispiele für provokative Sendungen sind vor allem Casting-Shows à la Deutschland sucht den Superstar oder Germany’s next Topmodel . Aber auch andere Formen der inszenierten Realität (Scripted Reality) stehen auf dem Prüfstand. Die Würde des Menschen ist unantastbar, sagt das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland. Doch wie können Verletzungen der Würde ausgemacht, wie können sie nachhaltig belegt werden? Wann treten sie ein und wann werden sie gefährlich? Was ist Entertainment, was Entblößung? Welche moralischen Grundsätze werden zur Bewertung angewendet? Welche Rolle kommt den Programmschaffenden, welche den Protagonisten und welche vielleicht auch dem Publikum zu? Wie viel Eigenverantwortung kann von Beteiligten und Publikum erwartet werden? Inwiefern müssen Menschen vor bewusster Selbstentblößung geschützt werden? Wie viel Realitätssinn darf man jenen zutrauen, die sich zum Teil der Inszenierung machen? Und wie steht es um die Würde im Word Wide Web? Welche Strategien können entwickelt werden, die Würde des Einzelnen in einer immer komplexeren Medienwelt zu bewahren? Welche Systeme sind tatsächlich wirkungsvoll, um Medienangebote zu regulieren und zu kontrollieren? Wer entscheidet das? Wo hört Kontrolle auf, wo beginnt Zensur? Gelten in Rundfunk und Internet zweierlei Maß und wenn ja, kann ein gemeinsamer Wertekanon geschaffen werden, der für alle Medien gleichermaßen Gültigkeit besitzt?

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